Der Anlass beginnt mit einem Versprecher des Moderators. Dieser begrüsst auf dem Podium Stephan Anliker, den langjährigen Präsidenten und aktuellen GC-Miteigentümer. Um sofort seinen Fauxpas zu korrigieren: «Stephan Rietiker, natürlich.» Immerhin: Die Medienorientierung über die Zukunft der Grasshoppers nach dem ersten Abstieg seit 70 Jahren findet im Konferenzraum «Hardturm» des Sheraton Hotels statt. «Der Hardturm, da war GC noch in einer anderen Phase», sagt Rietiker.

Am Tag nach dem Abstieg hat der Präsident eingeladen, um zu erörtern, wie es mit dem Rekordmeister weitergehen soll. «Was nun GC?», fragt Rietiker und sagt, es sei an der Zeit, Klartext zu reden. Nach der Niederlage in Luzern mit einer schlechten Leistung habe man nun wenigstens Klarheit über die Ligazugehörigkeit in der nächsten Saison.

«Ich hätte es mir gewünscht, oben zu bleiben. Andererseits ist der Abstieg gar nicht so schlecht, denn er gibt uns die Gelegenheit, den Verein fundamental zu restaurieren und alte Zöpfe abzuschneiden», sagt Rietiker. Deshalb hat er der Beratungsagentur HWH mit den früheren FCB-Strategen Bernhard Heusler und Georg Heitz den Auftrag gegeben, den Klub zu durchleuchten.

Heusler schaut sich die Organisation an, Heitz kümmert sich unter Einbeziehung von Trainer Uli Forte um den Aufbau einer neuen Mannschaft, und Finanzexperte Mathieu Jaus revidiert die Zahlen. «Diese externen Expertisen sind wichtig», sagt Rietiker. «Es bleibt kein Stein auf dem anderen.»

GC hat über seine Verhältnisse gelebt

Nach sechs Wochen im Amt ist der 62-Jährige zur Erkenntnis gekommen, dass die Ertragskraft viel zu tief ist und es gilt, die Fixkosten zu senken. Zum Thema wird dabei auch das Trainingszentrum in Niederhasli, das jährlich 1,6 Millionen Franken verschlingt und damit viel zu teuer ist. «Können wir uns das leisten?», fragt Rietiker.

Er will deswegen den Campus nicht gleich schliessen, aber analysieren, wo gespart werden kann. Es ist offensichtlich: GC hat jahrelang über die Verhältnisse gelebt. Gerade auch, was das Transfer- und Personalwesen betrifft. «Wir müssen das Budgetieren ändern, das Gewurstel muss aufhören», sagt Rietiker.

GC ist auch dabei, neue Führungsstrukturen aufzubauen. Auf einen CEO (bisher Manuel Huber) wird verzichtet, dafür gibt es einen COO für Marketing und Administration. Auch ein neuer Sportchef wird installiert. Mit welchem Budget GC in die Challenge-League-Saison steigt, ist offen.

Rietiker mochte nicht bestätigen, dass es bei den 20 Millionen Franken wie bisher bleibt. «Aber wir wollen sofort zurück in die Super League, da braucht es finanzielle Ressourcen.» Er will die Eigentümerstruktur verbreitern und das kommende Jahr nützen, um neue Investoren an Bord zu holen. Und sagt: «Wir müssen die Situation als Aufbruch verstehen.»