Olympische Winterspiele
Geht «Sion 2026» fremd? Prüfung einer Auslagerung der Eisschnelllauf-Wettbewerbe

Das Bewerbungskomitee der Olympischen Winterspiele 2026 prüft eine Auslagerung der Eisschnelllauf-Wettbewerbe in die Niederlande.

Rainer Sommerhalder
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Die Olympischen Winterspiele 2026 sollen endlich wieder einmal in Westeuropa stattfinden.

Die Olympischen Winterspiele 2026 sollen endlich wieder einmal in Westeuropa stattfinden.

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA

Die Rückkehr zur Vernunft im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) macht es möglich: Das vorläufige Budget der Olympiabewerbung «Sion 2026» für neue Sportanlagen beträgt mickrige 93 Millionen Franken.

Die «Agenda 2020» des IOC will dem Gigantismus der Spiele einen Riegel schieben, lockert unter anderem die Vorgaben betreffend Sportstätten und erhofft sich dadurch eine Rückkehr von traditionellen Wintersportnationen an den Bewerbungstisch.

Nach Vancouver 2010, Sotschi 2014, Pyeongchang 2018 und Peking 2002 sollen die Spiele 2026 endlich wieder einmal in Westeuropa stattfinden. Mit Sion und Innsbruck stehen zumindest zwei ernsthafte Interessenten in den Startlöchern.

Die Walliser Kandidatur hat bei den Wettkampfanlagen eigentlich nur ein grösseres Problem: das Eisschnelllaufen. Zwar erhielt das OK vom Bundesamt für Sport die Vorgabe, den Bau einer fixen 400-m-Rundbahn in Aigle zu prüfen, doch Jean-Philippe Rochat, der Präsident des Bewerbungskomitees, musste nach der Kalkulation schnell abwinken:

«Die 60 Millionen Franken, die ein solcher Bau kosten würde, waren das kleinste Problem. Die jährlich 5 Millionen Franken Betriebskosten sind die Knacknuss. Dafür eine Finanzierung sicherzustellen, ist beim Stellenwert der Sportart in der Schweiz ein Ding des Unmöglichen.»

Der Blick über die Grenze

Das Komitee musste sich also auf die Suche nach einer Alternative machen. Ideal wäre eine temporäre Anlage auf einer bestehenden Leichtathletik-Anlage. Das Problem hier ist das Dach. «Wir müssten eine Ausnahmebewilligung erhalten, das Eisschnelllaufen unter freiem Himmel durchzuführen. Das ist so nicht vorgesehen», sagt Rochat.

Also blieb nur der Blick über die Grenzen. Rochat bestätigt: «Wir haben mit dem IOC darüber diskutiert, das Eisschnelllaufen in den Niederlanden oder in Deutschland zu veranstalten.»

Der Bewerbungschef ist sich bewusst, dass diese Variante bei den Athleten kaum auf grosse Gegenliebe stösst: «Der Anlass wäre von der Stimmung her dann wohl so etwas wie eine Weltmeisterschaft für sich.»

Vielleicht hilft den Wallisern unverhofft die Privatwirtschaft. Eine grosse Gesellschaft aus der Ostschweiz will in den nächsten Jahren in der Romandie mehrere aussergewöhnliche Lagerhallen aufstellen.

Die Olympia-Macher haben nun bei einem Architekten eine Studie in Auftrag gegeben, ob man eine solche Halle in Aigle als Provisorium für das Eisschnelllaufen nutzen könnte. «Das wäre dann natürlich unsere bevorzugte Variante», sagt Rochat und betont, dass es ja noch neun Jahre bis zu den Spielen dauere. «Wir haben also noch genügend Zeit.»

Der nächste Schritt auf dem Weg zu Olympischen Winterspielen in der Schweiz ist der Grundsatzentscheid des Bundesrats, ob er eine Kandidatur unterstützt und wie viel Geld der Bund an die budgetierten Gesamtkosten von 1,86 Milliarden Franken beisteuern will.

Entscheid fällt Mitte Oktober

Dieser Entscheid wird Mitte Oktober erwartet. Zuvor müssen sich der Bund, die vier involvierten Kantone und die verschiedenen Austragungsorte aber noch über die Kostenaufteilung einigen. «Diese Diskussionen sind auf gutem Weg», verrät Rochat.

Profitieren kann die Kandidatur bei den Kosten auch von der neuen Zusammenarbeit mit dem IOC. Dieses stellt den Bewerbern technische Experten und Ressourcen zur Verfügung, welche das Dossier zusammen mit den lokalen Veranstaltern ausarbeiten.

In Sion hat man bereits das Budget gemeinsam erstellt. Und Rochat bestätigt: «Es ist bisher ein wirklicher Dialog mit dem IOC. Man ist Partner und nicht Befehlsempfänger. Wenn die Zusammenarbeit so weitergeht, dann hat die «Agenda 2020» ihren Zweck erfüllt.»