Xherdan Shaqiri hat bereits 76 Länderspiele auf dem Buckel. Und ist trotzdem erst 27-jährig. Ein Gespräch über seine Rolle in der Schweizer Nationalmannschaft, sein Standing bei seinem Klub Liverpool und wie er auf Kritik reagiert.
Xherdan Shaqiri: Von der aktuellen Mannschaft bin ich tatsächlich am längsten dabei, habe die meisten Länderspiele.
Sehr viel. Jedes Aufgebot ist wie eine Auszeichnung und macht mich stolz. Es zeigt, dass man zu den Besten des Landes gehört. Und es gibt dir Selbstvertrauen für den Club. Vielleicht sogar einen Schub.
Sehr gut. Der Gegner war Uruguay. Ich war sehr jung, 19 Jahre alt. Es war speziell, und ich nervös. Den ersten Eckball von der linken Seite habe ich in St. Gallen irgendwo hinter das Tor gesetzt. Der Platz war aber auch nicht so toll damals. . .
Ich denke, im Nationalteam ist dies die richtige Rolle für mich. Im Zentrum bekomme ich neben klaren Aufträgen des Trainers auch gewisse Freiheiten. Und ich versuche sie zugunsten des Teams auszunützen: Ich lasse mich fallen, bewege mich zwischen den Linien, gehe in den Abschluss, spiele den letzten Pass. Aber ich bin nicht derjenige, der gerne die Bälle hinten in den eigenen Reihen holt.
Ich lebe noch im selben Haus in Manchester wie zuvor, als ich für Stoke spielte. Nach Liverpool habe ich mit dem Auto knapp 40 Minuten und damit weniger lang als nach Stoke-on-Trent.
Xherdan Shaqiri - eine Karriere in Bildern:
Noch nicht wirklich viel. Ich wüsste nicht, wann ich dazu Gelegenheit gehabt hätte. Als ich zum Klub stiess, waren wir in den USA in der Vorbereitung. Wir kamen zurück und seither ist der Terminkalender absolut voll. Darum hatte ich noch keine Gelegenheit, die Stadt kennen zu lernen. Aber ich habe ja einen langfristigen Vertrag mit dem FC Liverpool, da wird sich das schon noch ergeben ...
Mich muss man nicht bei Laune halten! Der Entwicklungsprozess ist bis anhin gut aufgegangen für mich. Klar, jeder Profi will spielen. Ich auch. Aber es folgen ja noch viele Partien. Zudem muss man einfach auch sehen und anerkennen, was in Liverpool jüngst geleistet worden ist! Da haben eine Menge Leute einen guten Job gemacht! Darum wird nicht von heute auf morgen alles auf den Kopf gestellt. Das, was jetzt abläuft, ist genau das, was ich erwartet hatte. Ich entschied mich für den Transfer zu Liverpool in vollem Bewusstsein, dass ich es bei einem Verein mit diesem Standing schwerer haben würde als beispielsweise bei anderen Klubs, die sich auch um mich bemüht hatten.
Er hat mir beim ersten Kontakt erklärt, er könne sich sehr gut vorstellen, dass ich in sein System passe und zum Fussball, den er spielen lassen wolle.
Für mich war der Wechsel perfekt. Ich will mich immer verbessern. Ich will Titel gewinnen. Das ist das A und O im Fussball. Und mit dieser Mannschaft sind die Chancen gross.
Sicher einmal die Musik vor den Spielen. In Stoke schliefen wir vor den Heimspielen meistens zu Hause, nicht im Hotel wie mit Liverpool. Aber grosse Unterschiede gibt es nicht. Im Fussball ist es in jedem Club ziemlich ähnlich. Aber natürlich ist Liverpool ein ungleich grösserer Club.
Spielen wir am Nachmittag, übernachten wir in einem Hotel. Ich glaube, es ist mitten in der Stadt. Es hat in jedem Fall am Abend drumherum immer viele Leute, die man hört. In England sind die Fenster nicht so schalldicht wie anderswo, da hört man einiges.
Es geht in einem Ohr rein und beim anderen raus. Ich lese die Dinge zwar, aber stelle oft fest, wie wenig kompetent sie sind. Meistens kritisieren jene Leute, die neidisch sind. Oder die, die dich nicht mögen.
Was heisst «harsch»? Richtig ist: Ich kann schon zum Ausdruck bringen, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin, das mir wichtig ist.
Es ist noch immer so. Wir sind alle gleich. Wieso soll einer mehr kritisiert werden? Jeder verdient Kritik, wenn er schlecht spielt. Aber alle müssen gleich behandelt werden. Gewisse Medien begutachten mich manchmal strenger als andere. Das sehe ich nicht nur ich so. Mit den Fans dagegen hatte ich noch nie Probleme.
Es scheint nicht nur so. Es ist Fakt, dass ich in jüngster Zeit verletzungsfrei gewesen bin. Ich bin topfit, und das zählt!
Nein, ich schaue nach wie vor gleich professionell zu mir.
Granit und ich hatten es schon immer gut. Es ist vielmehr so, dass das ganze Team nochmals zusammengerückt ist nach all dem Rummel, den es für viele Spieler gab. Es wurde viel berichtet, aber wir wurden nie nervös, nie destabilisiert, sondern halten jetzt noch mehr zusammen.
Für mich gibt es keinen Zenit. Der wäre vielleicht bei einem WM- oder EM-Titel erreicht. Davon sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt. Umso wichtiger sind Spiele wie nun gegen Belgien. Da sieht man, wie weit man ist. Ein positiver Auftritt wäre ein weiterer Beleg für einen nächsten wichtigen Schritt in unserer Entwicklung.