Flavio: Das ist ja wieder mal Chaos total bei GC. Den Vizepräsidenten nach wenigen Monaten rausgeschmissen, den Captain in den Nachwuchs versetzt, Spieler kommen und gehen und dann liest man im «Blick», dass einer wie Lucas Andersen 700 000 Franken pro Jahr verdienen soll. CEO Huber und Sportchef Walther in der Dauerkritik. Und über den Präsidenten Anliker heisst es in der Zeitung, er sei überfordert. Abartig das Ganze.

Tobias: Andersen wurde immerhin als grosses Versprechen verpflichtet. Lasst mich kurz recherchieren. Also: Andersen debütierte schon mit 20 in der dänischen Nationalmannschaft. Und er war zweimal Meister mit Ajax Amsterdam und hat Champions League gespielt. Das sind nicht die schlechtesten Referenzen.

Pius: Einverstanden. Aber wenn GC einem Spieler wie Bahoui 500 000 Franken Jahreslohn bezahlt – so stand es im «Blick» – grenzt das schon beinahe an Böswilligkeit gegenüber den Hauptaktionären, die jede Saison das Millionen-Defizit ausgleichen. Denn vor seinem Wechsel zu den Grasshoppers hat Bahoui in Hamburg etwa die gleiche Rolle gespielt wie ich in Hollywood – gar keine.

Flavio: Ich sag ja. GC wirtschaftet sich in die absolute Bedeutungslosigkeit.
François: Sicher gab es etliche Transfers, die
sich als überflüssig herausgestellt haben. Sicher divergieren in einzelnen Fällen der Lohn und das Leistungsvermögen zu stark. So etwas passiert auch bei anderen Klubs. Obwohl ich den Lohn von Valentin Stocker nicht kenne, wage ich doch zu behaupten, dass er verglichen mit seiner derzeitigen Performance zu hoch ist. Das wahre Problem bei GC liegt tiefer. Viel tiefer.

Tobias: Wie tief?

François: Stephan Anliker, den Präsidenten, halte ich für einen absolut feinen Typ. Bodenständig, ehrlich, integer, verlässlich. Ausserdem ist er bereit, ein grosses Arbeitsvolumen zu leisten.

Tobias: Aber?

François: Er kann dieses GC nicht so führen,
wie man dieses GC führen sollte. Als er zum Präsidenten gewählt wurde, sagte er mir: Er würde GC als Primus inter Pares führen. Den Mitarbeitern den grösstmöglichen Handlungsspielraum zugestehen. Ich erwiderte: Wenn Sie das tun, fliegt Ihnen der Laden um die Ohren.

Tobias: Warum?

François: Weil sich a) im Fussball-Geschäft zu viele Einflüsterer, Schummler, Schlaumeier und Machiavellis im Hosentaschen-Format tummeln. Und b) GC weder die Köpfe noch die Strukturen hat, um diese Typen zu durchschauen und sie zu kontrollieren.

Flavio: Aber in irgendeiner Form schwirrt doch immer noch Erich Vogel, der Sportchef-Doyen schlechthin, durch den GC-Campus. An Wissen kann es also nicht mangeln.

François: Aber genau das ist das Problem. Noch ist Anliker auf die Co-Geldgeber Spross und Stüber angewiesen, um das Budget zu stemmen. Diese wiederum sind eng mit Vogel. Aber Vogel hält sich für den Autor der Fussball-Bibel. Wer Vogels Wort nicht folgt, ist in seiner Wahrnehmung ahnungslos. Und die Ahnungslosen werden nur geduldet, solange sie Vogel nicht im Weg stehen. Nun ist aber Vizepräsident Klein, ein Mann Vogels, suspendiert und Vogels Einfluss beschnitten.

Flavio: Du meinst, die Lohnliste wurde dem «Blick» gezwitschert?

François: Wer weiss? Ich wünsche schöne Ferien.