Kolumne

Gschobe: Bla, Bla, Blara Gut-Behrami

Lara Gut-Behrami mit ihrem Mann Valon.

Lara Gut-Behrami mit ihrem Mann Valon.

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 47 und 50, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule: Pius, Qualitätsmanager, Appenzell. David, Lehrer, Speicher AR. Tobias, Consultant, Zürich. Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG. François, Journalist, Windisch.

Tobias: Ich frage mich: Was ist nur in Lara Gut-Behrami gefahren, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt zu einem Rundumschlag ausholt?
Flavio: Stimmt, sie rasen ja wieder den Berg runter. Was hat Frau Gut-Behrami denn so furchtbar aufsehenerregendes gesagt?
Tobias: Sie kritisiert hauptsächlich den Verband – und fährt dabei schweres Geschütz auf. Sie fühlt sich als Frau und als Sportlerin missverstanden. Sie fühlt sich zu wenig wertgeschätzt. Und sie wehrt sich gegen die Kritik, letztes Jahr zu wenig trainiert und zu viel Zeit mit ihrem Mann Valon ­Behrami verbracht zu haben.
Pius: Und täglich grüsst das Murmeltier.
David: Ich verstehe sie auch nicht. Denn es besteht doch überhaupt keine Dringlichkeit für diese Generalkritik.
François: Absolut. Sie macht aus dem Nichts ein Fass auf und verstrickt sich dabei in Widersprüchen. Das schadet ihr mehr als es nützt. Sicher wird es das Bild von der zickigen Diva, das viele von ihr haben – berechtigt oder nicht, das lassen wir mal offen – nicht revidieren. Und wenn sie den Schweizer Journalisten im Zielraum von Lake Louise sagt, sie wolle keinen Wirbel verursachen und deshalb nicht reden, kurz darauf die Journalisten aber doch ins Hotel zitiert, um dann vom Leder zu ziehen, verstehe ich sie erst recht nicht.

Lara Gut-Behrami steht mittlerweile etwas im Schatten von Wendy Holdener.

Lara Gut-Behrami steht mittlerweile etwas im Schatten von Wendy Holdener.

Flavio: Nochmals: Was hat sie konkret gesagt?
Tobias: Das ist zum Teil schwer zu entschlüsseln. Klar ist: Sie wirft dem Verband vor, er nütze die Athleten aus, unternehme aber zu wenig, um bestmögliche Bedingungen zu schaffen. Das ist absurd, wenn man die andere Seite hört. Als Gut-Behrami 2016 den Gesamtweltcup gewann, kümmerten sich 26 Betreuer um die Schweizer Ski-Frauen. Heute sind es 36, heisst es vom Verband. Pius: Sie ist doch einfach gekränkt und sauer, dass ihr Vater nicht mehr vollumfänglich vom Verband bezahlt wird. David: Das denke ich auch. Aber Swiss-Ski bezahlt ihr dafür einen persönlichen Konditionstrainer, der sie überall hin begleitet. Gleichzeitig betont sie, nicht mehr 12 zu sein, wenn sie auf ihren Vater angesprochen wird. Nur: Sie ist 28 und nicht erst seit gestern erwachsen.
François: Es ist widersprüchlich, wie so vieles andere auch, was sie sagt. Ich befürchte, dass vieles aus einer persönlichen Kränkung heraus kommt. Lara Gut-Behrami war über Jahre der absolute Star im Schweizer Frauenteam. Alles drehte sich um sie. Und auch wenn sie mal kokettierte, es werde alles ein bisschen viel, sie sich über die Erwartungshaltung beklagte, genoss sie es insgeheim doch, im Mittelpunkt zu stehen. Doch dann blieben die Podestplätze aus, andere Frauen drängten nach, überholten sie sogar. Wendy Holdener oder Michelle Gisin, zuletzt auch Corinne Suter. Und nun feiert Swiss-Ski auch Erfolge, wenn Gut-Behrami auf Rang 20 fährt. Ich glaube, das nagt an ihr.
Tobias: Glaube ich auch. Aber dann soll sie nicht so wirres Zeugs reden, sondern den internen Konkurrenzkampf annehmen. Ich bin überzeugt, dass sie es noch drauf hat.
David: Vielleicht wird doch am falschen Ort gespart. Vielleicht hätte der Verband die Medienkoordinatorin, die exklusiv für Lara Gut-Behrami gearbeitet hat, weiterbeschäftigen müssen. Oder vielleicht müsste sich Swiss-Ski umbenennen, in Gut-Behrami-Planet.

Autor

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

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