Es ist der Tag nach dem 0:1 gegen Katar. Nationaltrainer Vladimir Petkovic hat dafür den Ausdruck «Betriebsblamage» kreiert. Weiter schlimm ist die Testspiel-Niederlage nicht. Aber ärgerlich. Und im besten Fall ein Fingerzeig zum richtigen Zeitpunkt. Weil jeder Schweizer begriff, dass es mit angezogener Handbremse auch gegen ein Team wie Katar nicht reicht. Über die Leistung als Team braucht man nicht allzu viele Worte zu verlieren. Sie war ungenügend von A bis Z. Auch wenn der Platz in Lugano eines Spielterrains unwürdig war. Was aber bleibt neben dem Offensichtlichen?

Ein bisschen erstaunlich war es schon, dass Yvon Mvogo der beste Schweizer war. Wer hätte gedacht, dass er sich auch gegen Katar auszeichnen darf? Seine Kurz-Analyse nach dem Spiel ist treffend. «Mit Fussball hatte das nicht viel zu tun.» Er selbst darf sich von der Generalkritik ausnehmen. «Dass ich so viel zu tun habe, hätte ich nicht erwartet – immerhin konnte ich mich auszeichnen.» Zum zweiten Mal im zweiten Länderspiel. Es sieht ganz danach aus, als würde er dereinst die gute Schweizer Goalie-Tradition nach Zuberbühler, Benaglio, Sommer und vielleicht Bürki weiterführen.

Yvon Mvogo, der Schweizer Torhüter war noch der beste im Spiel gegen Katar.

  

«Habe die Chance nicht genutzt»

Dreimal hat die Schweiz seit der WM nun mit einer Dreierabwehr gespielt – und dabei dreimal verloren. Irgendwie ist die Stabilität verloren gegangen. Captain Granit Xhaka fühlt sich jedenfalls im 4-2-3-1-System deutlich wohler. «Das heisst nicht, dass nun alles schlecht war. Aber die Organisation ist besser mit vier Verteidigern. Und auch das Pressing», sagt Xhaka. Das hat auch mit seinen Partnern im Mittelfeld zu tun. Denis Zakaria fühlt sich als Abräumer neben Xhaka wohler. Remo Freuler hat es gegen Katar zum wiederholten Male verpasst, eine Chance zu nutzen.

Egal, welche Rolle Petkovic für ihn vorsieht, irgendwie bleibt Freuler in der Nati ein Fremdkörper. «Ja, ich habe die Chance nicht genutzt. Aber wer hat das gegen Katar schon – niemand», sagt Freuler wenig erfreut. Und er fügt an: «Es heisst immer, dass ich die Chancen nicht genutzt habe, aber so häufig habe ich gar nicht gespielt.»

Ein weiteres Mal hat Remo Freuler (vorne) seine Chance nicht genutzt.

    

Timm Klose mit Einsatzchance

Ganz anders ist das bei Xherdan Shaqiri. Er spürt bei Liverpool seinen dritten Frühling als Fussballer, wird von Woche zu Woche besser. Gegen Katar erhielt er in der zweiten Halbzeit 45 Minuten Auslauf. Kurze Zeit war das spürbar, die Schweiz etwas besser. Aber später passte sich auch Shaqiri den Umständen und Teamkollegen an. Danach meldet er: «Klar tut die Niederlage gegen Katar weh. Wir waren schlecht. Aber keine Sorge. Gegen Belgien werden wir bereit sein. Die beiden Spiele kann man nicht vergleichen.»

Das ist zu hoffen. Denn die Schweiz hat mit einem Sieg die Chance, die Gruppe auf Rang 1 zu beenden und sich damit für das Finalturnier der Nations League zu qualifizieren. Doch wer spielt am Sonntag neben Nico Elvedi in der Innenverteidigung? Schär ist gesperrt, Akanji verletzt, Lacroix untauglich. Bleibt: Timm Klose. Er hat sich mit der Ergänzungsrolle längst abgefunden. «Wenn ich sehe, was für Spieler wir auf meiner Position haben, dann kann ich nicht meckern», sagt er lächelnd. «Wenn ich nun tatsächlich spielen dürfte, wäre das eine Herzensangelegenheit.»

Bei Norwich in der zweiten englischen Liga erlebt er eine gute Phase. Die Betriebsblamage gegen Katar blieb ihm erspart. Trotzdem sagt er: «Vielleicht braucht es manchmal einen Schlag auf den Kopf, um danach die beste Leistung abzurufen.»

Schär ist gesperrt, Akanji verletzt, Lacroix untauglich: Ist das die Chance für Timm Klose (im Bild)?