Super League
Zu Hause angekommen – Albian Ajetis perfektes Comeback

Er kam, sah und traf zum 2:0 gegen Lugano – Albian Ajetis (20) perfektes Comeback.

Céline Feller
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Albian Ajeti verspürt nach seiner erfolgreichen Rückkehr zum FC Basel nur Glück, weil es schlicht «ein sehr schönes Gefühl ist, wieder zu Hause zu sein».

Albian Ajeti verspürt nach seiner erfolgreichen Rückkehr zum FC Basel nur Glück, weil es schlicht «ein sehr schönes Gefühl ist, wieder zu Hause zu sein».

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«Ich hätte es mir nicht besser vorstellen können», sagt Albian Ajeti. Er spricht unaufgeregt, die ganz grossen Emotionen zeigt er nicht. Kein breites Grinsen, kein Glänzen in den Augen. Aber das ist gar nicht nötig. Weil alleine seine Reaktion auf dem Platz Beweis genug war, wie viel ihm seine Rückkehr zu seinem Jugendverein und sein erstes Tor im ersten Spiel bedeuten.

Purer Glücksmoment

Als er nach zwei vergebenen Grosschancen in der 39. Minute doch noch das 2:0 für den FC Basel gegen den FC Lugano erzielt, dreht er sich vom Tor ab, lacht, hebt die Hände in die Luft. Es ist ein purer Glücksmoment, in dem er sich von seinen Teamkollegen feiern lässt.

Es ist aber auch ein Moment, auf den er länger hatte warten müssen, als ihm lieb war. Obwohl Ajeti den FC Basel im Januar 2016 nicht im Besten in Richtung Augsburg verlassen hatte, machte er nie ein Geheimnis daraus, dass es für ihn immer noch ein Traum wäre, sich irgendwann dieses rotblaue Trikot wieder überstreifen zu können.

So, wie er das zuvor über Jahre und in allen Juniorenstufen schon getan hatte. In diesem Sommer sass er bereits auf gepackten Koffern, bereit, endlich nach Hause zu kommen.Am Ende musste er doch in St. Gallen bleiben, weil sich die Vereine nicht über die Ablöse einigen konnten und aufgrund seines angeschlagenen Knies auch Zweifel um seinen Fitnesszustand aufkamen.

Drei Monate später wurde sein Traum aber doch noch Realität. Ajeti ist zurück. Und einfach nur «mega glücklich, dass ich jetzt da bin. Dass es im Sommer nicht geklappt hat, hat mich nicht belastet.»

Menschliche Entwicklung

Vor seinem perfekten Einstand am Samstagabend – dem ersten Spiel Ajetis für den FCB nach 671 Tagen und dem Aus im Cupviertelfinal gegen den FC Sion im Dezember 2015 – spielten die Emotionen aber doch etwas verrückt beim erst 20-Jährigen.

«Es war ein Hin und Her bei meinem Bauchgefühl, weil ich nicht viele Trainings mit der Mannschaft absolviert hatte.» Erst am Mittwoch war er von der U21-Nati zurückgekehrt, erstmals mit der Mannschaft trainiert hat er am Donnerstag.

Mehr als zwei normale Einheiten und ein Footing hatte er mit seinen neuen Teamkameraden nicht absolviert. «Es sind ja immer noch viele Spieler dabei, mit denen ich schon gespielt habe. Sie haben mir das Vertrauen gegeben und der Trainer hat mich auch super aufgenommen.»

Von den ersten Sekunden an ins Spiel eingebunden

Und tatsächlich wirkte Ajeti von der ersten Sekunde an – als er mit der Nummer 22 auf dem Rücken den Anstoss ausführte – ins Basler Spiel eingebunden. Seine Kollegen suchten ihn, als wäre er schon immer da gewesen.

Für seinen Trainer war klar, dass er trotz weniger Einheiten mit dem Team von Anfang an spielen kann, weil er kein ganz Fremder war. Denn auch FCB-Coach Raphael Wicky kennt seinen jüngsten Zuzug bereits aus dem Nachwuchs. Und das, obwohl er nie sein Trainer war, «weil Albi immer eine Stufe höher war als ich».

Er wusste aber um seine Qualitäten, seinen Torriecher und dass er genau weiss, wo er stehen muss. Und doch sieht Wicky heute einen anderen Ajeti. Einen, der sich seit seinem an eine Flucht grenzenden Wechsel in die Bundesliga menschlich entwickelt hat.

«Ich glaube, der Wechsel ins Ausland hat ihm sehr viel gezeigt. Er hat dort keine grosse Rolle gespielt – und das nicht bei einem Verein wie Bayern München», spricht Wicky die mickrige Bilanz von 36 gespielten Bundesliga-Minuten an. «Das war eine Lehre für ihn. Er hat gemerkt, dass es nicht einfach ist und man arbeiten muss.»

Zurückbezahltes Vertrauen

Dass Ajeti auch etwas demütiger geworden ist als in seiner ersten Zeit beim FCB, in der er die Geduld verloren hatte, zeigten auch seine Worte nach dem Spiel, in denen er sich wiederholt bei seinem ehemaligen Verein und seinem jetzigen bedankte. Und: «Mit meinem persönlichen Erfolgserlebnis möchte ich dem Vorstand und den Mitspielern das Vertrauen zurückgeben.»

Einem Vorstand um Sportchef Marco Streller, der vor dem Spiel im TV-Interview sagte, dass man sich das Kader genau so vorgestellt habe, wie es jetzt ist. Beim FCB kommt wieder Freude und Selbstvertrauen auf in diesen Tagen. Auch, weil YB Punkte hat liegen lassen und der Rückstand kleiner geworden ist.

Vor allem aber, weil beim FCB die Konzept-Spieler wie Cedric Itten, Raoul Petretta und Ajeti das Team zu einem souveränen Sieg haben führen können. Angeführt von einem 20-Jährigen, der eine grosse Last tragen und Topskorer Ricky van Wolfswinkel ersetzen muss. Aber Ajeti spürt keine Last. Nur Glück. Weil es schlicht «ein sehr schönes Gefühl ist, wieder zu Hause zu sein».