Steigt Rekordmeister GC am Ende dieser Saison in die Challenge League ab? Geht es nach der Statistik, dann ist diese Möglichkeit gegeben. 15 Mal wurde die Super League seit ihrer Einführung 2003 und der Reduktion auf zehn Teams ausgespielt, und immerhin 7 Mal musste am Ende jener Klub den Gang in die tiefere Spielklasse antreten, der nach dem ersten Saisonviertel den letzten Tabellenrang belegt hatte. Wie nun eben GC.

Deshalb die Frage an Mathias Walther: Was würde ein Abstieg für den Verein bedeuten? Die Antwort des Sportchefs: «Damit beschäftige ich mich überhaupt nicht.»

Sollte er aber. Auch der Stadtrivale FCZ war auf dem falschen Fuss erwischt worden, als er 2016 völlig überraschend in die Challenge League tauchte. Für die Hoppers ist die Situation insofern neu, als dass sie nach neun Runden noch nie Schlusslicht waren. Wer aber nur zwei Mal gewinnt und auswärts, in Lugano, lediglich einen Zähler holt, braucht sich darüber nicht zu wundern.

Den Sack früher zumachen

Die Tessiner mit ihrem neuen Trainer Fabio Celestini sind nun am Sonntag, 7. Oktober, im Letzigrund auch der nächste Gegner. GC-Chefcoach Thorsten Fink kennt das Rezept, wie sein Team aus dem Tief findet: «Über 90 Minuten so auftreten, wie in der ersten Stunde in St. Gallen. Die Mannschaft muss lernen, auf das 2:0 zu spielen. Wir müssen den Sack früher zumachen.»

Das sieht auch Mathias Walther so. «In den letzten fünf Spielen sind wir immer mindestens sechzig Minuten ohne Gegentor geblieben. Das zeigt, dass wir eigentlich bereit sind. Leider genügen dann aber oft zehn schlechte Minuten, um uns umzuwerfen.»

An Einsatz und Aggressivität mangle es nicht

Wie eben zuletzt in der Ostschweiz, als ein Doppelschlag von Barnetta aus der GC-Führung einen Rückstand machte. «Wir lassen uns zu leicht aus dem Konzept bringen», moniert Walther. In diesen heiklen Phasen müsse sich das Team mehr wehren, das tun, was Fink unter «kratzen und beissen» verstehe.

Obwohl die Statistik aussagt, dass GC am wenigsten Fouls aller Super-League-Klubs begeht, glaubt der Sportchef nicht, dass es am Einsatz und an der Aggressivität mangle. Auch die Kritik, es fehle der Mannschaft an Leaderfiguren, will er so nicht stehen lassen. «Holzhauser und Sigurjonsson übernehmen doch Verantwortung. Aber sie tun dies halt im Spiel nach vorne. In der Defensive fehlt uns nach dem Ausfall von Nathan zugegebenermassen ein Führungsspieler.»

Nathans Verletzung

Da war sicher viel Pech dabei, dass sich der eben erst von Servette gekommene Brasilianer im Testspiel gegen Union Berlin am Knie so schwer verletzte, dass er erst in der Rückrunde wieder zur Verfügung steht. Jetzt soll der zuletzt arbeitslose frühere FCBler Arlind Ajeti die Abwehr stabilisieren. Auch er war verletzt, steht gegen Lugano aber zumindest im Kader.

Walther bestätigt, dass Thorsten Fink fest im Sattel sitze. «Natürlich ist keiner zufrieden mit der derzeitigen Tabellensituation. Wir geben ihm jedoch das nötige Vertrauen und die Zeit.» Und Walther lobt die Ruhe, die im Verein trotz der misslichen sportlichen Situation herrsche. «Wir haben aus der vergangenen Saison gelernt. Ich spüre: Alle im Klub halten zusammen.»

«Wir brauchen Zeit»

Der Sportchef ist auch nach wie vor fest davon überzeugt, dass die individuelle Qualität des GC-Kaders gut ist. «Von dieser Einschätzung weiche ich keinen Deut ab», sagt Walther. «Wir haben nach den vielen Wechseln im Sommer immer gesagt, dass wir Zeit brauchen. Es hat sich nun aber herausgestellt, dass wir davon etwas mehr benötigen, als wir geglaubt hatten.»

Hoffentlich nicht so viel mehr, dass der Weg erstmals nach 70 Jahren und zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte zurück in die Zweitklassigkeit führt.