Fussball
Zu lange gewartet: Wie Liverpool den Salah-Transfer verbockt hat

Mohamed Salah wechselt zu Chelsea. Der englische Topverein hat das Rennen gegen Liverpool gemacht. Eigentlich sah alles danach aus, dass Salah zu den «Reds» wechselt. Sein Berater erklärt die Kehrtwende im langen Transfer-Hickhack um den Ägypter.

Sebastian Wendel
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Abschied: Mohamed Salah hat Basel in Richtung London verlassen. Stolz zeigt er seine neue Rückennummer (rechts sein Berater Sascha Empacher).

Abschied: Mohamed Salah hat Basel in Richtung London verlassen. Stolz zeigt er seine neue Rückennummer (rechts sein Berater Sascha Empacher).

key/zvg

Hinter Mohamed Salah liegen anstrengende Tage. Am Freitag reiste er zum Medizincheck nach Paris, am Samstag verabschiedete er sich in Basel mit einem Mittagessen von seinen Teamkollegen.

Am Sonntag löste er auf der FCB-Geschäftsstelle seinen Vertrag auf und fuhr anschliessend direkt nach Zürich, wo er seine Unterschrift unter den neuen Arbeitsvertrag bei Chelsea setzte. Dieser läuft bis 2019 und macht den 21-Jährigen zum Multimillionär.

Das Geld, so Salahs Berater Sascha Empacher, sei ein schöner Nebeneffekt.

Es sei aber nicht der Grund gewesen, warum Salah entgegen allen Erwartungen nicht bei Liverpool, sondern bei Chelsea gelandet ist.

«Momo hat die einmalige Chance wahrgenommen, bei einem der grössten Klubs der Welt zu spielen», sagt der Deutsche.

Liverpool war in der Pole-Position

Er bestätigt, dass lange alles auf einen Wechsel zu Liverpool hingedeutet habe. Zum Klub, mit dem Salah seit November in Verbindung gebracht wurde. Zwischen Salah und den «Reds» bestand bis auf die üblichen Details Einigkeit, der Transfer scheiterte an den Verhandlungen zwischen den Vereinen.

«Die Gespräche waren stets fair und angenehm. Doch Liverpool hat sich dabei viel zu viel Zeit gelassen», sagt Empacher.

Nach der ersten Interessensbekundung im Spätherbst seien über zweieinhalb Monate verstrichen, bis die Engländer dem FCB zu Beginn letzter Woche ein Angebot unterbreiteten.

Dieses lag jedoch viel zu weit unter den Vorstellungen der Basler, eine Einigung zwischen den Klub war unmöglich. Kurz: Liverpool hat den Transfer verbockt.

Im ersten Moment sei Salah enttäuscht gewesen über den vermeintlich geplatzten Wechsel auf die Insel. Der mediale Druck aus seinem Heimatland, den Sprung zum englischen Traditionsklub zu schaffen, sei nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, so Empacher.

Salah habe sich kurzzeitig sogar darauf eingestellt, die Saison mit dem FCB zu beenden. Was er gerne gemacht hätte.

Denn: «Er verlässt die Schweiz schweren Herzens, er hängt an den Fans, den Mitarbeitern und den Teamkollegen in Basel. Beim FCB hat er in nur eineinhalb Jahren den Durchbruch im europäischen Spitzenfussball geschafft, das wird er dem Klub nie vergessen.»

Salah werde in Zukunft bestimmt immer wieder mal nach Basel kommen, um Freunden und dem FCB einen Besuch abzustatten.

Er war der grosse Abwesende – und räumt gleich dreifach ab: Mohamed Salah
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Sommer, Lang, Vilotic, Schaer, Voser, Salah, Salatic, F. Frei, Stocker, Martinez und Streller werden als Raiffeisen Super League Dream Team 2013 ausgezeichnet (von links).
FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler nimmt den Award für den abwesenden Mohamed Salah als Raiffeisen Super League Best Player 2013 entgegen.
Murat Yakin wird neben Moderatorin Melanie Winiger als Swiss Football League Best Coach 2013 ausgezeichnet.
Roman Buess vom FC Locarno wird als Brack.ch-Challenge League „Mein Spieler 2013“ ausgezeichnet.
Patrick Rossini vom FC Schaffhausen wird als Brack.ch-Challenge League Best Player 2013 ausgezeichnet.
Michael Frey von den BSC Young Boys wird als Swiss Football League Best Youngster 2013 ausgezeichnet.
Murat Yakin, Trainer des FC Basel, laeuft ueber den grünen Teppich vor der Award Night.
Bernhard Alpstaeg, Investor beim FC Luzern, laeuft ueber den grünen Teppich.
Ottmar Hitzfeld, Trainer der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, und seine Frau Beatrix laufen ueber den grünen Teppich.
Ciriaco Sforza laeuft ueber den grünen Teppich.

Er war der grosse Abwesende – und räumt gleich dreifach ab: Mohamed Salah

Der Frust über den verpassten Wechsel zu Liverpool wich schnell der Freude. Der Freude darüber, dass sich plötzlich Chelsea einschaltete.

Und anders als zuvor mit Liverpool war der Deal innerhalb von 48 Stunden unter Dach und Fach. Salah telefonierte am Dienstag erstmals mit Chelsea-Trainer José Mourinho und liess sich rasch von dessen Plänen mit ihm überzeugen.

Gleichentags liefen auch zwischen den Klubs die Drähte heiss, noch am Telefon wurde man sich über die Ablösesumme einig.

Am Mittwoch reisten FCB-Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz nach England und besiegelten das 20-Millionen-Geschäft. Am Donnerstag handelte Empacher in London den Vertrag für Salah aus, den dieser am Sonntag in Zürich unterschrieb.

Salah trifft heute in London ein

Mohamed Salah wird erst heute an seinem neuen Wohn- und Arbeitsort eintreffen. Weil Ägypter für die Einreise nach England ein Visum brauchen, flog er gestern nach Madrid, um dort den Papierkram zu erledigen.

Ob er bereits heute ein erstes Mal mit seinen neuen Teamkollegen trainiert, steht noch nicht fest.

Ein Einsatz im morgigen Ligaspiel gegen West Ham United kommt wohl zu früh. Salah wird aller Voraussicht nach am Montag im Auswärtsspiel gegen Manchester City im Kader stehen und womöglich sein Debüt im Chelsea-Trikot mit der Rückennummer 15 feiern.

Der FC Basel ist ein ideales Sprungbrett auf dem Weg zu einem Top-Verein – auch für Mohamed Salah.
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Der Ägypter kann sich aussuchen, wo er künftig spielen will.
Seine überragenden Leistungen mit dem FCB...
...und der ägyptischen Nationalmannschaft machen ihn für Top-Vereine interessant.
Bei den Swiss Golden Player Awards 2013 sahnte Salah den Award für den «Golden Player» ab.
Eine weitere Ehre erwies ihm der Getränkemulti Pepsi: Er wird Teil der neuen Kampagne - neben Weltstars wie Lionel Messi, Sergio Agüero und Mario Gómez.
Mohamed Salahs Erfolge auf dem in- und ausländischen Fussballparkett

Der FC Basel ist ein ideales Sprungbrett auf dem Weg zu einem Top-Verein – auch für Mohamed Salah.

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