Frauenfussball
Gegen Frankreich muss ein Sieg her: Schaffen die Schweizerinnen die Viertelfinal-Qualifikation?

Die Schweizerinnen sind nach dem Sieg gegen Island an der Europameisterschaft dran, den Fehlstart aus dem Auftaktspiel (0:1-Niederlage gegen Österreich) zu korrigieren.

Christian Finkbeiner, Arnheim
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Lara Dickenmann freut sich mit ihren Teamkolleginnen über ihr Tor gegen Island.

Lara Dickenmann freut sich mit ihren Teamkolleginnen über ihr Tor gegen Island.

Keystone

Die Stimmung im Schweizer Camp am Tag nach dem hart erkämpften 2:1-Sieg gegen Island war gelöst und heiter. Auch wenn sich Sonne und Regen in Doorwerth in der Nähe von Arnheim im Stundentakt abwechselten – die Freude, dass die EM lanciert ist, war spürbar.
Die Schweizer Spielerinnen genossen einen freien Nachmittag, nachdem am Morgen nur die Ersatzspielerinnen auf dem Platz trainiert hatten. Für die Stammkräfte stand Regeneration im Programm: Velofahren, Massage, Eisbäder.

Mit dem ersten EM-Sieg der Geschichte wahrte die SFV-Auswahl nicht nur ihre Chance auf die Viertelfinal-Qualifikation, sie rehabilitierte sich auch für den blamablen Auftritt gegen Österreich. «Dass wir den Hebel umlegen konnten, macht mich stolz», sagte Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die Deutsche hatte mit ihrer Aufstellung ein Zeichen gesetzt und mit Vanessa Bernauer, Jana Brunner, Vanessa Bürki und Cinzia Zehnder im Vergleich zum ersten Spiel auf vier neue Kräfte gesetzt.

Im Kampfmodus

Die Partie in Doetinchem bot alles, was Fussball attraktiv macht: Stimmung, Zweikämpfe, Leidenschaft, Dramatik, umstrittene Schiedsrichterentscheide und drei schön herausgespielte Tore. Die Schweizerinnen hielten von der ersten Minute an gegen die robusten Isländerinnen dagegen. Symbolisch für den Kampfgeist stand Captain Lara Dickenmann. Die filigrane Technikerin hielt sich nicht zurück, kassierte bereits in der Startphase die gelbe Karte – ihre erst zweite im 121. Länderspiel – und bekundete in der Schlussphase Glück, dass sie wegen eines harten Tacklings nicht vom Platz flog. Die Torschützin zum wichtigen 1:1-Ausgleich kurz vor der Pause sprach von «Kampfmodus».

Martina Voss-Tecklenburg: «Wir haben gesprochen, korrigiert, provoziert und ein paar unangenehme Fragen gestellt.»

Martina Voss-Tecklenburg: «Wir haben gesprochen, korrigiert, provoziert und ein paar unangenehme Fragen gestellt.»

KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Mit intensiven Gesprächen hatten die Schweizerinnen das Debakel gegen Österreich aufgearbeitet. «Wir haben gesprochen, korrigiert, provoziert und ein paar unangenehme Fragen gestellt», sagte Voss-Tecklenburg. Die Spielerinnen nahmen die Hilfe des Mentaltrainers in Anspruch, sprachen Probleme aber auch direkt untereinander an. «Dieser Prozess funktioniert in dieser Mannschaft», sagte Dickenmann. Eigentlich hätte sie die EM geniessen wollen, «dies war nun aber sehr harte Arbeit». Arbeit, die sich auszahlte. Mit dem Auftritt gegen Island holten sich die Schweizerinnen verloren gegangenen Goodwill wieder zurück.

Der nächste Härtetest

Die Selbstreflexion und die Leistung gegen Island als Reaktion auf das Österreich-Spiel ist ihnen hoch anzurechnen. Gegen Frankreich folgt nun aber der noch grössere Härtetest. Im Duell mit der Nummer 3 der Welt am Mittwoch in Breda reicht der Schweiz nach dem 1:1 zwischen Österreich und Frankreich nur ein Sieg, um die Runde der letzten acht zu erreichen. «Für uns ist die Partie wie ein Achtelfinal», sagte Voss-Tecklenburg.

Auch Frankreich hat in diesem EM-Turnier noch nicht restlos überzeugt. Gegen Island siegten die Mitfavoriten auf den Titel erst dank eines Penalty-Treffers in der Schlussphase, gegen Österreich mühten sich «Les Bleues» zu einem 1:1. Auch für sie geht es am Mittwoch um alles oder nichts. «Wir haben es in den eigenen Füssen», so Voss-Tecklenburg. «Aber wir wissen, dass alles zusammenkommen und der Gegner möglicherweise schwächeln muss.»

Zumindest das Selbstvertrauen und die positive Stimmung sind zurück. Die Schweizerinnen werden als Aussenseiterinnen in die Partie gehen – eine Rolle, die ihnen besser liegt. Von ihrer Zielsetzung, dem Erreichen der Viertelfinals, sind sie nicht abgewichen. «Wir müssen gegen Frankreich biegen, was wir gegen Österreich verbockt haben», sagte Voss-Tecklenburg.