WM 2018
Yann Sommer war mit Abstand der Beste: Die Einzelkritik der Schweizer nach dem 2:2 gegen Costa Rica

Mit gemischten Gefühlen beendet die Schweiz die Gruppenspiele. Eine durchzogene Leistung und ein 2:2 gegen Costa Rica beschert den Schweizern die Achtelfinals. Viele ungenügende Noten gibt es dennoch.

Sebastian Wendel
Merken
Drucken
Teilen
Trotz des unglücklichen Eigentors holt Yann Sommer die beste Note bei den Schweizern.

Trotz des unglücklichen Eigentors holt Yann Sommer die beste Note bei den Schweizern.

Keystone
Yann Sommer: Note 5,5 Drei starke Paraden in den ersten 15 Minuten sprechen für ihn und gegen den Wachzustand seiner Vorderleute. Bei den Gegentoren ist er machtlos. Dank Sommer müssen wir nicht um die Achtelfinal-Qualifikation zittern. Er hält auch im dritten Spiel sein hohes Niveau – das beruhigt mit Blick auf die K.-o.-Phase.
15 Bilder
Stephan Lichtsteiner: Note 3,5 Wo hat er sein defensives Gewissen gelassen? Teilweise vogelwild und ohne Not lässt der Routinier die Ticos auf seiner Seite gewähren. Immerhin kann er offensiv Akzente setzen – entscheidend mit der Flanke auf Embolo vor dem 1:0. Wegen seines harten Fouls gegen Colindro fehlt er im Achtelfinal.
Fabian Schär: Note 3 Ein von A bis Z fahriger Auftritt und dann in der 83. Minute diese dumme gelbe Karte, wegen der auch er den Achtelfinal gesperrt verpasst. Somit fehlt gegen Schweden die halbe Stammabwehr. Er wird durch Djourou oder Elvedi ersetzt.
Manuel Akanji: Note 3,5 Wenn sogar «der Turm» wackelt, dann steht es wirklich nicht gut um die Schweizer Abwehr. Aber hey: Er ist 22 Jahre alt, auch er darf mal ein Gegentor wie jenes zum 1:1 verschulden. Hauptsache, er findet gegen Schweden wieder zur gewohnten Sicherheit. Zweifelt jemand daran?
Ricardo Rodriguez: Note 3,5 Ist mit unglaublich viel Talent und Coolness gesegnet. Letztere nimmt manchmal Überhand, was nicht immer förderlich ist. Gegen Costa Rica teilweise zu lässig, zu unkonzentriert in seinen Aktionen.
Valon Behrami: Note 4 Stark sein Ballgewinn, der den Konter vor dem 1:0 ermöglicht. Aber auch er schafft es nicht, seine Ruhe auf die Teamkollegen zu übertragen. Weil er für einmal zu fest mit sich selber beschäftigt ist. Nach 60 Minuten verlässt er entkräftet den Platz, um nicht auch noch im Achtelfinal zu fehlen.
Granit Xhaka: Note 3 Was bleibt vom vermeintlichen Schlüsselspieler in Erinnerung nach der Gruppenphase? Je eine starke Halbzeit gegen Brasilien und Serbien. Gegen Costa Rica lautet das nett formulierte Urteil: Er hielt sich zurück. Die Nachwehen der Aufregung um den Doppeladler?
Xherdan Shaqiri: Note 3,5 In Erinnerung bleibt sein öffnender Pass auf Lichtsteiner vor dem 1:0. Und sonst? Überfordert? Kunstpause? Hoffen wir, dass er im nächsten Entscheidungsspiel gegen Schweden wieder aufdreht, die Mannschaft wird darauf angewiesen sein.
Blerim Dzemaili: Note 3,5 Ausgerechnet er, der bisher mit dem Versieben von Torchancen auf sich aufmerksam machte, trifft zum wegweisenden 1:0. Stark, wie er in dieser Szene nachsetzt. Aber schlecht ist, wie er in der Folge abtaucht und wieder der blasse Dzemaili der vorherigen Spiele ist.
Breel Embolo: Note 4,5 Seine Hereinnahme in die Startelf lohnt sich in der 31. Minute, als er den Ball mustergültig und uneigennützig für Dzemaili auflegt. Er ist in einer zahnlosen Offensive noch der Beste. Bei seiner zweiten Chance muss er egoistischer sein und aufs Tor köpfeln.
Mario Gavranovic: Note 3,5 Bekommt wie erwartet den Vorzug vor Seferovic. Etwas besser eingebunden als «der Mann aus Sursee», hat aber auch die deutlich schwächeren Abwehrspieler gegen sich als Seferovic. So gesehen, war das auch von ihm ungenügend – und die Schweiz hat weiter ein Stürmerproblem.
Denis Zakaria: Note 4,5 Kommt in der 60. Minute für Behrami ins Spiel. Ist präsent und spielfreudiger als Behrami. Belohnt sich dafür mit dem Assist auf Torschütze Drmic vor dem 2:1. Aber er verschuldet auch den umstrittenen Penalty, der zum 2:2 führt.
Josip Drmic: keine Note Kommt nach 69 Minuten für Gavranovic ins Spiel. Ist sofort der gefährlichste Angreifer und folgerichtig ist er es, der die zwischenzeitliche Führung erzielt. Persönlich ein schöner Lohn nach langem Leidensweg. Zu kurz im Einsatz für eine Note.
Michael Lang: keine Note Sein Kurzeinsatz ist der Testlauf für den Achtelfinal gegen Schweden, in dem er Captain Lichtsteiner vertreten wird. Zu kurz im Einsatz für eine Note.
Vladimir Petkovic: Note 5,5 Setzt mit Ausnahme der zwingenden Herausnahme von Seferovic und der gesundheitsbedingten von Zuber auf seine Stammelf. Was trotz kleiner Gefahr, auszuscheiden, richtig ist. Für die schlechte Umsetzung der Spieler kann er wenig. Vielmehr provoziert er mit den Einwechslungen von Drmic und Zakaria das 2:1.

Yann Sommer: Note 5,5 Drei starke Paraden in den ersten 15 Minuten sprechen für ihn und gegen den Wachzustand seiner Vorderleute. Bei den Gegentoren ist er machtlos. Dank Sommer müssen wir nicht um die Achtelfinal-Qualifikation zittern. Er hält auch im dritten Spiel sein hohes Niveau – das beruhigt mit Blick auf die K.-o.-Phase.

Mark Baker