Vor genau einer Woche erkor sich Präsident Christian Constantin auf der Gala des FC Sion selbst zum Fussballgott, der vom Himmel gesandt auf die Erde kam, um den Sion-Fans Titel zu schenken. Wenige Tage später fällt der Patron auf den harten Boden der Realität. Nach der unglücklichen 1:2-Niederlage im Hinspiel des Sechszehntelfinals der Europa League gegen die Portugiesen aus Braga steht fest: Der Fussballgott ist eben doch kein Walliser.

Denn betrachtet man das Spiel aus neutraler Perspektive, hätte der FC Sion und nicht Sporting Braga den Platz als Sieger verlassen müssen. Doch der aufopferungsvolle Kampf des Heimteams wurde am Ende nicht belohnt, da Assifuah, Konaté, Edimilson und Kumpanen Chancen am Laufmeter ausliessen. «Uns hat die Kaltschnäuzigkeit gefehlt, die es auf diesem Niveau braucht. Braga hat es uns vorgemacht, wie man aus zwei Schüssen zwei Tore macht», analysiert Sion-Trainer Didier Tholot nach der Partie treffend. «Nun müssen wir in Portugal zweimal treffen. Ihr könnt denken, ich sei verrückt, doch das traue ich meiner Mannschaft nach der heutigen Leistung zu», schürt der Coach die Hoffnungen für das Wunder von Braga.

Das Fairplay mit Füssen getreten

Dass die Portugiesen im Rückspiel vor den eigenen Fans im Estadio Municipal, allerdings auch eine Schippe drauf legen werden, damit muss Tholots Mannschaft rechnen. Denn was die Gäste am Donnerstag im Tourbillon boten, hatte mit ansehnlichem Fussball grösstenteils nur wenig zu tun. Nach der zufälligen Führung durch Stoiljkovic, der nach einem unkontrollierten Befreiungsschlag in der 13. Minute sehenswert verwandelte, stellten die Portugiesen ihr Spiel bis zum Ausgleichstreffer von Konaté (53.) komplett ein. Und auch nach der erneuten Führung durch Rafa Silva (61.) gleichen sich die Bilder. Mit minimalem Aufwand ergaunert sich Braga geradezu die komfortable Ausgangslage fürs Rückspiel am nächsten Mittwoch.

Statt auf das zweite Tor zu spielen, provozieren Captain Allan, Goalie Matheus, Stoiljkovic und Co. lieber Gegner und Fans und zerstörten so den Spielrhythmus der Sittener. Zeitspiel bei jeder Unterbrechung und schmerzverzerrtes Liegenbleiben nach harmlosen Zweikämpfen – bis der Ball ins Aus gespielt wurde, um nur Sekunden später wie Phoenix aus der Asche wieder einzugreifen – brachte die Walliser Spieler und Fans in Rage. «Wir wussten, dass Braga so spielen wird. Das hat mich nicht überrascht. So ist das halt», gab sich Tholot nach dem Spiel schon wieder gelassen. Das sei zwar kein Fairplay, gehöre zum Fussball aber dazu.

Auch ein genervter Reto Ziegler akzeptiert diese Art des Spiels. «Das ist clever. Wir müssen das in Portugal auch machen.» Klar, die Leistungsdichte in Europa ist so gross, dass solche Nuancen am Ende den Unterschied ausmachen. Doch kann dies nicht im Sinne des Sports sein. Im Handball wird unfaires Spiel mit einer Zeitstrafe sanktioniert. Auch dem Fussball würde diese Regel manchmal guttun.