Sport
Grossprojekt von Swiss Olympic: Zwei Olympia-Helden sollen den Schweizer Sport retten

Swiss Olympic lanciert ein Projekt, das den wirtschaftlichen Schaden durch Corona beziffert und daraus politische Forderungen formuliert. Leiter des Projekts sind Ralph Stöckli und Hippolyt Kempf.

Rainer Sommerhalder
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Ralph Stöckli (links) und Hippolyt Kempf.

Ralph Stöckli (links) und Hippolyt Kempf.

Bilder: PD / Keystone

Curler Ralph Stöckli und ­Nordisch-Kombinierer Hippolyt Kempf sind Olympische Landeshelden. In den kommenden Wochen nun soll ihr Einsatz dem Schweizer Sport noch weit mehr als emotionale Höhepunkte bereiten. Es geht um nicht weniger als die wirtschaftliche Existenz.

Ralph Stöckli (links) und Hippolyt Kempf.

Ralph Stöckli (links) und Hippolyt Kempf.

Bilder: PD / Keystone

Swiss Olympic, der Dachverband des Schweizer Sports, hat gestern Freitag die 81 nationalen Verbände über die Lancierung eines der wichtigsten Projekte seiner Geschichte informiert. «Die Taskforce unter meiner Leitung hat das Projekt «Strategie Sportwirtschaft» ins Leben gerufen. Es ist ein Meilenstein in unserer Arbeit und gibt uns ein Instrument in die Hand, um den Weg des Schweizer Sports aus dieser ökonomischen Krise aufzuzeigen», erklärt Swiss-Olympic-Präsident Jörg Stahl.

Der ehemalige Nationalrat sagt, es sei die dritte Etappe des Sports während der Coronapandemie nach der Sicherstellung der Finanzhilfe des Bundes in der Höhe von 100 Millionen Franken sowie der am Mittwoch bekannt gegebenen Exitstrategie zur Wiederaufnahme des Sportbetriebs im Spitzen- und Breitensport. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch die Eidgenössische Hochschule für Sport in Magglingen.

Welcher Schaden entsteht und wer begleicht ihn?

Kempf und Stöckli leiten das Projekt, an welchem Exponenten aus der Sportwirtschaft, den Verbänden, den Profiligen, der Veranstalter, der Leistungscenter und der Kantone mitwirken, gemeinsam. Es soll den wirtschaftlichen Schaden für den Sport erheben und daraus ableitend für die Verbände Handlungsmassnahmen und einen Massnahmenkatalog ausarbeiten, Bedürfnisse zuhanden der Politik formulieren sowie entsprechende Forderungen platzieren. «Die 100 Millionen aus der Nothilfe werden nicht reichen. Der Schaden ist viel grösser», sagt Stahl.

Wie andere Wirtschaftszweige leidet auch der Sport massiv an den wirtschaftlichen Folgen von Corona. Während Monate fallen Einnahmen von Veranstaltungen weg, Olympiasportler zittern um den Fortbestand ihre Sponsoringpartnerschaften, die Schweizer Sporthilfe als wichtigster Geldgeber von Athleten ist ausgerechnet in der Zeit ihres 50-Jahr-Jubiläums mit einem deutlichen Rückgang der Lotterieeinnahmen konfrontiert. Swiss Olympic kann zwar die 60 Millionen Franken, die jährlich an die nationalen Sportverbände fliessen, gemäss Stahl für 2020 garantieren. Wie sich die finanzielle Lage mittelfristig entwickelt, ist aber auch für den Dachverband ungewiss. «Es schüttelt uns gerade auf allen Ebenen durch», sagt Stahl.

Erster Schritt der Projektgruppe ist die Analyse des tatsächlichen wirtschaftlichen Schadens. «Bevor der Fahrplan aus dem Lockdown nicht bekannt war, konnten wir uns nicht konkret an die Bezifferung der Folgen machen», sagt Hippolyt Kempf, Chefökonom im Bundesamt für Sport. «Die Rechnungen werden erst jetzt gemacht, wie das Beispiel des Fussballs zeigt».

Braucht es ein Konjunkturprogramm für den Sport?

Mit Hilfe der Rahmenbedingungen und den Markteinschränkungen im Sport durch Corona wollen die Experten ein Modell für die Kostentreiber und Einnahmeausfälle erarbeiten. Für die Analyse denkt man in Szenarien. Den optimistischen Weg hat Bundesrätin Viola Amherd am Mittwoch aufgezeigt: ab 8. Juni wieder Wettkämpfe im Profibereich, ab 1.September Sportanlässe mit Zuschauern. Bei einem erneuten Anstieg der Infektionen würde auch die Saison der Wintersportler tangiert und bei einer massiven zweiten Welle allenfalls sogar das Sportjahr 2021 inklusive Olympischer Spiele.

Noch im Mai sollen an einem Workshop mit wichtigen Exponenten des Sports die Richtigkeit der Analyse sowie die Folgen der verschiedenen Szenarien erörtert und die nächsten Schritte definiert werden. Jürg Stahl erhofft sich erste handfeste Ergebnisse der Projektgruppe für Juni. Je nach Eintreffen eines Szenarios reiche ein Paket zum Überbrücken der Ausfälle oder man müsse über ein Konjunkturprogramm oder sogar einen Entwicklungsfonds für eine teilweise Neugestaltung der Sportlandschaft nachdenken, prophezeit Kempf. Etwa punkto Digitalisierung. Stahl ergänzt, dass er durch das Projekt auf eine nachhaltige Sicherung des Schweizer Sportsystems hofft.