Ungewöhnliche Anspielzeit einer Partie, die sehr viel Brisanz beinhaltet. Erstmals trägt Murat Yakin, der neue Cheftrainer, die Verantwortung für den Schweizer Meister. Und gastiert gleich bei seinem Ex-Arbeitgeber, wo er mit einigen Nebengeräuschen vor gut zwei Monaten freigestellt wurde.

Dort, wo Murat Yakin ist, herrscht oftmals – ein positiver – Ausnahmezustand. War das Mediacenter am letzten Montag bei der Bekanntgabe des Trainerwechsels fast bis auf den letzten Platz besetzt, so kamen gestern Mittag zur formellen Pressekonferenz vor einem Meisterschaftsspiel gegen 40 Medienschaffende.

In seiner gewohnten Ruhe und Souveränität erläuterte Murat Yakin, dass «es in uns allen brennt. Ich spüre die Leidenschaft und den Willen in der Mannschaft, gemeinsam hart zu arbeiten und Erfolge zu feiern», so der Münchensteiner. «Wir haben in dieser Woche gut trainiert und ein internes Trainingsspiel bestritten. Wir hatten Spass; das gehört dazu. Aber wir haben nicht vergessen, dass morgen ein schweres Spiel ansteht. Denn Luzern weiss, wie man gegen den FCB erfolgreich spielt.»

Flexibel in der Wahl des Systems

Yakin liess auch durchblicken, dass er in der Wahl des Spielsystems flexibler als seine deutschen Vorgänger Thorsten Fink und Heiko Vogel sein wird. «Fussball ist keine Wissenschaft», hatte Yakin bereits als Spieler gesagt. «Es kann bis zum Abschlusstraining immer etwas passieren wie Verletzungen, Formschwäche oder Internationale, die müde von ihren Nationalteam-Einsätzen zurückgekehrt sind», so der neue FCB-Trainer.

Momentan ist dies der Fall bei Marcelo Diaz. Der Chilene, der bei der 1:2-Heimniederlage von Chile gegen Argentinien eine gute Leistung zeigte, ist erst spät aus Südamerika heimgekommen. Und wird maximal auf der Ersatzbank Platz nehmen. Weil Valentin Stocker gesperrt ist, dürfte David Degen die linke Seite bearbeiten, sodass Mohamed Salah im rechten Mittelfeld verbleibt. Es ist nicht anzunehmen, dass Murat Yakin gleich alles auf den Kopf stellen wird. Aber ganz gewiss will der Ex-Internationale seine Ideen durchbringen und der Equipe (s)eine neue Handschrift vermitteln.

«Solche Partien sollen durch grosse Spieler entschieden werden»

Dass die Premiere als FCB-Trainer gleich in Luzern erfolgt, mag Schicksal sein. «Luzern gegen Basel waren immer emotionale, spannende Spiele. Solche Partien sollen auch durch grosse Spieler entschieden werden», so Yakin dezent lächelnd. Man bekam das Gefühl, dass der Baselbieter der Meinung ist, dass bei Rot-Blau genügend solcher Akteure stehen, damit er am Sonntagnachmittag mit einem Erfolg in eine neue Trainer-Etappe steigen kann.