FC Wohlen
Wohlens nächster Exploit - der Aussenseiter siegt weiter

Der FC Wohlen ist nach dem 2:0-Sieg in Winterthur souveräner Leader der Challenge League. Im Spitzenkampf trifft er in der 1. und in der 90. Minute. Das Team von Trainer Ciriaco Sforza hat damit in dieser Saison bereits fünf Siege erzielt.

Fabian Sanginés (Text) und Luca Muntwyler (Liveticker)
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Challenge League: FC Winterthur - FC Wohlen
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Wohlen jubelt in Winterthur über das frühe 1:0.
Wohlens Exouzidis freut sich doppelt über den Sieg gegen seinen Ex-Klub.
Hektik im Wohler Strafraum, aber Goalie Joel Kiassumbua hält den Ball.
Wohlens Verteidigung bringt den Ball nach vorne.
Wohler Freistoss auf das Tor von Winterthur.
Ruppiges Spiel in der Schützenwiese: Ref Luca Gut verteilt Karten.
Rückkehr zum Tatort seines alten Arbeitgebers. Der griechische Innenverteidiger Exouzidis wechselte auf diese Saison von Winterthur nach Wohlen.
Vor dem Anpfiff in der Schützenwiese.
Vor dem Anpfiff in der Schützenwiese.
Aufwärmen vor dem Anpfiff in der Schützenwiese.

Challenge League: FC Winterthur - FC Wohlen

Hans Peter Schläfli

Auf Wohler Seite wusste man in der 90. Minute nicht, ob man mit der Zunge schnalzen oder einen tiefen, erleichternden Seufzer ausstossen sollte. Der bis dahin unauffällige Samir Ramizi spielt mit Mergim Brahimi einen fantastischen Doppelpass und trifft zum erlösenden 2:0 für die Freiämter. Es war besonders in der zweiten Halbzeit ein hartes Stück Arbeit. Winterthur drückte mit zunehmender Spieldauer auf den Ausgleich, der wohl nicht unverdient gewesen wäre. Ein überragender Alban Pnishi in der Innenverteidigung, eine Glanzparade von Joel Kiassumbua und die wunderschöne Brahimi/Ramizi-Kombination sorgten aber dafür, dass die drei Punkte nach Wohlen wandern.

Kalte Dusche für Winterthur

Die Partie hätte aus Aargauer Sicht nicht besser beginnen können. Kaum war die Pfeife nach Anpfiff des Schiedsrichters verstummt, jubelten die Gäste bereist. Nach einer herrlichen Ballstaffette kam der Ball zu Michael Weber, der im Strafraum Brahimi bediente. Der ehemalige GC-Spieler verwertete Eiskalt – und das nach nicht einmal 20 gespielten Sekunden. „Wir wussten selber nicht mal wie das passiert ist, es ging so schnell“, sagte Brahimi nach Schlusspfiff lachend und brachte es gleich auf den Punkt: „Wir waren von Anfang an hoch konzentriert und Winterthur hat wohl etwas geschlafen.“

Auch im Anschluss hatte Wohlen das Geschehen gegen harmlose Winterthurer im Griff. Chancen blieben aber auf beiden Seiten Mangelware – erst gegen Ende der ersten Halbzeit kam Wohlen wieder zu guten Torgelegenheiten. Kurz vor der Pause kam die Hiobsbotschaft für die Gäste. Kevin Pezzoni, Sforzas ruhender Pol im defensiven Mittelfeld, war umgeknickt und musste durch Davide Giampà ersetzt werden.

Pezzoni verletzt sich

Auch nach dem Spiel gab es noch keine Entwarnung des Deutschen: „Der Knöchel ist schnell angeschwollen, deshalb kann man noch nicht genau sagen, um was für eine Verletzung es sich handelt.“ Pezzoni spricht einigen Wohlern aus der Seele wenn er sagt „Zum Glück haben wir jetzt zwei Wochen kein Spiel – so habe ich etwas Zeit.“

Wie wichtig Pezzoni ist, zeigte sich nach dem Seitenwechsel. Wohlen spielte ideenlos und noch unpräziser als im ersten Durchgang. Dazu kam Winterthur immer besser ins Spiel und plötzlich sogar zu Torchancen. Zwar konnte der Tabellenführer den Sieg über die Runden bringen, doch der erneute Einbruch nach der Pause ist leicht besorgniserregend. Bereits im Mittwochspiel gegen Biel zeigte Wohlen in der zweiten Halbzeit eine schwache Vorstellung. Auch Brahimi, mit einem Tor und einer Vorlage der Matchwinner, kann sich das nicht erklären: „Wir müssen das mit dem Trainer analysieren, so kann das nicht mehr weitergehen.“

Das Produkt harter Arbeit

Trotz des schwachen zweiten Durchgangs ist in Wohlen kein Katzenjammer angesagt. Mit 16 Punkten aus sechs Spielen führen die Freiämter die Challenge League souverän an und haben bereits jetzt halb so viele Zähler auf dem Konto wie in der kompletten letzten Saison. „Das ist das Produkt harter Arbeit, denn wir sind die Mannschaft die jeden Morgen um 6 Uhr trainiert“, so Brahimi.

Dass Sforzas Mannen aber nicht überheblich werden, zeigt Brahimi: „Unser Ziel war von Beginn an Platz 1 bis 5, das hat sich nicht verändert – wir heben aber auch nicht ab.“ Es darf aber durchaus als Kampfansage an die Konkurrenz verstanden werden, wenn Wohlens Wirbelwind sagt: „Wir haben viele Matches über den Kampf und Effizienz gewonnen – jetzt wird es Zeit dass wir die Spiele mit mehr Spielanteilen gewinnen.“

Wenn ihnen das gelingt, wird es für den FC Wohlen eine Saison zum Träumen.

Winterthur – Wohlen 0:2 (0:1)
Schützenwiese. – 3‘500 Zuschauer. – SR Gut. – Tore: 1. Brahimi 0:1. 90. Ramizi 0:2.
Winterthur: Minder; Akanji, Iten (46. Tighazoui), Hajrovic, Iapichino; Menezes, Schuler (46. D’Angelo), Marchesano, Köfler (77. Cicek); Paiva, Bengondo.
Wohlen: Kiassumbua; Urtic, Bühler, Pnishi, Stadelmann; Pezzoni (45. Giampa); Ramizi, Geissmann, Weber (58. Schönenberger), Rapp (80. Exouzidis); Brahimi.
Verwarnungen: 3. Marchesano, 8. Pezzoni, 11. Schuler, 37. Stadelmann (alle Foul). 88. Bengondo (Reklamieren). 91. Hajrovic (Foul).