Gerichtsverfahren
Novak Djokovic gewinnt vor Gericht – und muss sofort entlassen werden

Ein Gericht erklärt den Entzug des Visums und die Ausweisung von Novak Djokovic aus Australien für ungültig. Der Tennisspieler muss umgehend aus dem Hotel entlassen werden, in dem er festgesetzt ist.

Simon Häring
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Novak Djokovic gewinnt vor Gericht und muss freigelassen werden.

Novak Djokovic gewinnt vor Gericht und muss freigelassen werden.

Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Novak Djokovic gewinnt vor Gericht und muss umgehend aus dem Hotel entlassen werden, in dem er seit Donnerstag festgesetzt ist.
  • Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Djokovic im Rahmen der Einvernahme nicht genügend Zeit eingeräumt worden sei, um die verlangten Belege zur Befreiung von der Impflicht vorzulegen.
  • Die australische Regierung kann das Visum erneut entziehen und ihn erneut festsetzen. Diesmal auf einer anderen juristischen Grundlage.

Novak Djokovic und seine Anwälte haben es geschafft, den Entscheid der australischen Grenzbehörde umzustossen, dem Tennisspieler das Visum zu entziehen und ihn aus Australien auszuweisen. Das hat Richter Anthony Kelly am Montag am späten Nachmittag Ortszeit entschieden.

Djokovic bekommt nun innerhalb von 30 Minuten nach Erlass des Gerichtsbeschlusses seinen Pass und alle seine persönlichen Gegenstände ausgehändigt. Danach ist er umgehend auf freien Fuss zu setzen. Das australische Innenministerium hat alle Kosten von Djokovic zu tragen.

Serbische Fans feiern den Erfolg Djokovics vor Gericht.

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Hamish Blair / AP

Als Grund nannte Kelly, dass Djokovic während der Vernehmung nach seiner Ankunft am Flughafen Tullamarine mehr Zeit hätte eingeräumt werden müssen, um Beweise vorlegen zu können, Anspruch auf Befreiung der Impfpflicht zu haben.

Djokovic war am Mittwoch, 5. Januar kurz vor Mitternacht in Melbourne gelandet, wo er etwa um 04.00 Uhr angewiesen worden sein soll, sein Mobiltelefon auszuschalten. Djokovic habe gesagt: «Wenn sie mir mehr Zeit einräumen, bis Tennis Australia und mein Agent wach sind, und ich telefonisch mit ihnen kommunizieren kann, werde ich Ihnen alles liefern, was Sie sich wünschen.» Um 07.42 Uhr wurde ihm das Visum entzogen.

Djokovics Anwälte monierten einen juristischen Formfehler, der ihnen letztlich zum Erfolg verhalf. Das Gericht sah als erwiesen an, dass es keinen Grund gegeben habe, dem Serben nicht mehr Zeit einzuräumen. Zudem hätten ihm die Behörden zunächst eine Frist bis 08.30 Uhr gesetzt.

Australische Regierung zieht erneuten Prozess in Betracht

Die australische Regierung hat bereits im Vorfeld des Berufungsprozesses angekündigt, eine erneute Aufhebung des Visums prüfen zu wollen. Der Immigrationsminister, Alex Hawke, könnte diesen Schritt in Erwägung ziehen. Djokovic würden dann bis zu drei Jahre Einreisesperre drohen, gegen diesen Entscheid könnte er allerdings erneut in Berufung gehen.

Mit neun Titeln ist Novak Djokovic Rekordsieger der Australian Open.

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Mark Dadswell / AP

Djokovic sagte vor Gericht nicht aus

Novak Djokovic sagte im Berufungsverfahren gegen seine Ausweisung aus Australien und den Entzug seines Visums nicht aus. Er liess sich von seinen Anwälten um Nick Wood vertreten.

Begonnen hatte der Prozess mit einer halben Stunde Verspätung und Problemen beim Livestream. Dieser hätte jeder und jedem und von überall auf der Welt Zugang zugänglich sein sollen. Doch zu Beginn wurde der Stream von Unbekannten gehackt und es wurde ein Pornofilm abgespielt. Während der Hälfte der dreistündigen, virtuell durchgeführten Anhörung war der Stream nicht erreichbar.

Djokovic dufte das Hotel, in dem er seit Donnerstagmorgen festgesetzt ist, erstmals verlassen, um die Verhandlung seines Falls mitzuverfolgen. Wo der 34-jährige das tat, wurde nicht öffentlich gemacht.

Groteskerweise nicht in Frage kommt dafür offenbar die Anwaltskanzlei Hall & Willcox, die ihn vertritt. Denn diese habe den Grundsatz: «Nicht geimpft, kein Zutritt.» Davon ausgenommen seien Menschen mit Kontraindikationen für die Impfung, wie sie Djokovic geltend macht und Hall & Willcox vertritt.

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