Europa League

Zwei mit weisser Weste – der FCZ trifft heute auf Leverkusen, beide sind noch ohne Verlustpunkt

Was ist bloss mit uns los? Bayer Leverkusens Mitchell Weiser versteht nach dem schlechten Bundesliga-Start die Welt nicht mehr.

Was ist bloss mit uns los? Bayer Leverkusens Mitchell Weiser versteht nach dem schlechten Bundesliga-Start die Welt nicht mehr.

Der FCZ trifft in der Europa League auf Leverkusen, das in der Bundesliga schwächelt. Beide haben nach zwei Spielen sechs Punkte auf dem Konto.

Ludovic Magnin hat sich seriös auf dieses Schlagerspiel vorbereitet. Mit dem verlustpunktlosen FC Zürich empfängt er im Letzigrund das verlustpunktlose Bayer Leverkusen. Für ihn, der mit Werder Bremen und dem VfB Stuttgart neun Jahre in Deutschland gespielt hat, ist es natürlich eine ganz besondere Partie. «Die Bundesliga ist das Grösste», bekommt der 39-Jährige heute noch glänzende Äuglein, wenn er sich an jene Zeit erinnert. Mit beiden Vereinen ist er Deutscher Meister geworden.

Zur Präparation auf heute Abend hat auch dazugehört, sich ein bisschen mit der Statistik zu befassen. «Ja, ich habe recherchiert, wie oft es Schweizer Klubs bisher gelungen ist, einen Bundesligisten zu schlagen», erzählt Magnin. «Ich habe herausgefunden, dass der FC Basel gegen Bayern München und Servette gegen Hertha Berlin gewonnen haben. Wenn jemand noch andere Sieger kennt – bitte melden!»

Selten Zürcher Siege gegen Deutsche

Erfolge im Europacup gegen deutsche Vereine sind tatsächlich rar. Aber vermutlich hat Magnin auch nicht weiter zurückgeforscht als bis zu seinem Geburtsjahr 1979. Das hätte er aber tun müssen, wenigstens noch ein Jahr, und dann wäre ihm klar geworden, dass einem anderen Zürcher Klub auch mal ein solcher Exploit gelungen ist. Ja, vor gut vierzig Jahren, im Frühjahr 1978, da besiegten die Grasshoppers dank einem Tor von Raimondo Ponte im Viertelfinal des Uefa-Cups die Frankfurter Eintracht 1:0 und zogen gegen Bastia in den Halbfinal ein, in dem sie knapp ausschieden. Auch Xamax hat mal die Bayern bezwungen und St. Gallen den SC Freiburg.

Doch zumindest den 4:2-Sieg von YB in der Europa League über seinen Ex-Klub VfB Stuttgart im Jahr 2010 hätte Magnin eigentlich eruieren müssen. Und wenn wir schon dabei sind, ihm zu helfen: Auch der FC Zürich hat schon zwei Mal im Europacup einen deutschen Erstligisten gebodigt: den 1. FC Dynamo Dresden und den Berliner FC Dynamo. Beide spielten allerdings in der DDR-Oberliga.

Schon einige Schweizer bei Bayer

Bayer Leverkusen ist in der Schweiz kein Buch mit sieben Siegeln. 2006 hat es im Uefa-Cup mal mit dem FC Sion zu tun gehabt (3:1, 0:0) und mit Pascal Zuberbühler, Tranquillo Barnetta, Pirmin Schwegler, Eren Derdiyok, Josip Drmic, Admir Mehmedi und Ilja Kaenzig waren diverse Schweizer in diesem Klub tätig.

Dieser hat allerdings schon bessere Tage erlebt. Dreissig Jahre sind es her, seit er den Uefa-Cup gewonnen hat, 25 Jahre seit dem letzten Titel, einem Cupsieg. Nachdem Bayer in der letzten Saison nur um zwei Tore die Champions League verpasst und einen tollen Fussball gespielt hatte, ist in dieser Spielzeit viel Sand im Getriebe. Nach acht Runden haben die Rheinländer nur zwei Mal gewonnen und hinken ihren Ambitionen weit hinterher.

«Haben die Enttäuschung aus der Birne gebracht»

Der in der letzten Saison gefeierte Jamaikaner Leon Bailey soll zu viele Flausen im Kopf haben und ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Trainer Heiko Herrlich wirkt ziemlich ratlos. Oft verlieren darf er nicht mehr, will er seinen Job behalten. Er und Manager Rudi Völler hoffen jetzt, mit einem Erfolgserlebnis in der Europa League die Kurve zu kriegen. «Wir wollen den Zürchern die ersten Gegentore beifügen und sind hungrig auf den Sieg», sagt Herrlich. «Wir haben die ganze letzte Saison darauf hingearbeitet, um solche internationalen Spiele zu haben», sagt Verteidiger Sven Bender. «Die Enttäuschung aus dem Spiel gegen Hannover haben wir aus der Birne gebracht.»

Magnin sagt indes: «Wir versuchen, die Unsicherheit bei Bayer auszunützen. Auch wenn die Tabellenlage die Kaderstärke nicht widerspiegelt. Für Trainer seien solche Spiele die Einfachsten, da bräuchten sie niemanden zu motivieren. Mit dem FCZ ist er seit acht Pflichtspielen ungeschlagen und in der Europa League nach zwei 1:0-Siegen noch ohne Gegentor. «Über 34 Spiele kommen wir nicht an Leverkusen heran. In einer einzigen Partie ist aber vieles möglich, wenn alles passt», sagt Magnin. «Wir werden bereit sein um 19.00 Uhr.»
Wenn das bloss nicht zu spät ist. Das Spiel beginnt um 18.55 Uhr!

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