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YBs Techniker mit der rauen Schale ist reif für die Insel

Der Berner Sékou Sanogo (rechts)

Der Berner Sékou Sanogo (rechts)

Sékou Sanogo will bei YB so gut spielen, dass ihn die Premier League entdeckt. In der Europa League hat er bewiesen, dass er auf internationalem Parkett bestehen kann.

2:0 für Ghana. «Für mich war zu diesem Zeitpunkt klar: Das Spiel ist verloren», sagt Sékou Sanogo. Zwei Ghanaer hatten getroffen, zwei Ivorer verschossen. Aus der Traum für die Elfenbeinküste vom ersten Sieg im Afrikacup seit 1992. «Ich habe sofort zur Partie Lyon gegen PSG gezappt.»

Und so verpasste Sanogo, der sich das Spiel zu Hause mit einem Freund angesehen hatte, eines der dramatischsten Penaltyschiessen aller Zeiten. In welchem am Ende das direkte Duell der Torhüter zugunsten der «Elefanten» ausging und der angeschlagene 35-jährige Boubacar Barry Copa zum Volkshelden wurde. «Später haben wir den Sieg aber schon noch gefeiert – mit einem Orangensaft», sagt Sanogo und lacht. Er erzählt, was danach in seiner Heimat abgegangen ist und wie das Land den Triumph zwei Tage lang zelebriert hat.

Einen klitzekleinen Makel aber hatte das Ganze aus Sanogos Sicht schon: Er war nicht dabei. «Ich will für mein Land spielen», sagt der 25-Jährige. Möglichst bald natürlich. Schliesslich spielt er nicht mehr beim kleinen FC Thun, sondern bei den Young Boys und hat in der Europa League bewiesen, dass er auf internationalem Parkett bestehen kann. Doch einen Kontakt zu Nationaltrainer Hervé Renard gibt es gleichwohl noch immer nicht. Vielleicht geben ihm nun die Spiele gegen Everton die Gelegenheit, auf grosser Bühne Eigenwerbung zu betreiben und dem Franzosen seine Qualitäten vorzuführen.

Schwieriger Beginn

Es ist schon der fünfte Winter, den der Afrikaner in der Schweiz zu überstehen hat. Mit Schaudern erinnert er sich an den Januar 2011, als er nach Thun kam und zuerst mit seiner privaten Winterjacke trainieren wollte, weil es bei minus sieben Grad so bitterkalt war. Es war zudem hart für ihn, weil er die hiesigen Speisen nicht kannte und deshalb drei Tage lang nur Kuchen ass.

Am schwierigsten aber war, die Angst um seine Familie zu ertragen, denn in jener Zeit herrschte Bürgerkrieg und Sanogo war diesem gerade noch entkommen. «Jetzt aber ist die Lage in unserem Land stabil», sagt der YB-Profi, der die Festtage am Ende des letzten Jahres in Abidjan verbracht hatte. «Ich habe zwei Wochen lang die Familie genossen», sagt Sanogo. In der Hauptstadt hatte er einst das Fussballspielen erlernt. Getreu dem Klischee, ausnahmslos alle Afrikaner seien einmal Strassenfussballer gewesen. «Bei mir war es so, und ich konnte mir dabei eine gute Technik aneignen.»

Rote Karte beim Debüt

Imponierend ist vor allem aber seine Physis. In 107 Super-League-Spielen hat er es auf zwei rote, eine gelbrote und stattliche dreissig gelbe Karten gebracht. Gleich beim Debüt in der Schweiz gegen Basel war er vom Platz geflogen. In der Elfenbeinküste bei Africa Sports d’Abidjan noch als Nummer 10 aufgelaufen, kommen in der Schweiz seine Stärken am besten als Nummer 6 zur Geltung. Vor allem Murat Yakin bei Thun hatte ihm die dafür notwendigen taktischen Kenntnisse beigebracht.

Nach einem anderthalbjährigen Abstecher zu Lausanne-Sport spielte Sanogo noch einmal eine Saison bei Thun, ehe er im letzten Sommer von den Young Boys verpflichtet wurde. «Die Stadt Bern mit ihren schmucken alten Häusern gefällt mir sehr», sagt Sanogo. Auch mit dem sportlichen Verlauf ist er zufrieden. Mit dem Transfer zu YB ist er seinem Ziel, eines Tages in der Premier League zu spielen, einen Schritt näher gekommen. Gegen Everton kann er am 19. und 26. Februar schon mal Mass nehmen. Zuerst aber gilt die Konzentration der Super League. «Es wird schwierig gegen GC. Wie eng die Liga ist, haben wir ja soeben beim 1:1 beim Tabellenletzten Luzern erfahren», sagt Sanogo.

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