Fussball-WM
Xherdan Shaqiri im Interview: «Ich weinte, als Brasilien verlor»

Xherdan Shaqiri spricht vor der WM über Erwartungen mit dem Nationalteam und seine Zukunft. In England bleiben würde er gerne, wohin er aber wechselt, ist noch unklar. An der WM will er mit der Schweizer Nati erstmals die Achtelfinal-Hürde überspringen. In der absoluten Favoritenrolle für den WM-Titel sieht er Frankreich.

Etienne Wuillemin und Céline Feller
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Xherdan Shaqiri - eine Karriere in Bildern: vom FC Basel über Bayern München, Inter Mailand zu Stoke City sowie in der Nati Shaqiris Karriere begann beim FC Basel - 2012 wechselte er zu Bayern München.
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Spektakulär, aber erst beim nächsten Mal klappts...
Fussball-Herz, was willst du mehr? Xherdan Shaqiri setzt zu einem spektakulären Fallrückzieher an.
FC Basel-Trainer Heiko Vogel in der letzten Saison mit Shaqiri in Basel.
Matchwinner: Xherdan Shaqiri traf im Herbst zum 1:0-Auswärtssieg des FCB in Zürich.
Zwei für den kleinen Mann: Bald Bayern-Spieler Xherdan Shaqiri posiert mit seinen Auszeichnungen
Xherdan Shaqiri, hier noch im FCB-Trikot, kommt mit Bayern für ein Testspiel zurück ins «Joggeli».
Franck Ribery, Xherdan Shaqiri und Dante freuen sich über das 2:0. Shaqiri hat es klasse vorbereitet.
Xherdan Shaqiri mit seinen Bayern-Teamkollegen Javi Martinez, Holger Badstuber, David Alaba und Jerome Boateng (von links)
Xherdan Shaqiri feierte den Sieg mit zwei Fahnen: Der Schweizer und der kosovarischen.
Shaqiri mit einem Kollegen, der sich als Hollywood-Star Jason Statham ausgibt
Shaqiri und Pizarro posieren mit dem GQ-Award für die Bayern
Shaqiri bei seinem ersten Besuch am Münchner Oktoberfest
Xherdan Shaqiri: «Shaq Attaq»
Xherdan Shaqiri: Weniger verletzt als früher. Dafür in Liverpool wieder bei einem Klub mit Titelchancen.
Xherdan Shaqiri am Sonntag bei seinem Eintreffen in Weggis zum Camp
Nati-Selfie via Xherdan Shaqiri
Shaqiri hat sein Lieblingsstück in der historischen Abteilung gefunden: Ein Lederball aus früheren Zeiten.
Xerdan Shaqiri trägt neben dem Schweizer Wappen auch das albanische und kosovarische auf seinem Schuh.
Bumm! Shaqiris Schuss ins Glück bringt die Schweiz zurück auf Kurs. key
Shaqiri und Messi.
Auch Bayerns Spieler Xherdan Shaqiri ist in Feusisberg dabei.
Nach der Ankunft am Flughafen: Shaqiri, Mehmedi und Drmic (von links).
Xherdan Shaqiri verlässt Bayern und geht zu Inter Mailand.
Mit breiter Brust wird Xherdan Shaqiri seinem neuen Arbeitgeber begegnen.
Xherdan Shaqiri kam beim Heimsieg von Inter noch nicht zum Einsatz
Shaqiri steht auf die Wölfin von der Wall Street (Archiv)
Xherdan Shaqiri
Xherdan Shaqiri schaut sich den Match Stoke City-Liverpool an.
Eine Schlüsselbeziehung: Xherdan Shaqiri spaltet das Team – Nationaltrainer Vladimir Petkovic ist als Konflikt-Manager gefordert. SEBASTIAN SCHNEIDER/Keystone
Shaqiri-Selfie.JPG
Shaqiri bei der SRF-Aktion "Jeder Rappen zählt"
Xherdan Shaqiri geht bei Stoke weiter den Weg des Leidens
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Mit Fussball-Star Xherdan Shaqiri als Vorbild sollen sich auch Kinder für erneuerbare Energien interessieren. (Archiv)
Für einen nachhaltigen Lifestyle: Rapper Stress, Bundesrätin Doris Leuthard und Fussballer Xherdan Shaqiri (v.l.n.r.) während der Energy Challenge 2016.
Der letzte Meistertitel vor dem Sprung auf die Münchner Bank: Xherdan Shaqiri mit einem Ersatz-Kübel.
Rasante Rodelfahrt: Eren Derdiyok vergnügt sich beim Schweizer Teamevent auf dem Monte Tamaro zusammen mit Xherdan Shaqiri. Nach schwierigen Jahren ist er zurück in der Nationalmannschaft Freshfocus
Immer im Mittelpunkt, aber auch für die Mannschaft da: Xherdan Shaqiri im Training der Schweizer Nationalmannschaft in Montpellier

Xherdan Shaqiri - eine Karriere in Bildern: vom FC Basel über Bayern München, Inter Mailand zu Stoke City sowie in der Nati Shaqiris Karriere begann beim FC Basel - 2012 wechselte er zu Bayern München.

Keystone

Haben wir in dieser Saison den besten Xherdan Shaqiri gesehen?

Xherdan Shaqiri: Den besten? Das ist schwierig zu sagen. Ich habe eine sehr gute Saison hinter mir. Bin zufrieden mit meinen Leistungen. Aber der beste Xherdan? Nein, der folgt noch.

Sie haben Ihre beste Saison hinter sich – aber Ihr Verein ist abgestiegen. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin enttäuscht. Das ist normal. Aber ich brauche mir nichts vorzuwerfen, habe meine Leistungen gebracht, konnte 15 Skorerpunkte holen, davon 8 Tore. Ich habe alles fürs Team gegeben, wir haben uns mit allen Mitteln gegen den Abstieg gestemmt, ihn aber leider nicht verhindern können.

Xherdan Shaqiri nach einer enttäuschenden Saison mit Stoke City, welcher im Abstieg endete.

Xherdan Shaqiri nach einer enttäuschenden Saison mit Stoke City, welcher im Abstieg endete.

KEYSTONE/AP PA/ADAM DAVY

Erstmals in Ihrer Karriere sind Sie auf über 3000 Einsatz-Minuten gekommen. Sind Sie vor der WM müde?

Es war schon anstrengend. Die Premier League ist intensiv, wir haben keine Winterpause. Ein bisschen müde bin ich. Auch mental war die Saison anstrengend, weil der Abstiegskampf einen vereinnahmt, Druck von allen Seiten entsteht. Das war nicht einfach. Aber im Hinblick auf die WM bin ich sehr zuversichtlich.

Sie haben früher häufig um Pokale gespielt, jetzt gegen den Abstieg. Wie haben Sie das verkraftet?

In der Tat, ich kenne jetzt beide Seiten. Aber das kann einen auch weiterbringen. Niemand will absteigen, klar. Aber es gibt erstens Schlimmeres im Leben, und zweitens kann man daraus lernen, muss die richtigen Schlüsse ziehen für die Zukunft.

Denken Sie jetzt an die Zukunft?

Natürlich, ja. Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass ich den Klub verlassen werde.

Möchten Sie in England bleiben?

Ich denke, die Liga ist perfekt für mich. Ich würde liebend gerne in England bleiben, möchte aber nichts ausschliessen.

Wieso passen Sie nach England?

Es ist die beste Liga mit den besten Spielern. Ganz einfach.

Wie gross ist die Sehnsucht, auf die grosse Bühne zurückzukehren?

Sehr gross. Davon kannst du nie genug kriegen. Jeder will sich immer mit den Besten messen. Und die meisten Leute wissen ja, dass ich da nicht anders ticke. Auch das war ein Grund, weshalb ich mich für die Premier League entschieden habe. Und darum möchte ich nun auch den nächsten Schritt machen.

Analysieren Sie Ihre Auftritte per Video? Und ergänzen Sie die Erkenntnisse mit Video-Studium von anderen Spielern?

Ich schaue meine Videos natürlich an. Ich empfinde es als zwingend, mich selbst zu analysieren. Aber ich habe auch Leute, die mir dabei helfen. Meinen Vater rufe ich direkt nach einem Spiel besser nicht an. Er ist mein grösster Kritiker. Sogar wenn ich drei Tore mache, meint er, es hätten fünf sein können (lacht).

An sein Traumtor gegen Polen denkt Xherdan Shaqiri noch oft zurück.

An sein Traumtor gegen Polen denkt Xherdan Shaqiri noch oft zurück.

Und Videos von anderen Spielern?

Auf Youtube gehen und Fussball-Videos schauen? Nein, das mache ich nicht (lacht). Oder besser gesagt nicht mehr. Mit 18 oder 20 habe auch ich das gemacht, da habe ich mir Ronaldinho zu Gemüte geführt. Aber jetzt bin ich 26 und versuche, mich selber weiterzuentwickeln. Da muss ich auf mich schauen, nicht auf andere.

Wie oft denken Sie noch an das spektakuläre Tor im EM-Achtelfinal gegen Polen?

Oft, denn viele Leute erinnern mich auch immer wieder daran (lacht). Jenes Tor werde ich nie vergessen. Das war grossartig. Und ein wichtiges Tor.

Dennoch ist die Schweiz ausgeschieden. Wie lange trauerten Sie
der verpassten Chance nach?

Nach dem Turnier dachte ich schon noch oft: «Hätten wir doch dieses Spiel gewonnen, wer weiss, wohin uns der Weg dann noch geführt hätte.» So offen wie in Frankreich war ein Tableau wohl noch nie.

Wie hat sich Ihre Rolle im Nationalteam entwickelt?

Ich bin ein erfahrener Spieler in der Nati, gehöre zu jenen mit den meisten Länderspielen, ich glaube, im Moment bin ich auch jener Spieler mit den meisten Nati-Toren. Ich bin ein Leader in dieser Mannschaft. Und ich werde das immer sein.

Was braucht es, damit Sie am Ende der WM sagen können: Das war eine erfolgreiche WM für die Schweiz?

Schwierig zu sagen. Die Eishockey-Nati hat uns schon ein bisschen Druck gemacht (lacht). Ich hoffe nur nicht, dass uns die Leute verwechseln . . . Ich hoffe, dass wir gute, tolle Auftritte zeigen. Dann haben wir die Chance, etwas zu bewegen an dieser WM. Erst einmal gilt es, die Gruppe zu überstehen – Brasilien, Serbien, Costa Rica und wir – das ist eine der schwierigsten Gruppen dieser WM!

Xherdan Shaqiri gehört zu den Leaderfiguren im Schweizer Nationalteam.

Xherdan Shaqiri gehört zu den Leaderfiguren im Schweizer Nationalteam.

Es gibt einige Fans, die sich einen Viertelfinal sehnlichst wünschen. Und auch die Mannschaft träumte verschiedentlich schon davon. Wie denken Sie darüber?

Was soll ich sagen? Wir wollen uns weiterentwickeln, das ist das Ziel. Das ist das Naturell jedes Teams. Bis jetzt haben wir es häufig in den Achtelfinal geschafft. Wenn wir etwas Grösseres erreichen wollen, müssen wir ja in die Viertelfinals kommen. Aber eben, man darf das nicht einfach verallgemeinern. Sagen wir es so: Wenn vieles passt, können wir eine Überraschungsmannschaft des Turniers werden.

Wenn Sie Brasilien hören, woran denken Sie?

Ziemlich schnell an «Weltmeister». Das hat sich seit meiner Kindheit eingenistet. Auch wenn der letzte Titelgewinn schon eine Weile zurückliegt.

Hat Brasilien für Sie immer noch denselben Stellenwert wie früher?

Vielleicht haben sie in den vergangenen Jahren wegen des ausbleibenden Erfolgs tatsächlich etwas an Wert verloren. Aber für mich werden sie immer eine der aufregendsten Mannschaften bleiben. Und einer der grossen Favoriten auf den Titel.

1998 an der WM in Frankreich . . .

. . . da habe ich geweint, als Brasilien den Final gegen Frankreich verloren hat. Und Ronaldo musste verletzt raus. Ich habe mir zum Geburtstag ein Trikot von Ronaldo gewünscht – er blieb immer einer meiner Lieblingsspieler. Zum Glück lief es 2002 besser. Ich bin immer noch ein grosser Fan der Brasilianer. Aber ich werde bestimmt nicht weinen, wenn sie gegen die Schweiz verlieren (lacht).

Brasilien hat in seinem letzten WM-Spiel, im Halbfinal gegen Deutschland, 1:7 verloren. Fürchten Sie, dass Brasilien nun an der Schweiz Revanche nimmt?

Die werden ganz genau einen Plan haben für ihr grosses Ziel, Weltmeister zu werden. Wir müssen darauf gefasst sein, dass sie von Anfang an Vollgas geben werden und versuchen, jeden Gegner zu dominieren. Wir müssen bereit sein, dagegenzuhalten.

Antoine Griezmann und sein Frankreich gelten für Xherdan Shaqiri als heissester Titelanwärter. Was heckt der Schlingel wieder aus? Seit Antoine Griezmann zur Hochform aufgelaufen ist, sind die gegnerischen Abwehrreihen überfordert. Foto: Imago

Antoine Griezmann und sein Frankreich gelten für Xherdan Shaqiri als heissester Titelanwärter. Was heckt der Schlingel wieder aus? Seit Antoine Griezmann zur Hochform aufgelaufen ist, sind die gegnerischen Abwehrreihen überfordert. Foto: Imago

Schweiz am Wochenende

Ist es ein Vorteil oder ein Nachteil, zuerst gegen Brasilien zu spielen?

Es kann beides sein. Wenn wir gewinnen, war es ein Vorteil (lacht). Ich beginne lieber so. Ich spiele gerne gegen grosse Favoriten.

Das liegt der Schweiz ja häufig. Zum Beispiel an der WM 2014 im Achtelfinal gegen Argentinien.

Eigentlich schon. Häufig sind wir gegen Topmannschaften besser. Vielleicht ist es ja gut, dass wir so eine starke Gruppe haben. Dieses Spiel damals war vielleicht eines der besten einer Schweizer Mannschaft überhaupt. Wir werden es nie vergessen. Wie wir in der Verlängerung gar noch dominiert haben. Dann trotzdem in Rückstand geraten sind. Aber nochmals zurückkommen. Die grosse Chance zum Ausgleich von Blerim Dzemaili mit dem Pfostenschuss kurz vor Schluss. Bitter, aber irgendwie unvergesslich.

Im zweiten WM-Spiel trifft die Schweiz auf Serbien. Was verbinden Sie persönlich mit dem Land?

Ich habe mitbekommen, dass nicht wenige Leute denken, in dieser Partie sei viel Politik im Spiel. Weil einige Teamkollegen und ich aus dem Kosovo sind und es zwischen Serbien und Kosovo Krieg gab. Aber es geht hier um ein Fussballspiel. Und um nichts anderes.

Wenn Sie die WM-Gruppe anschauen: Wie gross ist die Gefahr, dass man am Anfang zu weit schaut?

Diese Gefahr ist immer da. Wenn man zu grosse Träume hat und glaubt, dass man die wirklich verwirklichen kann. Bescheiden bleiben, das ist für uns das Wichtigste.

Da ist Brasilien ja der perfekte Start.

Das ist ein super Start, ja. Da können wir zeigen, dass wir bereit sind.

Das hat man 2010 in Südafrika auch gedacht. Doch dann kam nach dem Sieg über Spanien die Ernüchterung.

Ja, aber ich glaube, wenn wir jetzt das erste Spiel gewinnen, dann kommen wir auch weiter. Das passiert uns nicht noch einmal. Wir sind erfahrener geworden.

Zum Schluss: Wer wird Weltmeister?

Ganz schwierig. Es sind immer die gleichen Favoriten: Deutschland, Frankreich, Brasilien, Spanien. Die Grossen bleiben die grossen Favoriten. Die Franzosen sind ein heisser Tipp für mich. Sie haben offensiv wie defensiv eine sehr gute Mannschaft.

Zur Person

Xherdan Shaqiri galt als Jahrhunderttalent und als einer mit dem Potenzial zum Weltstar. Mit 17 Jahren debütierte er in der ersten Mannschaft des FC Basel, wurde drei Mal Schweizer Meister.

Dann zog es ihn zu Bayern München. Nach drei erfolgreichen Jahren inklusive Triple wechselte er zu Inter und später zu Stoke City. Den Premier- League-Absteiger wird der 26-Jährige verlassen. Für die Schweizer Nati erzielte er in 68 Spielen 20 Tore.

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