Analyse
Gegen die Logik des Budgets – warum der FC Basel auf Rang 2 schielt

Der FC Basel möchte in der Champions-League-Gruppe B auf Rang 2 erreichen. Übermut oder nur logisch, weil die Mannschaft in den letzten Jahren schon mehrfach gegen grosse Mannschaften brilliert hat und diesmal eine Runde weiterkommen will?

Sebastian Wendel
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Auf den FC Basel warten in der Champions League grosse Gegner. Jubeln wollen die Basler trotzdem.

Auf den FC Basel warten in der Champions League grosse Gegner. Jubeln wollen die Basler trotzdem.

Keystone
Sebastian Wendel

Sebastian Wendel

Aargauer Zeitung

Wohin führt die Reise des FC Basel durch Europa? Vor einem Jahr lehnte sich Murat Yakin so weit aus dem Fenster wie noch kein FCB-Trainer vor ihm und sagte: «Wir peilen Rang 2 und die Achtelfinals an.» Der Rest der Geschichte ist bekannt: Trotz sechs Punkten gegen Gruppenfavorit Chelsea landete Yakin mit seiner Mannschaft nur auf Rang drei. Immerhin: Die anschliessende Viertelfinal-Qualifikation in der Europa League war mehr als ein schwacher Trost für das verpasste Ziel.

Und dieses Jahr? Bei eingeschalteten Mikrofonen gibt man sich im FCB-Lager zurückhaltend. Der Achtelfinal wäre toll. Doch das Mindestziel bleibe das gleiche: europäisch überwintern.

Yakin-Nachfolger Paulo Sousa sagt zwar, man strebe auch international immer das Maximum an. Doch was er uns damit genau sagen will, ist wie so oft bei Sousa unklar. So vermessen, im kommenden Frühling im Final im Berliner Olympiastadion den Finalsieg anzustreben, dürfte aber nicht einmal der erfolgssüchtige Portugiese sein.

Hinter vorgehaltener Hand sind die Töne forscher. So heisst es auch nach der Auslosung in die Gruppe B mit Real Madrid und Liverpool, ein Ausscheiden aus der Königsklasse wäre eine Enttäuschung. Übermut? Oder die logische Zielsetzung einer Mannschaft, die 2013 den Halb- und 2014 den Viertelfinal in der Europa League erreicht hat?

Eine Mischung von beidem. Wenn eine Schweizer Mannschaft in der Gruppe mit dem Champions-League-Rekordsieger (Real) und dem englischen Vizemeister (Liverpool) Ansprüche stellt, ist die Gefahr, sich die Finger zu verbrennen, von Natur aus gross. Georg Heitz sagt es aus der Sicht des Sportdirektors: «Im Fussball existiert so etwas wie eine Logik des Budgets.» Andererseits: Nur um in der Champions League die schönen Stadien zu geniessen und als Gastgeschenk drei Punkte mitzubringen, reist der FCB schon lange nicht mehr durch Europa. Gerade gegen englische Mannschaften haben die Basler in der jüngsten Vergangenheit oft genug brilliert, sodass drei oder mehr Punkte gegen Liverpool kein Zufall mehr wären.

Um die kleine, aber vorhandene Chance auf das Weiterkommen zu wahren, muss der FCB aber erst den vermeintlich kleinsten Brocken aus dem Weg räumen: Ludogorez Rasgrad. Gegen den bulgarischen Champions-League-Neuling sind sechs Punkte Pflicht. Ansonsten sind etwaige Exploits gegen die Grossen nutzlos – siehe letzte Saison, in der gegen Bukarest nur zwei Punkte resultierten. Dank des sommerlichen Aufrüstens ist in der Offensive die individuelle Qualität für den Sturm in die Achtelfinals vorhanden. Nun liegt es an Paulo Sousa. Im Duktus des Cheftrainers lautet die Frage: Greift sein Konzept auch gegen scheinbar übermächtige Gegner?