Einst gab es einen Wettbewerb, der hiess «Europacup der Meister». Zu diesem Wettbewerb waren die jeweiligen Fussballmeister jedes Uefa-Mitgliedlandes eingeladen. So ergab es sich, dass die Berner Young Boys nach dem Gewinn des vorletzten Meistertitels 1986 in der darauffolgenden Saison im «Europacup der Meister» auf den spanischen Meister Real Madrid trafen und diesen in Bern sogar mit 1:0 bezwingen konnten – dank eines Kopftors von Urs Bamert.

Fussballinteressierte Schulkinder konnten dank dieses Wettbewerbs ihre Geografie-Kenntnisse festigen. Sie lernten zum Beispiel, dass die besten Fussballer Maltas aus einer Stadt namens La Valetta kommen, dass Tiflis die Hauptstadt der Sowjetrepublik Georgien war, und dass es selbst dem Meister eines eher kleinen Landes wie Rumänien gelingen konnte, den «Europacup der Meister» zu gewinnen. Steaua Bukarest schaffte das 1986.

Später beschlossen die Klubs der grossen und reichen Ligen, den Wettbewerb zu ihren Gunsten anzupassen. Der Name «Europacup der Meister» wurde aufgehoben. Seither heisst der Anlass in der Sprache des Imperiums «Champions League».

YB wird 1986 Schweizermeister und darf somit am «Europacup der Meister» teilnehmen.

YB wird 1986 Schweizermeister und darf somit am «Europacup der Meister» teilnehmen.

Bei diesem Wettbewerb dürfen reiche, grosse Ligen nicht nur einen, sondern vier Vertreter an den Start schicken. Arme, kleine Ligen müssen dagegen unter sich ausmachen, wer wenigstens einen Verein an den Wettbewerb entsenden darf.

Da wir in der Schweiz fussballerisch gesehen eine arme und kleine Liga haben, muss unser Meister sich das Ticket zur «Champions League» jedes Jahr neu abverdienen. Es ist, als wollten sich die Veranstalter einer Stehparty vergewissern, dass nicht zu viele Hungerleider ums Buffet schleichen.

Erstmals seit Einführung der «Champions League» dürfen nun auch die Young Boys am europäischen Festmahl teilhaben. Es wäre zu wünschen, dass die Berner sich von den illustren Partygästen nicht einschüchtern lassen. Wir hoffen, sie seien hungrig und durstig genug, um am Buffet der Reichen tüchtig zuzuschlagen.