Premier League

Granit Xhaka soll das neue Gesicht des FC Arsenal werden

Neu im Dress von Arsenal: Granit Xhaka.

Neu im Dress von Arsenal: Granit Xhaka.

Das Abenteuer beginnt: Granit Xhaka steht vor der grössten Herausforderung seiner Karriere. Von ihm wird erwartet, dass er Arsenals chronische Probleme lösen kann.

Seit 20 Jahren sitzt Arsène Wenger an den Schalthebeln der «Gunners», der Kanoniere. Der Übername des FC Arsenal geht zurück auf die Gründerväter, allesamt Arbeiter in einer Londoner Rüstungsfabrik. In den 20 Jahren hat Wenger Legendenstatus erlangt, weil er im rauen England attraktiven Kurzpassfussball salonfähig gemacht hat und Arsenal trotz zahlreicher Angebote immer die Treue gehalten hat.

Doch das Denkmal des Franzosen bröckelt: Seit 2004 gewann Arsenal keinen Meistertitel mehr. Die Mannschaft spielt zwar unverändert schönen Fussball - doch Jahr für Jahr gerät sie in der zweiten Saisonhälfte, wenn die Pokale verteilt werden, in eine Schaffenskrise. Das nervöse Publikum im «Emirates Stadium» hat genug davon: Im vergangenen Frühling forderten viele Fans erstmals die Entlassung Wengers. Sie wollen nicht mehr die höchsten Ticketpreise in England zahlen und dafür nur unterhalten werden. Sie wollen endlich wieder Erfolge sehen und nicht mehr immer neidisch den Blick zum Stadtrivalen Chelsea oder nach Manchester richten müssen. Nach dem Saisonende war klar: Arséne Wenger, der Dirigent der «Gunners», hat noch eine Patrone übrig. Die muss treffen, die muss Titel bringen, ansonsten wird der Vertrag des dienstältesten Premier-League-Trainers, der 2017 ausläuft, nicht verlängert.

Xhaka soll prägen

Wenger verstand, ging auf die Suche. Und wurde in Deutschland, in Mönchengladbach fündig: Dort prägte ein Spieler namens Granit Xhaka das Spiel seiner Mannschaft so sehr, wie es in Gladbach seit Günter Netzer in den 70er-Jahren keiner mehr getan hat. Wenger entschied: Das ist sie, meine letzte Patrone. Und legte sein Schicksal in die Füsse von Xhaka, 23 Jahre alt, Schweizer Nationalspieler.

Arsenal und Granit Xhaka. Das scheint zu passen wie die Faust aufs Auge. Arsenal bietet Xhaka die grösstmögliche aller Plattformen, die Premier League. Arsenal spielt offensiven, schnellen Fussball – Fussball, den auch Xhaka verkörpert. Xhaka seinerseits bringt Härte und Übersicht in die Mannschaft. Dinge, die in den vergangenen Jahren. Xhaka soll der prägende Spieler sein, den Arsenal lange gesucht hat. Und der das chronische Versagen endlich Geschichte werden lässt.

Die Pass-Maschine

Schon nach dem ersten Training Xhakas mit seinen neuen Teamkollegen, stimmten diese Loblieder an. Captain Per Mertesacker etwa sagt: «Er wird das Tempo in unserem Spiel bestimmen, er ist eine Pass-Maschine. Er ist der perfekte Einkauf.» Jack Wilshere, das Arsenal-Eigengewächs, sagt: «Xhaka wird unser wichtigster Spieler sein.»

Worte, die Xhaka schmeicheln dürften. Genauso aber steigt dadurch der Druck auf ihn nahezu ins Unermessliche: 45 Millionen Euro bezahlte Arsenal für Xhaka, nur Mesut Özil (2013 für 47 Millionen von Real Madrid zu Arsenal) war teurer. Die Frage ist, wie Xhaka mit dem Druck umgeht. Hemmen dürfte er ihn kaum: Dafür hat er einfach ein viel zu grosses Selbstverständnis.

Schon beim FC Basel, wo er als 19-Jähriger das Hirn der Mannschaft war, war das so. Gefahr geht eher von seinem Temperament aus. Dass der Druck dazu führt, dass er zu viel will. Dass er gleichzeitig den Ball erobern, den Angriff auslösen und den letzten Pass will spielen. Und daneben auch noch dem Schiedsrichter die Meinung geigen. Xhaka sagt zwar, er habe diesbezüglich gelernt. Doch er muss aufpassen. In der Premier League wurden auf die neue Saison hin strengere Regeln eingeführt, was den Diskurs mit den Unparteiischen betrifft: Künftig wird verwarnt, wer nur schon Anzeichen von Reklamieren von sich gibt.

Wengers letzte Patrone
Xhakas Rolle auf dem Platz wird von Beginn an die des Spielgestalters sein. Arsenal spielt normalerweise im 4-2-3-1-System, das Xhaka aus Gladbach und der Nationalmannschaft kennt. Den Platz neben ihm dürfte gemäss Dave Hytner, Arsenal-Experte bei der englischen Tageszeitung «Guardian», Mohamed Elneny einnehmen. Die Schaltzentrale des Weltklubs ist somit besetzt mit zwei Spielern, die sich beim FC Basel für höhere Aufgaben empfohlen haben. Hytner, der die Londoner seit Jahren begleitet und viele Neuzuzüge beobachtet hat, sagt: «Wer in die Premier League kommt, ist angewiesen auf einen guten Start. Es gibt hier so viele gute Spieler, die Kader sind riesig und entsprechend gross die Auswahl für die Trainer.»

Ein guter Start ist Xhaka zweifellos zuzutrauen. Heute startet Arsenal in die Meisterschaft. Und es kommt bereits zu einem Topspiel. Die Londoner empfangen Jürgen Klopp und Liverpool. Am Sonntag um 17 Uhr heisst es: Startschuss für Wengers letzte Patrone.

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