Ski alpin

Gino Caviezel ist gefangen in der Warteschlange

Gino Caviezel rutschte unfreiwillig in die Rolle des Teamleaders.

Gino Caviezel rutschte unfreiwillig in die Rolle des Teamleaders.

Warten. Fast niemand macht es gerne. Doch es gehört zum Leben dazu. Das weiss auch Gino Caviezel, obwohl ihn die Ungeduld oft packt. Warten ist Stillstand - auch für einen Skifahrer.

Rückblick: Am 13. Januar 2013 stand in dieser Zeitung: «Lebenszeichen einer neuen Generation». Tags zuvor machte sich der damals 20-jährige Gino Caviezel in Adelboden gleich selbst zum neuen Schweizer Hoffnungsträger im Riesenslalom: Rang elf mit der Startnummer 52!

Fast drei Jahre später wartet Caviezel noch immer auf die definitive Aufnahme in die Weltspitze. Zwar hat der heute 23-Jährige sein Bestresultat auf Rang acht verbessert. Aber so richtig Anschluss an die Besten hat er noch nicht gefunden. Er steht weiterhin in der Warteschlange der Hoffnungsträger. Nur ist er keiner mehr. Vielmehr ist er unfreiwillig in die Rolle des Teamleaders gerutscht. Weil dem Schweizer Team im Riesenslalom die Leistungsträger fehlen, müssen die Jungen für gute Resultate sorgen.

Erster Lauf oft unbefriedigend

Der Jugendbonus verwandelte sich in eine Bringschuld. Erwartet wird viel. Vergessen geht, dass in der Riesenslalom-Weltrangliste nur ein jüngerer Athlet besser klassiert ist als Caviezel: der Norweger Henrik Kristoffersen. Der Schweizer relativiert: «Die Erwartungen sind immer hoch. Ich bin lange genug dabei, um damit umgehen zu können.» Dass Gino Caviezel bereits das Potenzial hätte, weiter nach vorne zu fahren, hat er bereits mehrfach angedeutet. Zuletzt am vergangenen Sonntag im Riesenslalom von Beaver Creek. Nach einem verpatzten ersten Durchgang stiess er mit der zweitbesten Laufzeit auf Rang elf vor und war sogar schneller als Marcel Hischer.

«Nach einem verpatzten ersten Lauf kann ich mit Wut im Bauch angreifen», sagt Caviezel. In den ersten Läufen gelingt das selten. Möglich, dass ihn die Erwartung eben doch hemmt. «Wenn ich starte, ist noch kein Schweizer im Ziel. Das ist brutal.» Er muss liefern. Die Bremse im Kopf löst sich erst, wenn nichts mehr erwartet wird – im zweiten Durchgang nach verpatztem ersten Lauf.

Irgendwie wünscht man dem jungen Mann vor dem heutigen Rennen in Val d’Isère Zeit, damit das Warten bald ein Ende hat. Zeit, die der Hoffnungsträger nie bekam.

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