Finanzdebakel

Wo ist der Plan B für den FC St. Gallen?

Philipp Muntwiler nach der Niederlage gegen den FC Basel am letzten Wochenende.

Geschockt

Philipp Muntwiler nach der Niederlage gegen den FC Basel am letzten Wochenende.

Die Stadt verweigert dem FC St. Gallen die dringend benötigte Geldspritze. Wie kann das Fussball-Urgestein seinen Abstieg jetzt noch abwenden?

Das Stadtparlament hat eine Finanzspritze von zwei Millionen Franken an die maroden Betreiberfirmen des Fussballstadions am Dienstagabend abgelehnt. Das gefährdet den 16 Millionen Franken

schweren Rettungsplan. Denn wenn die öffentliche Hand ihren Anteil nicht leistet, machen auch die Banken nicht mit.

Denkbar wäre, dass der Kanton, der sich mit vier Millionen Franken beteiligen soll, die nun fehlenden Stadt-Millionen einschiesst. Allerdings hat das Unternehmen auch auf kantonaler Ebene einen schweren Stand. Ginge es nach dem Volk, müsste der Verein wohl ohnehin ohne öffentliche Gelder auskommen. Zu gross ist das Unverständnis über die Machenschaften im Verein, für die viele die Verwaltungsräte Bill Mistura und Dieter Fröhlich verantwortlich machen.

Wut und Empörung im Parlament

Die Stimmung richtet sich weniger gegen den Verein. Es geht auch nicht um einen zu knappen öffentlichen Finanzhaushalt. Das Parlament wendet sich gegen eine Vereinsführung, die ihr Vertrauen verspielt hat. Sie hat es nicht schafft, ihre komplexen, undurchsichtigen Buchhaltungen transparent zu machen. Und so kann sie auch nicht sagen: «Das passiert nicht noch einmal». Wenn die Leitung unter dem Druck der Finanzen unter Verschluss gehaltene Zahlen veröffentlicht hat, dann ging jeweils ein Raunen durch die Bevölkerung.

So bei der Lohnpolitik, die mehr als erstaunte, angesichts der desolaten Finanzen - ganz zu schweigen von der Tabellenlage des Vereins. Ohne, dass jemand wüsste, wer genau für was verantwortlich ist, machen Anhänger des Vereins vor allem die beiden Verwaltungsräte Bill Mistura und Dieter Fröhlich für die Misere verantwortlich.

Mit Max Hungerbühler, dem Verwaltungsratspräsident der Stadion St.Gallen AG, war im Parlament nur ein einziger Offizieller zugegen. Vereinspräsident Michael Hüppi soll einen unverschiebbaren Termin gehabt haben, schreibt das «Tagblatt». Gleichgültigkeit mimt der Präsident der Betriebs AG: Rainer Sigrist weilt in den Ferien.

Wie weiter?

Seit dem Entscheid des St. Galler Stadtparlaments läuft die Gerüchteküche heiss. Wenn heute ab 14:00 Uhr FCSG-Präsident Michael Hüppi in der AFG-Arena darüber informiert, wie es weiter gehen soll, wirds spannend. Einige wollen Gemunkel über namhafte Rücktritte vernommen haben, andere hoffen auf einen privaten Grossinvestor.

Und der Aargauer Jörg Stiel will bereits wissen: «Es gibt einen Plan B». Das zumindest hat er der «BaZ» verraten. Die meisten Wunschszenarien der Fans sind zwar unwahrscheinlich. Aber abgestiegen ist der FC St. Gallen noch lange nicht.

Deutlicher Entscheid des Parlaments

Der Entscheid gegen die Finanzspritze im 63-köpfigen Stadtparlament fiel mit zwei Dritteln Nein-Stimmen deutlich aus. Lediglich einige FDP-Vertreter und die CVP sagten Ja zum Entschuldungsplan.

Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des St. Galler Stadtrates hatte dem Parlament empfohlen, die Finanzspritze nicht zu bewilligen. SP, Grüne und die SVP scheinen dieser Empfehlung geschlossen gefolgt zu sein.

Das Ende August vorgelegte Sanierungspaket "Futura" zur Rettung der AFG-Arena und des Ostschweizer Traditionsvereins sieht Finanzspitzen von 16 Millionen Franken vor. Die Stadt hätte zwei Millionen beisteuern sollen. Der Kanton sollte sich mit vier Millionen Franken beteiligen. Ein Bankenkonsortium und private Investoren hätten je fünf Millionen beigesteuert, falls die öffentliche Hand den ersten Schritt gemacht hätte. Dieser Sanierungsplan ist damit wohl gescheitert. Dem FC St. Gallen droht nun der Konkurs und damit der Fall in die erste Liga.

Oehler droht mit Ausstieg

Am Desaster seien die Manager schuld, war der Tenor im St. Galler Rat. Misswirtschaft habe das Stadion und den ASL-Verein an den Rand des Ruins getrieben. Es gebe keinen Grund, dass die Steuerzahler dafür gerade stehen sollten, zumal sie mit der Schenkung des Baulandes im Wert von 42 Millionen Franken längst genug bezahlt hätten.

Weiteres Ungemacht droht auch von Finanzier Edgar Oehler, dem prominenten Sponsor und Förderer des FC St. Gallen. Oehler will sich aus dem Fussballgeschäft zurückziehen, falls der Verein in die 1. Liga absteigen sollte. Der Unternehmer will im Falle eines Zwangsabstieges nicht länger als Namensgeber für das Stadion auftreten. Die Firma AFG zahlt jährlich einen hohen siebenstelligen Betrag für das Namensrecht am St. Galler Stadion. (mik/si)

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