Als vieles im Letzigrund auf ein torloses Remis hingedeutet hatte, schlug der FC Zürich in der 84. Minute doch noch zu. Im Anschluss an einen Corner flankte Benjamin Kololli, der beste Zürcher des Abends, in die Mitte, wo Captain Palsson mit einem wuchtigen Kopfball zum 1:0 für die Entscheidung sorgte. Es war der einzige Höhepunkt in einem Spiel, in dem beide Teams kaum Risiken eingegangen waren und wohl gut mit einem Punkt hätten leben können.

"Unser Gameplan ging auf", sagte Torschütze Palsson. "Wir haben zwar nicht unser bestes Spiel gezeigt, aber im richtigen Moment das Tor geschossen." Dass der FC Zürich Mühe mit dem Toreschiessen bekundet, ist keine neue Erkenntnis. Acht Treffer schoss der Tabellenzweite der Super League in neun Meisterschaftsspielen - und beim erfolgreichen Auftakt in die Europa League auf Zypern hatte ein Handspenalty von Kololli für die Differenz gesorgt.

Torchancen waren Mangelware

Auch im ersten europäischen Heimspiel schaffte es der FCZ nicht, seine Schwächen im Angriffsspiel zu beheben. Mit Fortdauer der Partie versuchten die Zürcher zwar mehr Druck zu erzeugen und Trainer Ludovic Magnin wechselte auch zwei Offensivkräfte ein, doch vieles blieb Stückwerk. Kaum ein Spielzug gelang, Torchancen blieben Mangelware. Und da auch der Gegner nichts riskierte, hielt sich der Unterhaltungswert für die gut 7000 Zuschauer in Grenzen. "Uns fehlen auf den letzten 30 Metern die Automatismen und die Kreativität" sagte Magnin. Noch sei nicht alles perfekt. "Aber das ist ein ganz normaler Prozess."

Die besten Szenen bis zum erlösenden Tor Palssons hatte sich der FCZ ebenfalls nach Standardsituationen erarbeitet. Kololli verfehlte mit einem Freistoss aus gut 25 Metern das Ziel nur knapp (22.), Alain Nef und Palsson behinderten sich nach knapp einer Stunde und einer guten Freistossflanke von Kololli gegenseitig beim Kopfball. Es war die grösste Chance des FCZ bis zum 1:0. "Wir wussten, dass wir dank unserer Körpergrösse nach Standards zu Torchancen kommen werden", sagte Magnin.

Magnin setzte auf Dreierkette

Magnin hatte aufgrund der Sperre gegen Pa Modou in der Defensive auf eine Dreierkette gesetzt. In der Offensive nominierte der Romand für den angeschlagenen Antonio Marchesano Marco Schönbächler, der erstmals seit gut einem Monat wieder zum Einsatz kam. Der 28-Jährige zeigte sich zwar bemüht, konnte das Offensivspiel der Zürcher aber nicht beleben. Ein Schuss, der deutlich über das Tor flog, blieb der einzige Abschluss Schönbächlers (30.).

Obwohl Magnin sechs Mittelfeldspieler aufstellte, schaffte es seine Mannschaft lange Zeit nicht, gegen den bulgarischen Serienmeister ein spielerisches Übergewicht zu schaffen. Die beiden Teams neutralisierten sich über weite Strecken. "Sie sind es sich aus der Meisterschaft nicht gewohnt zu verteidigen", hatte Magnin vor der Partie gesagt. Allfällige Schwächen der Gäste konnte der FCZ allerdings kaum aufdecken. Zu harmlos agierten sie und offenbarten jenes Manko, das sie trotz Platz 2 in der Super League schnellstmöglich zu beheben haben: das Toreschiessen.

So harmlos der FCZ auch Offensiv agierte, so souverän funktionierte ihre defensive Organisation. Der Gegner, der mit sieben Brasilianern in die Partie startete, konnte seine durchaus vorhandenen offensiven Qualitäten kaum ausspielen. Die grösste Chance der Gäste eröffnete sich kurz vor der Pause Marcelinho, der aber alleine vor Torhüter Yannick Brecher scheiterte.

Dank dem Sieg gegen den womöglich direkten Konkurrenten um Platz 2 in der Gruppe erspielte sich der FCZ vor den beiden Duellen gegen das ebenfalls mit zwei Siegen in die Kampagne gestartete Bayer Leverkusen eine glänzende Ausgangslage.