Die Nachspielzeit: Die Young Boys führen im Letzigrund vor 5800 Zuschauern 2:1. Noch! GC drängt vehement auf das 2:2. Und in der 91. Minute kullert der Ball in einer unübersichtlichen Situation mehr zufällig als gewollt zu Caio, der den Ausgleichstreffer erzielt. Der 29-jährige Brasilianer bescherte den Zürchern mit seinem zweiten Treffer kurz vor Schluss also doch noch einen Punktgewinn. Ein Punktgewinn, der für GC hoch verdient ist. Die Mannschaft betrieb während 93 Minuten einen riesigen Aufwand und hatte nach zwei Handspielen von Steve von Bergen innerhalb des Strafraums Pech, dass Schiedsrichter Sascha Amhof beide Male nicht auf Penalty entschied.

Damit nicht genug der Unbill. GC wusste nicht, wie ihm geschah und geriet gegen einen weitgehend passiven Gegner 0:2 in Rückstand, bewies in der Schlussphase einer intensiven und temporeichen Partie aber viel Moral. Wie sich Yoric Ravet und Amir Abrashi vor dem 2:2 an der Strafraumgrenze ins Zeug legten, war eindrücklich. GC zeigte in der Schlussviertelstunde auf eindrückliche Art und Weise, was in ihm steckt. Plötzlich waren Rasse und Klasse Trumpf! Logisch, dass Pierluigi Tami nach dem späten Ausgleichstreffer hoch zufrieden war. «Ich bin sehr zufrieden und stolz auf mein Team», sagte der GC-Trainer. «Es hat sich das Unentschieden dank viel Einsatz und Willensstärke redlich verdient.»

Und die Young Boys? Sie zeigten wie schon so oft in dieser Saison zwei Gesichter. Erst das schöne, dann das hässliche: YB hatte das Spiel während 70 Minuten im Griff und führte zu diesem Zeitpunkt dank Effizienz 2:0. Der erste Treffer fiel nach einem Konter: Renato Steffen setzte auf der rechten Angriffsseite zu einem Sprint an und servierte den Führungstreffer dem im Zentrum völlig freistehenden Kubo auf dem silbernen Tablett. YB also bog nach seiner ersten Chance auf die Siegesstrasse ein, liess den Ball laufen, ja es spielte mit dem Gegner bis Mitte der zweiten Halbzeit Katz und Maus.

YB schaltet einen Gang zurück

Und mit der Einwechslung von Guillaume Hoarau nach der Pause bewies YB-Trainer Uli Forte ein goldenes Händchen. Der 31-jährige Franzose brauchte exakt zwölf Sekunden, um zum 15. Mal in dieser Saison jubeln zu können. Nach Hoaraus Kopfballtor aus kurzer Distanz schien der Mist geführt. Denkste! Weil die Berner mit der vermeintlich beruhigen 2-Tore-Führung im Rücken einen Gang zurückschalteten, kippte die Partie. GC legte einen Zacken zu. Es war kein Zufall, dass Wirbelwind Caio den Umschwung einleitete. GCs Bester liess an der Grundlinie den defensiv überforderten Hoarau stehen, sah im Fünfmeterraum Ravet, der den Ball aus vier Metern ins Tor bugsierte. Das 1:2 machte bei den Zürchern Kräfte frei. Nun legte Tamis Team alle Hemmungen ab und stürmte mit Mann und Maus. Die Schlussoffensive war derart gewaltig, dass sie sogar Uli Forte zum Staunen brachte. «Das späte 2:2 ist bitter für uns», erklärte der YB-Trainer. «Aber GC hat sich dieses Resultat verdient. Wir hatten dem grossen Druck in der Endphase nichts Gleichwertiges mehr entgegenzusetzen.»

Matchtelegramm:

Grasshoppers - Young Boys 2:2 (0:1)

5800 Zuschauer. - SR Amhof. - Tore: 27. Kubo (Steffen) 0:1. 46. Hoarau (Gerndt) 0:2. 72. Ravet (Caio) 1:2. 91. Caio (Abrashi) 2:2.

Grasshoppers: Vasic; Lang, Wüthrich, Gülen (88. Bauer), Lüthi (83. Jahic); Ravet, Abrashi, Vadocz, Fedele (66. Tarashaj); Ben Khalifa, Caio.

Young Boys: Mvogo; Sutter, Von Bergen, Rochat, Lecjaks; Steffen (64. Zarate), Gajic, Bertone, Nuzzolo; Gerndt (77. Sanogo), Kubo (46. Hoarau).

Bemerkungen: GC ohne Grichting, Gjorgjev (beide gesperrt), Pavlovic, Dabbur (beide gesperrt), YB ohne Vilotic, Seferi (beide verletzt). 83. Lattenschuss von Ravet. Verwarnungen: 3. Caio, 20. Kubo, 42. Sutter, 44. Fedele, 56. Lüthi (alle Foul), 63. Nuzzolo (Unsportlichkeit).