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Gibt es bald keine Klub-Ikonen mehr?

Xavi, Steven Gerrard, und nun auch noch Bastian Schweinsteiger und Iker Casillas: In diesem Sommer haben erstaunlich viele Vereins-Ikonen ihre Klubs verlassen.

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Iker Casillas verlässt Real Madrid nach über 25 Jahren und wechselt zum FC Porto.

Iker Casillas verlässt Real Madrid nach über 25 Jahren und wechselt zum FC Porto.

Keystone

Iker Casillas weinte, bis ihm eine Journalistin ein Taschentuch reichte. Für Steven Gerrard erhob sich das gesamte Stadion zu einem letzten "You'll never walk alone". Xavi wurde von den Fans eine eigene Choreografie gewidmet. Und der "sensible" (Karl-Heinz Rummenigge) Bastian Schweinsteiger ersparte sich den emotionalen Abschied von den Fans lieber und beschränkte sich auf eine Videobotschaft.

In diesem Transfer-Sommer haben bereits einige internationale Stars den Klub gewechselt, die man auf immer mit ein und demselben Verein verwurzelt glaubte. Schweinsteiger (30) geht nach 17 Jahren bei Bayern München zu Manchester United, Xavi (35) verschlägt es nach 24 Jahren beim FC Barcelona zum al-Sadd Sport Club nach Katar.

Gerrard (35) trägt nach 26 Jahren im Trikot des FC Liverpool künftig das von Los Angeles Galaxy und Casillas (34) geht nach 26 Jahren bei Real Madrid zum FC Porto.

Eine neue Herausforderung als Reiz

Dazu kann man auch den tschechischen Torhüter Petr Cech zählen, der nach elf Jahren beim FC Chelsea innerhalb Londons zum FC Arsenal wechselt. Und auch im deutschen Fußball gab es bemerkenswerte Transfers: Gonzalo Castro wechselte nach 16 Jahren bei Bayer Leverkusen zu Borussia Dortmund, Torhüter Sven Ulreich nach 17 Jahren beim VfB Stuttgart zu den Bayern.

Und in der 2. Liga verließ Andreas "Lumpi" Lambertz, der mit seinem Verein von der Oberliga bis in die Bundesliga durchmarschiert war, nach 13 Jahren unfreiwillig Fortuna Düsseldorf und schloss sich dem Drittligisten Dynamo Dresden an.

Die Gründe für die Wechsel sind oft ähnlich gelagert. Der Reiz, kurz vor dem Karriereende noch einmal "eine neue Herausforderung" zu suchen, besteht bei allen. Vor allem bei Xavi wird auch das Geld eine große Rolle gespielt haben. Frei nach Uli Hoeneß, der den Wechsel von Michael Ballack von den Bayern zu Chelsea einst mit den Worten kommentierte, Ballack habe keine neue Sprache oder neue Kultur kennenlernen wollen, sondern einfach nur eine neue Währung.

Ikonen wären auf der Bank versauert

Doch in allen Fällen war es auch so, dass die Vereins-Ikonen ihren Status der Unantastbarkeit verloren hatten und sich ein lockeres Auslaufen auf der Bank ersparen wollten. Es ist bezeichnend, dass allenfalls Schweinsteiger als jüngste der wechselnden Ikonen in etwa auf einem Niveau bleibt.

Wer reflexartig die "guten, alten Zeiten" beschwört, verkennt jedoch die Realität. Zwar gab es Fälle wie den von Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel (19 Jahre nur bei Eintracht Frankfurt), Fritz Walter spielte nur in seiner Zeit als Infanterist in Lothringen für zwei andere Vereine als den 1. FC Kaiserslautern und HSV-Held Uwe Seeler nur für ein Gastspiel für Cork Celtic.

Doch viele andere brachen auch damals auf ihre alten Fußballer-Tage noch einmal zu neuen Ufern auf. Franz Beckenbauer verließ mit 32 die Bayern, um zu Cosmos New York zu gehen, Gerd Müller ging mit 33 zu den Ford Lauderdale Strikers ebenfalls in die USA.

Auf ein Karriereende bei "seinem" Klub scheint derweil Francesco Totti hinzusteuern. Der Italiener wird im September 39 und spielt immer noch für den AS Rom. Seit nun 26 Jahren schon.

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