Champions League

YB ist bereit für neue Sternstunden: Alles ist noch ein wenig verschwommen

YB's Kevin Mbabu bei der Ankunft am Flughafen Bern

YB's Kevin Mbabu bei der Ankunft am Flughafen Bern

Die Young Boys haben es geschafft: Sie stehen in der Gruppenphase der Champions League. Matches, die den Bernern bis vor kurzem noch wie ein Videospiel vorkamen, werden jetzt plötzlich real.

«Können Sie überhaupt schon ermessen, was Sie gerade erreicht haben?» ist eine Standardfrage an Siegerinnen und Sieger, mit denen nicht unbedingt gerechnet wurde. Uns, die Anhänger der Berner Young Boys, fragt keiner so etwas. Dabei sind wir genau in der Situation: Es ist alles noch ein wenig unreal.

Champions League, das war bis anhin eine Art Videospiel jeweils am Dienstag- und Mittwochabend. Die Player dieses virtuellen Rasenschachs waren mehr oder weniger immer die gleichen, Goldfüsschen allesamt, entrückt, unfassbar, vielleicht sogar göttlich. Was sie spielten, entsprach zwar oft nicht der Affiche, aber es war, keine Frage, Fussball von einem anderen Stern. Nichts für normal Sterbliche.

Die YB-Spieler sahen das offenbar pragmatischer. «Wir haben daran geglaubt», sagte Steve von Bergen nach dem Spiel. Zum Glück. Mit ihrer Zuversicht haben sie uns, die ewigen Zweifler und Nörgler, steinalt aussehen lassen.

Die Young Boys haben das Ticket zur Champions League gelöst.

Die Young Boys haben das Ticket zur Champions League gelöst.

Es waren die bekannten Muster, die wir uns rasch wieder aneigneten nach dem 1:1 daheim, das ja nicht hoffnungslos stimmte, aber halt auch nicht wirklich ermutigend war. Vielleicht ist die Champions League doch zu gross für uns? Aber den Meister, den kann uns keiner mehr nehmen. So redeten wir uns fit für den Fall, dass es wieder nicht reichen sollte.

Jetzt sind wir mit dabei beim Euro-Millionenspiel. Aber wie gesagt, es ist alles noch ein wenig verschwommen. Zum einen war ja gerade die Meisterschaft auch eine Zeremonie des Lokalen, jetzt ist Bern europäisch.

Zum anderen, dies vor allem, müssen wir erst noch in den Kopf bekommen, dass der Zusammenhang zwischen Hoaraus zwei Toren und den 30 Millionen, die nun nach Bern überwiesen werden, nicht einfach der Logik eines Videogames entspricht, sondern ganz simplen Mechanismen des Fussball-Geschäfts folgt. Und dass es die Goldfüsschen, die über unsere Bildschirme rennen, tatsächlich gibt.

Das Videospiel wird real. Wahnsinn.

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