Vater klimperte unentwegt. Beethoven, Bach, Mozart. In jeder freien Minute sass er in der Wohnstube am Klavier und spielte. Oft auch Händel. Daher kannte ich die Hymne der Champions League schon als Zweikäsehoch. Ihm nämlich, Georg Friedrich Händel, hat der Brite Tony Britten seine Melodie später abgekupfert.

Nun soll sie im Wankdorf erklingen? Erhebend wird das sein – und leicht befremdlich. Wir kennen die feierlich euphorisierende Tonfolge nur vom Fernsehen. Sie steht für die entrückte Glitzerwelt des Fussballs, aber auch für den gnadenlosen Kommerz, den wir Fans im Grunde verabscheuen. Plötzlich gilt diese Hymne dem Verein, mit dem ich von klein auf leide …

Letzten Mittwoch, beim Hinspiel, hätte ich sie mir bereits anhören können. Doch just bevor sie ertönte, stand Tochterherz an den Pforten des Zürich Openairs und hatte ihr Ticket verloren. In wenigen Minuten, greinte sie am Handy, würde ihre Lieblingsband auftreten – und sie könne nicht rein!

Die YB Fans werden die Champions-League-Hymne im Stadion Wankdorf zu hören bekommen.

Die YB Fans werden die Champions-League-Hymne im Stadion Wankdorf zu hören bekommen.

Also klappte ich auf den Rängen meinen Laptop auf, loggte mich ein und schaffte es unter wilden Flüchen irgendwie, ihr Ticket noch mal herunterzuladen und es ihr zu schicken. Danach fragte ich meine Sitznachbarin: «Wann kommt eigentlich die Hymne?» – «Jetzt hast du sie gerade verpasst.» Ich gab mich cool: «Ich werde sie diesen Herbst ja noch öfter hören.» Das sagte ich so leichthin, aber wer hätte nach dem 1:1 noch daran geglaubt? Schon machte sich wieder die alte Genügsamkeit breit: YB in der Champions League? Äuää.

«Seoane will nicht träumen», war das Letzte, was ich am Vorabend des Rückspiels in einer Sport-App las. Dann schlief ich ein und – es war mir nie zuvor passiert – träumte von YB. Dass sie es schaffen und Real zugelost bekommen würden. Dabei ist Real gar nicht mein Wunschlos. Ich wünsche mir Juve, Dortmund, Liverpool.

Himmel, welch glückliche Fussball-Woche! Heute Abend qualifiziert sich die Frauennati für die WM, und ich bin live dabei. Dass es den Schweizerinnen gelingt, erträume ich mir nicht. Da bin ich mir sicher.