Es ist Donnerstagmorgen. 6 Uhr in der Früh. Es klingelt. Aus dem Schlaf gerissen öffnet Matthias Stirnemann die Haustür und wirkt verdutzt. «Guten Morgen, Dopingkontrolle»! «Kontrolle? Wen kontrollieren Sie denn?»

So oder so ähnlich muss es sich am vergangenen Donnerstag vor dem Haus der Familie Stirnemann abgespielt haben. In Gränichen wohnt Matthias Stirnemann zusammen mit seiner Schwester Kathrin, ebenfalls Mountainbike-Profi, in seinem Elternhaus. Vater Beat war dereinst Schweizer Nationaltrainer. Und dem nicht genug, wie Matthias Stirnemann erzählt: «Momentan sind drei ausländische Athleten bei uns zu Gast.»

Sieht ganz schön halsbrecherisch aus: Matthias Stirnemann brettert mit der GoPro-Kamera über die Rennstrecke in Gränichen.

Sieht ganz schön halsbrecherisch aus: Matthias Stirnemann brettert mit der GoPro-Kamera über die Rennstrecke in Gränichen.

Der Dopingkontrolleur hätte also auch den Australier Daniel McConnell zum Urintest bitten dürfen. Das Ergebnis steht noch aus, auch wenn Stirnemann natürlich von einem negativen Befund überzeugt ist. Etwas Positives sieht er im morgendlichen Besuch aber dennoch: «Es ist natürlich auch ein bisschen eine Ehre, und es würdigt meine Leistungen in jüngster Vergangenheit.» Stirnemann misst sich im zweiten Jahr mit der Elite. Gute Leistungen im Weltcup haben ihm einen Startplatz in der zweiten Startreihe gesichert. Vergangene Woche resultierte im Weltcup im deutschen Albstadt der hervorragende 12. Platz. «Diese Resultate will ich natürlich bestätigen – vor allem vor eigenem Publikum», so der 23-Jährige.

Am Sonntag will der Lokalmatador unter die besten fünf fahren. Doch die Konkurrenz ist stark. Nicht weniger als sieben der besten zehn der aktuellen Weltrangliste werden am Start sein. Angeführt wird das Feld vom aktuellen Weltranglistenersten und Gesamtweltcupführenden Julien Absalon. Der Franzose fuhr in Albstadt unlängst seinen 30. Weltcup-Sieg ein. «Ich präsentiere mich lieber im Vergleich mit starken Konkurrenten, das bringt mich persönlich weiter nach vorne», sagt Stirnemann.

Technisch anspruchsvoll

Die Rennstrecke in Gränichen liegt rund um das Kieswerk. Nur etwas mehr als einen Kilometer entfernt ist Stirnemann aufgewachsen. «Ich kenne hier jeden Stein», so Stirnemann, der im Alter von fünf Jahren hier sein erstes «Pfüderirennen» gewonnen hat.

Die 4,2 Kilometer lange Strecke ist in drei Abschnitte gegliedert. In der sogenannt neuen Kiesgrube befindet sich der Start, wo viel Platz zum Überholen ist, in der alten Kiesgrube muss Tempo gebolzt werden, bevor es dann im öffentlichen Bikeparcours ums Technische geht. «Technisch ist die Strecke sehr anspruchsvoll. Weil am Wochenende alle Rennen auf diesem Parcours ausgetragen werden, können nicht gross zusätzliche Hindernisse eingebaut werden. Das macht die Strecke für uns Profis eher leicht», beschreibt Stirnemann.Dennoch: Die Strecke ist steil, die Topografie bleibt anspruchsvoll. Das merkt man vor allem, wenn man den Anstieg hochläuft. Es ist heiss. «Ich war erst gerade sechs Wochen in Spanien, daher machen mir solche Temperaturen nicht sonderlich viel aus», sagt Stirnemann. Auch, weil der Gränicher derzeit in «der Form meines Lebens» ist. Das gibt Zuversicht.

«Aufgeregt bin ich nicht. Ich bin mental stark», so Stirnemann. Grund dafür ist vor allem die gute Vorbereitung über den Winter. Und das neue Team, in dem er sich pudelwohl fühlt. Auf diese Saison hin hat er zu Möbel Märki gewechselt, die Formkurve zeigt seither stetig nach oben. «Wir sind eine kleine Mannschaft. Da wird viel Zeit für jeden genommen, auch abseits des Sports. Das macht vieles einfacher. Alles ist hier sehr familiär.»

Wie zu Hause wird es auch an diesem Wochenende für Stirnemann zu- und hergehen. Zwar startet der Lokalmatador erst am Sonntag ins Rennen, sich an der Strecke zeigen möchte er sich aber bereits am Samstag: «Es ist ein wichtiger Tag. So kann ich auch meine Wertschätzung gegenüber den vielen ehrenamtlichen Helfern zeigen», so Stirnemann. Der ganze Rummel vor dem Heimrennen ist dann für Stirnemann, der als seine Schwächen «ein bisschen die Ernährung und die eigene Vermarktung» angibt, auch der grösste Nachteil. «Aber es ist definitiv ein wunderschöner Nachteil!»