St. Moritz 2017

Geniestreich von Swiss-Ski: Deshalb ist die Schweiz in der Kombination so gut

Die Schweiz war in der Kombination nicht zu schlagen: Michelle Gisin (links) und Wendy Holdener holten Silber und Gold.

Die Schweiz war in der Kombination nicht zu schlagen: Michelle Gisin (links) und Wendy Holdener holten Silber und Gold.

Hinter dem Triumph von Holdener, Gisin & Co. steckt auch ein geschickter Schachzug am grünen Tisch. Ein strategischer Geniestreich von Swiss-Ski führte die Schweiz zu den Medaillen.

Das interessiert kein Schwein! Da schlafen einem die Füsse ein! Anachronismus pur! Die Kombination, eigentlich die traditionsreichste alpine Ski-Disziplin, ist schon x-Mal zu Tode getragen worden. Auch von den Medien. Bis sie immer wieder von Neuem auflebt, wie an diesem gloriosen Freitag, an dem Wendy Holdener und Michelle Gisin Skigeschichte schrieben.

Grossen Anteil daran haben Cheftrainer Hans Flatscher und seine Trainer mit ihrem geschickten «Master-Plan». Es ist aber auch das Verdienst von Swiss-Ski und insbesondere Präsident Urs Lehmann. «Ohne zu bluffen», sagt er, «darf ich einen Teil dieses Erfolgs auch an die Fahne des Verbandes heften. Er ist für Swiss-Ski und auch für mich persönlich eine grosse Genugtuung.»

Lehmann hat damit noch leicht untertrieben. Ohne Leute wie ihn, aber auch Bernhard Russi, gäbe es die Kombination womöglich nicht mehr. Die Disziplin ist für die meisten Verbände nichts anderes als ein lästiges Anhängsel. Seit Jahren liegt sie in der Agonie, Regel- und Modusänderungen sind die einzige Konstante.

Schweiz kämpft für die Kombination

Swiss-Ski hielt als fast einzige Nation hartnäckig an der Kombination fest, unterstützt nur von Kroatien und eher lau auch von Österreich. Von den letzten zehn Frauen-Rennen fanden vier in der Schweiz statt. Das ist kein Zufall. Vor allem St. Moritz sprang immer wieder als Ersatzort ein. Da die Pistenpräpation für solche Rennen sehr aufwendig ist, hat Swiss-Ski den Organisatoren unter die Arme gegriffen.

«Auch für Crans-Montana haben wir einen Teil übernommen», erklärt Lehmann. Dort finden unmittelbar nach der WM gleich zwei Kombinationen statt, eine attraktive WM-Revanche im eigenen Land, die Holdener, Gisin & Co., aber auch Crans-Montana und der Verband redlich verdient haben. Crans-Montana gilt als wahrscheinlicher nächster Schweizer WM-Austragungsort, 2027, 2029 oder 2031.

«Ich habe mit Atle Skaardal, dem Rennchef der Frauen, lange Gespräche geführt und Druck gemacht», erklärt Lehmann, «auch vor dem Hintergrund, dass wir einige Athletinnen und Athleten mit Potenzial in dieser Disziplin haben.» Als Konsequenz hätte ihm Skaardal dafürnahe gelegt, die an vielen Orten unbeliebten Rennen zu übernehmen.

Nun ist Swiss-Ski ein weiteres Mal für diese Hartnäckigkeit entschädigt worden. Schon 2007 ist nach einer langjährigen Krisenphase der Turnaround mit Gold und Bronze von Daniel Albrecht und Marc Berthod an der WM in Are eingeleitet worden. Auch Patrick Küng erzielte sein erstes zählendes Resultat in der Kombination (19. in Wengen), Janka seinen ersten Top-Ten-Platz – erfeierte später drei Siege.

Selbst Vreni Schneider kam an Grossanlässen nur in Schwung, wenn sie vorher eine Kombination bestritt: «Damit holte ich mir Vertrauen. Sonst lief bei mir nichts.» Erfreuliche Perspektiven für Holdener und Gisin: Mit dem moralischen Bonus der beiden Kombi-Medaillen sind sie auch im Slalom heisse Medaillenanwärterinnen - und im Teambewerb vom Dienstag erst recht.

Die WM-Kombination der Frauen in Bildern:

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