Koreaner sind freundliche Menschen. Und hilfsbereit. Im Herzen wird mir jener junger Volunteer am ersten Tag bleiben, der unsere Frage nach dem Bus-Abfahrtsort mit einem Ausdauerlauf beantwortete. Weil er selber keine Lösung bereit hatte, rannte er auf der Suche nach einer kompetenten Auskunftsperson kreuz und quer auf dem Olympiagelände umher.

Dies war offensichtlich eine schwierige Mission. Als wir unsere Hoffnungen längst begraben hatten und uns auf den Weg zurück zum nächsten offiziellen Infostand machten, blickte ich nochmals kurz zurück. Und was sah ich fern am Horizont? Den rennenden Helfer. Ich werde nie erfahren, ob er eine Antwort für uns parat gehabt hätte. Wie enttäuscht musste er jedoch gewesen sein, uns nicht mehr anzutreffen. Er tat mir leid.

Auf eine harte Probe wurde hingegen mein Mitleid mit den unzähligen Busfahrern gestellt. Man merkt ihnen an, dass sie sich wie ein wertvolles Mosaiksteinchenin einem grossen Kunstwerk fühlen. Sie sind stolz, für kurze Zeit Reisebegleiter für die ganze Welt zu sein. Doch höchst selten werden ihr Lächeln und ihre Grüsse erwidert. Journalisten sind ungeduldige Menschen.

Und oft undankbar. Möglichst schnell von A nach B zu gelangen – so lautet ihre Mission. Entsprechend hastig verlassen sie am grüssenden Chauffeur vorbei den Bus. Ich versuche, diese kollektive Unfreundlichkeit mit überschwänglichen Gesten zu kompensieren.

Aber auch meine Geduld hat Grenzen. Als einziger Gast liess ich mich am Sonntag vom Busbahnhof zum Mediencenter chauffieren. Der Fahrer hielt an einer merkwürdigen Stelle, stieg aus und ging zu einem Berufskollegen. Ich blieb hinten im Bus eingeschlossen: Zwei Minuten, fünf Minuten, zehn Minuten, eine Viertelstunde.

Alles Klopfen, Fluchen und Gestikulieren half nichts. Als der gute Mann nach geraumer Zeit ganz tiefenentspannt zurück zu seinem Gefährt kam und die Türe öffnete, erschrak er ob meines Angesichts fürchterlich. Er hatte unterwegs schlicht seinen Passagier vergessen. Und ich für einmal meine überschwänglichen Gesten.