Europa League
Gladbach-Söldner Favre, Xhaka und Sommer im Rampenlicht

Borussia Mönchengladbach tritt in der Europa League mit Trainer Lucien Favre, Mittelfeldspieler Granit Xhaka und Goalie Yann Sommer gegen den FCZ an. Das Medieninteresse an den Schweizern ist entsprechend gross.

Markus Brütsch
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Lucien Favre

Lucien Favre

Besondere Spiele erfordern besondere Massnahmen. Weil Borussia Mönchengladbach heute mit drei Schweizern an Bord zum Europa-League-Spiel gegen den FC Zürich einfliegt, ist tags darauf die Affiche im Letzigrund eine ganz spezielle. Bei den Deutschen hütet Yann Sommer das Tor und Granit Xhaka organisiert das defensive Mittelfeld. Beide sind vom FC Basel zur Borussia gekommen und beide spielen in der Nationalmannschaft. Vor allem aber dirigiert mit Lucien Favre ein Mann den Bundesliga-Zweiten, der ab 2003 während vier Jahren den FCZ trainiert hatte, und dies mit grossem Erfolg. 2005 führte er die Zürcher zum siebten Cupsieg, 2006 im denkwürdigen Basler Saisonfinal mit Filipescus Meistertor in der 93. Minute zum ersten Meistertitel nach 25-jähriger Durststrecke, um ein Jahr später gleich noch einmal zu triumphieren.

So waren bei der Presseabteilung von Borussia jede Menge Anfragen von Schweizer Medien für Interviews mit den drei temporären Heimkehrern eingegangen. Um das Ganze zu bewältigen, entschieden sich die Mönchengladbacher zu einer Pressekonferenz, die im Internet durch das klubeigene «Fohlen-TV» übertragen wurde. Die drei Schweizer beantworteten dabei Fragen, die im Vorfeld aus der Heimat eingereicht worden waren.

Favre, der 2007 vom FCZ zu Hertha Berlin gegangen war und nun seit dreieinhalb Jahren die Borussia trainiert, gab dabei unumwunden zu, dass der FCZ für ihn das Sprungbrett in die Bundesliga gewesen sei. «Ohne diese Erfolge wäre ich niemals hier gelandet», sagte Favre. Er erinnerte aber auch daran, wie schwierig für ihn die ersten sechs Monate seiner ersten Tätigkeit im deutschsprachigen Raum gewesen seien. «Wir waren Tabellenletzter, und ich musste Präsident Sven Hotz dankbar sein, dass er mir vertraute.» Danach aber sei es eine fantastische Zeit gewesen beim FCZ, sagte Favre. Zwar war dann sein Abgang nach Berlin nicht in Minne verlaufen. Vor allem Präsident Ancillo Canepa war bitter enttäuscht gewesen, doch gut sieben Jahre später sieht Favre keinen Grund, sich nicht auf das Spiel in der Schweiz zu freuen.

Seit dem 2:1 in Paderborn am Samstag hat er sich intensiv mit dem FCZ beschäftigt. «Er spielt im 3-4-3 oder im 3-5-2 und ist gut organisiert», sagte Favre und zählte gleich mal die halbe Zürcher Mannschaft auf, um zu erklären, welches die Leistungsträger seien. «Keine Diskussion, Chikhaoui wäre auch in der Bundesliga eine Attraktion», sagte Favre und lobte vor allem Flügel Marco Schönbächler. «Ich erwarte einen topmotivierten FCZ und wir müssen eine Topleistung erbringen,wollen wir etwas holen.» Angesichts des gedrängten Programms – «wir nehmen es als Herausforderung und jammern nicht über die Belastung» – wird Favre morgen dem einen oder anderen Spieler eine Pause gönnen.

«Ich hoffe natürlich nicht, dass ich ausgerechnet in Zürich eine solche bekomme. Ich fühle mich fit», sagte Granit Xhaka. Bisher ist er in jedem Bundesligaspiel von Anfang an auf dem Platz gestanden. «Im ersten Jahr in Gladbach habe ich ein paar Fehler gemacht und mir dann gesagt, ich müsse weniger reden und mehr zeigen», sagte Xhaka. Im zweiten Jahr sei es dann schon besser gelaufen, und jetzt könne er sagen, dass es passe. Favre sagt: «Granit macht es defensiv sehr gut und setzt vorne Akzente.» Erst eine gelbe Karte hat er in sechs Spielen abgeholt. In der letzten Saison waren es elf gelbe Kartons und ein gelbroter gewesen. «Ich bin ruhiger geworden», sagt Xhaka. Als früherer Basler sei die Europa-League-Partie gegen den FCZ schon speziell, ergänzte der eben erst 22 Jahre alt gewordene Aufbauer. «Ich habe noch nie in meiner Karriere gegen den FCZ verloren.»

Dies kann Yann Sommer nicht von sich behaupten. Im Cupfinal im April erlitt er seine achte Niederlage gegen den FCZ. Eine neunte soll es auf keinen Fall geben. «Weil wir im ersten Spiel in der Gruppenphase gegen Villarreal nur ein Unentschieden geholt haben, ist die Partie in Zürich sehr wichtig», sagte Sommer. Obwohl er schon oft in der Champions League aufgelaufen ist, hat die Europa League bei Sommer einen hohen Stellenwert. «Es ist eine tolle Abwechslung zum Alltag», sagte der 25-Jährige, seit seinem Transfer in diesem Sommer die unumstrittene Nummer eins im Tor der Borussia. «Ich habe das Glück, dass Favre einen offensiv mitspielenden Goalie will», sagte Sommer. Wenn es einen Hauptunterschied zwischen der Bundesliga und der Super League gebe, dann diesen: «In Deutschland ist das Tempo während 90 Minuten hoch.» Sommer stellt sich darauf ein, im Letzigrund viel Arbeit zu erhalten: «Die FCZ-Offensive ist sehr stark.»