GC - YB 4:1

YB: zehn Gegentore in vier Tagen

Ridge Munsy erzielte mit einem Traumtor den Zürcher Führungstreffer

Ridge Munsy erzielte mit einem Traumtor den Zürcher Führungstreffer

Die fehlerhaften Berner verlieren das Auswärtsspiel bei den Grasshoppers 1:4. Vier Tore aus sechs Möglichkeiten - die äusserst effizienten Grasshoppers gewinnen verdient.

Die Young Boys befinden sich in ihrer heikelsten Situation, seit Adi Hütter vor knapp einem Jahr Uli Forte als Trainer abgelöst hat. Nachdem sie am Mittwoch beim 1:6 gegen Mönchengladbach in den Playoffs zur Champions League den Schweizer Fussball miserabel repräsentiert hatten, sind sie auch in der Super League keine Zierde mehr.

Nur sechs Runden haben die Berner in der neuen Saison gebraucht, um schon neun Punkte hinter dem souveränen Leader FC Basel zu liegen. Im Letzigrund wurde gestern deutlich, dass die defensive Stabilität aufgrund vieler individueller Fehler das Hauptproblem ist. Nach dem halben Dutzend Gegentore in Mönchengladbach gab es gegen die bisher nicht als Offensiv-Künstler aufgefallenen Grasshoppers gleich noch einmal deren vier.

Diese zeigten zwar ebenfalls keine Glanzleistung, waren aber wie bei ihrem Glückssieg gegen Sion eine Woche zuvor äusserst effizient im Abschluss. So fragwürdig es auch war, das teuer zahlende Publikum am Donnerstag in den Europa-League-Playoffs gegen Fenerbahce mit einer zweiten Garnitur zu verprellen, so sehr zahlte sich das in der Liga aus, wo Trainer Pierluigi Tami gegen YB gleich sieben frische Kräfte auf den Rasen schicken konnte, derweil Hütter im Vergleich zum Auftritt in Deutschland lediglich zwei Wechsel vornahm.

Gut möglich, dass der Zürcher Ridge Munsy seinen Sololauf über 80 Meter nicht mit derselben Konzentration zum 1:0 abgeschlossen hätte, wäre er gegen die Türken nicht 90 Minuten lang geschont worden. Und vielleicht hätte Scott Sutter sich bei dieser Szene, als sich YB nach einem Corner von den Zürchern auskontern liess, gedanklich anders verhalten und hätte Munsy mit einem taktischen Foul gestoppt, statt ihm hinterherzuhecheln. So aber waren die Zürcher sechs Minuten vor der Pause mit ihrem bis dahin einzigen vernünftigen Vorstoss aus dem Nichts zum 1:0 gekommen und Tami konnte hinterher sein Team für dessen Geduld loben. Der Torschütze sagte: «Ich sah den Raum vor mir und wollte meine Qualitäten ausspielen. Ich habe hundertprozentig daran geglaubt, ich könnte dieses Tor machen.»

Nach dem Wechsel war YB vor 4800 Zuschauern im Glutofen Letzigrund weiter die etwas aktivere Mannschaft, kam durch ein Kopftor von Michael Frey nach einer Freistossflanke von Yoric Ravet zum 1:1 (58.) und suchte danach deutlich mehr das 2:1 als GC, wurde dabei allerdings kaum einmal zwingend. Und so kam, was kommen musste: Kim Källström schlug vom linken Flügel einen Ball vors Tor, so präzis und für den Gegner so eklig zu verteidigen, wie ihn nur wenige in der Super League spielen können.

Weil YB-Linksverteidiger Jan Lecjaks nicht aufpasste und den heranpreschenden GC-Rechtsverteidiger Numa Lavanchy übersah, führte GC – wieder aus dem Nichts – eine Viertelstunde vor Schluss plötzlich 2:1. «Nach dem 1:1 waren wir am Drücker», sagte Hütter, «aber dann machten wir wieder einen unserer vielen Eigenfehler.» Damit war der Widerstand der Gäste gebrochen und Runar Sigurjonsson (86.) sowie Caio (94.) mit einem Penalty trafen zum 3:1 und 4:1.

Derweil GC nun mit guter Moral in die zweiwöchige Nationalmannschaftspause geht, muss sich Hütter viele Gedanken machen. Zum Beispiel, ob eine Innenverteidigung mit den beiden 33-jährigen Steve von Bergen und Alain Rochat den eigenen Ansprüchen gerecht wird und mit so fehleranfälligen Aussenverteidigern wie Scott Sutter und Jan Lecjaks Erfolg überhaupt möglich ist.

Telegramm:

Grasshoppers - Young Boys 4:1 (1:0)

4800 Zuschauer. - SR Klossner. - Tore: 39. Munsy (Andersen) 1:0. 58. Frey (Ravet) 1:1. 74. Lavanchy (Källström) 2:1. 86. Sigurjonsson (Gjorgjev) 3:1. 94. Caio (Foulpenalty/Foul an Lavanchy) 4:1.

Grasshoppers: Vasic; Lavanchy, Bamert, Pnishi (76. Sigurjonsson), Antonov; Basic, Källström; Munsy, Andersen (59. Brahimi), Caio; Tabakovic (69. Gjorgjev).

Young Boys: Mvogo; Sutter, Von Bergen, Rochat, Lecjaks (82. Duah); Ravet, Bertone, Zakaria (72. Gajic), Schick (60. Sulejmani); Kubo, Frey.

Bemerkungen: Grasshoppers komplett; Young Boys ohne Benito, Gerndt, Hoarau, Joss, Sanogo, Seferi und Wüthrich (alle verletzt). 42. Pfostenschuss Tabakovic. Verwarnungen: 49. Pnishi (Foul), 71. Von Bergen (Foul), 93. Ravet (Foul), 93. Duah (Foul).

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