Fussball

Zum Glück gibt es den kleinen Giulian

Johnny Leoni, ehemalige Nummer 1 des FCZ.

Johnny Leoni, ehemalige Nummer 1 des FCZ.

Sein Sohn hilft Goalie Johnny Leoni, die Degradierung beim FC Zürich besser zu ertragen. Es sei nicht einfach, so plötzlich auf der Ersatzbank zu sitzen und im Training zu versuchen, den Platz zurückzuholen, sagt Leoni.

Johnny Leoni faustet, Johnny Leoni hechtet. Im Goalietraining des FC Zürich ist nichts anders als vor einem Jahr. Martin Brunner schleift seine Jungs, lässt zwischendurch aber auch mal einen Spruch fallen. Sogar Leoni muss lachen.

«Johnny arbeitet seriös, nicht anders als vorher», sagt Brunner.

«Johnny ist derselbe wie zuvor, er hat sich überhaupt nicht verändert», sagt Silvan Aegerter, der Captain.

«Johnny verhält sich so, wie sich ein Profi zu verhalten hat», sagt Urs Fischer, der Trainer.

«Alles ist in Ordnung, nur die Positionen sind anders», sagt Andrea Guatelli, der Stammtorhüter.

Ein Satz des Italieners, nicht böse gemeint, schmerzhaft aber für Leonis Ohren. Vor einem Jahr noch hat er sich im Training als unbestrittene Nummer 1 in den Dreck geworfen. Jetzt tut er dies als Reservist, der heuer in der Super League noch keine Minute gespielt hat. Er, der erst 26 Jahre zählt, mit dem FCZ aber schon dreimal Meister und einmal Cupsieger geworden ist. Weit weg ist im Februar 2011 der Juni 2010, den er mit dem Schweizer WM-Aufgebot in Südafrika verbracht hat.

Guatelli hat Leoni verdrängt

Andrea Guatelli hat gut reden. «Alles ist okay, nur die Positionen sind anders», hat er gesagt. Nach langen Jahren des Wartens hat er im vergangenen Sommer Leoni verdrängt. Zu dessen Unverständnis. «Ich habe in der letzten Saison gut gespielt», sagt Leoni. «Es ist nicht einfach, so plötzlich auf der Ersatzbank zu sitzen und im Training zu versuchen, den Platz zurückzuholen», sagt Leoni. Ein anderer hätte Rabatz gemacht, von Leoni ist kein böses Wort gekommen. «Polemik bringt nichts. Ich versuche, im Training zu antworten», sagt Leoni. Er hat erfahren müssen, dass viele, die ihm früher auf die Schultern geklopft haben, nun nicht mehr da sind. «So ist eben das Fussballleben», sagt Leoni emotionslos.

«Wir konnten gar nicht anders, als Guatelli zur Nummer 1 zu machen», sagt Brunner. «Leoni ist nach der WM und den Ferien erst eine Woche vor Saisonbeginn zurückgekommen. Und hat auch immer wieder verlauten lassen, dass er im Ausland eine neue Herausforderung suche.»

Leoni sagt, diese Ankündigung sei wohl ein Fehler gewesen. Vielleicht habe sie der eine oder andere persönlich genommen. «Ich war zu offensiv», sagt der sonst so defensive Walliser. «Ich habe daraus gelernt.»

Warum aber ist er eigentlich noch immer hier und nicht im Ausland? «Der FCZ hat mich nicht gehen lassen», sagt Leoni, dessen Vertrag bis 2012 läuft «es gab ein konkretes Angebot aus Griechenland.»

Das stimme, sagt Sportchef Fredy Bickel, doch wir hätten Leoni dabei gratis abgeben müssen. Eine Anfrage, für die der FCZ eine – keineswegs überhöhte – Ablösesumme kassiert hätte, sei nie auf dem Tisch gelegen.

Torhütertrainer Brunner räumt ein, dass Leoni und Guatelli ungefähr gleich stark seien, verteidigt aber den Entscheid, auf Guatelli zu setzen: «Andrea hat in der Vorrunde konstant gut gespielt.» Zuletzt, beim 2:4 gegen YB, hat er indes zweimal alt ausgesehen. Leoni hat dies von der Ersatzbank aus beobachtet und sagt: «Mitleid hatte ich nicht, dies wäre das falsche Wort. Aber ich habe mitgefühlt, was in ihm vorgegangen ist.» Leoni sagt auch: «Andrea hat sich immer loyal verhalten, als ich noch vor ihm stand. Dies tue auch ich jetzt. Auf jeden Fall sind wir nicht wie Hund und Katz.» Trainer Fischer hat einer allfälligen Goaliedebatte nach dem YB-Spiel gleich den Riegel geschoben und, leicht genervt, erklärt: «Guatelli bleibt im FCZ-Tor.»

Hoffen auf den Cup

Leoni weiss, dass er wegen Guatellis Patzern nun nicht gleich den Anspruch auf die Nummer 1 erheben kann. Er sagt, es fehle ihm dennoch nicht an Lust und Motivation, täglich hart zu trainieren. Er hat sich zum Ziel gesteckt, mit dem FCZ den Cup zu holen. Leoni, von Fischer beim 3:0 in Locarno und beim 4:0 in Tuggen eingesetzt, denkt, auch am 2.März im Viertelfinal gegen YB nominiert zu werden. Fischer wiegelt noch ab. «Ich befasse mich nur mit dem heutigen Spiel gegen St. Gallen.» Leoni sagt: «Es wäre sicher nicht so einfach, ohne Spielpraxis ins Tor zu stehen. Aber ich gebe in jedem Training Vollgas, um bereit zu sein.» Er sagt, das Selbstvertrauen sei noch da und er glaube nicht, viel an Leistungsfähigkeit verloren zu haben.

Vor ein paar Monaten ist Leoni erstmals Vater geworden. Giulian heisst sein grosser Stolz. Frage an den Papa: Relativiert dies ein bisschen die beruflichen Sorgen? Leoni sagt lächelnd: «Ein bisschen? Giulian relativiert sie voll und ganz!»

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