FC Aarau

Zerstörer Besle haut alles weg, was sich bewegt – wie lange noch?

Stéphane Besle leistet sich ungewohnt viele Aussetzer.

Stéphane Besle leistet sich ungewohnt viele Aussetzer.

Aaraus Abwehrchef Stéphane Besle haut alles weg, was sich ihm in den Weg stellt, zumindest auf dem Platz. In der laufenden Saison bringt es der Franzose auf bereits zwei Platzverweise. Wie lange soll das gut gehen?

Stéphane Besle neben dem Fussballplatz? Ein angenehmer, ruhiger Zeitgenosse! Stéphane Besle auf dem Fussballplatz? Ein Schlitzohr! Ein Raubein! Einer, der zwar viel einstecken muss, aber noch mehr austeilt.

Ausgeteilt hat er in letzter Zeit. In dieser Saison brachte er es schon auf zwei Platzverweise. Im letzten Meisterschaftsspiel vor einer Woche gegen Chiasso sah Besle die rote Karte, weil er Gegenspieler Dorde Susnjar nach einem Gerangel am Boden nahe der Mittellinie die Hand auf den Rücken geschlagen hat.

Stéphane Besle der Zerstörer?

Stéphane Besle der Zerstörer?

Ein Blick auf das Sündenregister des 32-jährigen Franzosen spricht Bände: In den 25 Meisterschaftsspielen für den FC Aarau wurde Besle elfmal verwarnt, sah einmal die gelb-rote Karte und einmal die direkte rote Karte.

Mit Besle zu Stabilität

Die stattliche Anzahl an Karten überrascht nicht. Kreativität scheint für Besle ein Fremdwort zu sein. Er ist ein Zerstörer. Dass er für die Dummheit in Chiasso von der Straf- und Disziplinarkommission nur für zwei Spiele gesperrt wurde, war Glück im Unglück.
Hat der FC Aarau mit der Verpflichtung von Besle Anfang dieses Jahres also einen Fehler gemacht? Nein, hat er nicht! Um den sportlichen Wert des Innenverteidigers zu erkennen, müssen wir zurückblicken: Zu Beginn der Rückrunde der vergangenen Saison waren die Aarauer Tabellenletzter und in akuter Abstiegsgefahr. Mit Besle als neuem Abwehrchef gewann die Viererabwehrkette an Stabilität. Besle war der Fels in der Brandung.

Nach einem guten Start in diese Saison fiel Besle zuletzt allerdings in ein Leistungsloch. Die gelb-rote Karte gegen Schaffhausen war der Auslöser für die Verunsicherung. Besle wirkte in den vergangenen Wochen fahrig und leistete sich Fehler ohne Not.

Besle gibt zu, dass er ein Provokateur ist, beteuerte zuletzt nach seinen Ausrastern aber entweder seine Unschuld oder sagt, dass es ihm leidtut. Das mag für ihn stimmen. Den FC Aarau aber bringt es einerseits sportlich nicht weiter, anderseits nimmt das Image des Klubs mehr und mehr Schaden.

Ein Abschied nach der Saison?

Man darf gespannt sein, ob Besle beim FC Aarau zurück in die Spur kommen oder völlig von der Rolle fallen wird. Auf das Vertrauen von Marco Schällibaum kann er zählen. «Es hat mich gefreut, dass Marco Thaler und Pascal Thrier in der Innenverteidigung gegen Lugano so stark gespielt haben», sagt der Trainer. «Aber wir brauchen Stéphane Besle. Es ist richtig, dass er sein hohes Leistungsniveau in den vergangenen Spielen nicht halten konnte. Aber ich bin sicher, dass er bald wieder zu alter Stärke zurückfinden wird.»

Am Sonntag gegen Winterthur wird Besle fehlen. Er sitzt seine zweite Spielsperre ab. Mal schauen, ob Schällibaum gegen die Zürcher erneut auf Thaler und Thrier setzen wird. Mal schauen, ob das neue Duo in der Innenverteidigung ein zweites Mal ohne Gegentor bleiben wird. Vielleicht ist Besles Zeit als Stammspieler aber tatsächlich abgelaufen. Sein Vertrag dauert nur noch bis Ende Saison. Eine Verlängerung steht momentan nicht zur Diskussion.

Besle selbst kann mit starken Leistungen und disziplinierter Spielweise dafür sorgen, dass eine Verlängerung im Frühjahr zum Thema wird. Momentan stehen die Zeichen eher auf Abschied.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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