Auftakt zur Fifa-Tagung

Gianni Infantino in der Defensive: Die Fifa sucht den Weg zur inneren Ruhe

Fifa-Präsident Gianni Infantino weibelt für das Vertrauen in den Verband. Keystone

Fifa-Präsident Gianni Infantino weibelt für das Vertrauen in den Verband. Keystone

Ab heute tagt der Weltfussballverband in Bahrain. Fifa-Boss Gianni Infantino will das Vertrauen in seine Organisation wiederherstellen.

Gianni Infantino ist nicht zu beneiden. Was auch immer rund um die Fifa passiert, es wird dem Schweizer Präsidenten als Vorwurf ausgelegt. Und je näher der jährliche Kongress rückt, umso höher schlagen die Seismografen der kritischen Fifa-Berichterstattung aus.

Vor einem Monat machte die Story in den Medien die Runde, die Fifa wolle die Wiederwahl der Ethikkommission mit dem Schweizer Chefermittler Cornel Borbély und dem vorsitzenden Richter Hans-Joachim Eckert verhindern. Sie sollen diese Woche am Kongress in Bahrain für vier Jahre in ihren Ämtern bestätigt werden.

Dabei wurde gnadenlos auf den Mann gespielt. «Der Fifa-Präsident will die Spitze der Ethikkommission auswechseln, um sich noch mehr Macht zu sichern», schrieb der «Tages-Anzeiger», es sei «ein offenes Geheimnis, dass Infantino lieber andere Personen an der Spitze der Kammern sehen würde», wusste die «Süddeutsche Zeitung». Der Italo-Schweizer wolle Rache nehmen, weil die Ethiker im Sommer 2016 auch gegen ihn ermittelt hatten. Mehr als Indizien von angeblichen Fifa-Insidern präsentierten die Ankläger nicht.

Wie wenig Wert solche Insider-Informationen bisweilen haben, bewies der «Spiegel» mit seiner jüngsten Behauptung, gegen Infantino laufe erneut ein Verfahren der Ethikkommission. Als Quelle diente ein ehemaliger Fifa-Mitarbeiter. Ein Kenner der Vorgänge spricht von einer äusserst «schludrigen journalistischen Arbeit».

Neue Leichen im Keller

Feinde hat der Schweizer Fifa-Boss offensichtlich nach wie vor zur Genüge. Diese stammen oft aus der Vergangenheit der Organisation. Bisweilen werden auch unerwartete Personen von dieser eingeholt. So jüngst Richard Lai, der Präsident des Fussballverbandes von Guam und Mitglied im Compliance- und Audit-Komitee der Fifa. Er gestand letzte Woche vor der US-Justiz, korrupt zu sein. Mit ihm in den Strudel der Ermittlungen geriet mit Scheich Ahmad Al-Sabah, dem Neffen des kuwaitischen Emirs, sogar ein Mitglied der Fifa-Führung und einer der mächtigsten Strippenzieher im Sport. Ahmad Al-Sabah trat von allen Fussballämtern zurück, betonte dabei aber seine Unschuld.

Ahmad Al-Sabah in traditioneller Kleidung.

Ahmad Al-Sabah in traditioneller Kleidung.

Selbstverständlich zeigten die Medien genüsslich Bilder, die Al-Sabah mit Infantino zeigen. Allerdings unterstützte der Scheich bei der Präsidentenwahl vor 15 Monaten dessen Widersacher und geht es bei den vorgeworfenen Taten um Verfehlungen aus der Zeit vor Infantino. Trotzdem sollen sie als Beweis für die Unfähigkeit der Fifa zur Erneuerung dienen.

Ebenfalls um Erneuerung geht es am Kongress. Allerdings bieten auch die in Bahrain geplanten Statuten- und Reglementsänderungen Angriffsfläche für Kritik. Weniger der Antrag der USA, Kanadas und Mexikos als möglicher Ausrichter der WM 2026, dass die Endrunde bereits jetzt statt erst 2020 vergeben wird. Mangels Kandidaten durchaus nachvollziehbar. Doch damit die Auswahl der WM-Bewerber wieder grösser wird und China bereits für 2030 zum Handkuss kommen kann, soll neu ein Kontinentalverband nicht mehr 12 Jahre warten müssen, bis er sich für eine nächste WM-Vergabe bewerben kann.

Umstritten, wenn auch nicht komplett neu und keinesfalls das Ende der Reformen, ist die Ausdehnung der Kompetenzen für das 7-köpfige Council-Büro (die 6 Präsidenten der Kontinentalverbände plus Infantino). Dem 37-köpfigen Fifa-Council wird damit ein Teil der Entscheidungshoheit geraubt, bevor es je einmal komplett getagt hat. Und die Fifa-Spitze verkommt so wieder zur reinen Männer-Runde.

Zu guter Letzt steht die Wieder- oder Abwahl von Borbély und Eckert auf der Traktandenliste. Wetten, dass sie im Amt verbleiben? Trotz allen Prognosen.

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