Einzelkritik
WM-Einzelkritik: Xherdan Shaqiri

Die Nati-Einzelkritik von Spiel zu Spiel von Mittelfeldspieler Xherdan Shaqiri im Überblick

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Xherdan Shaqiri

Xherdan Shaqiri

Keystone

WM-Achtelfinal gegen Argentinien: Note 5,5

Ein Spiel wie gemacht für ihn. Er ist der Schweizer, an dem die Unberechenbarkeit hängt. Er ist der Spieler, der den Schuss Genialität reinbringt, der sogar einen WM-Titel-Favoriten wie Argentinien überfordert. Zweimal innert einer Viertelstunde lässt er seine Weltklasse aufblitzen. Einmal serviert er Xhaka den Ball nach einem Dribbling. Einmal lanciert er mit einem Aussenristpass im Fallen Drmic. Beide Aktionen hätten zu Tore führen können. Oder müssen? Nach einer etwas langen Kunstpause ist es wieder er, der den Fast-Ausgleich durch Dzemaili vorbereitet. Schade klappts auch diesmal nicht. Die Tränen flossen zum Spielende, er war untröstlich.

WM-Spiel gegen Honduras: Note 6

Offensichtlich war die harte Kritik nötig. „Wir wollen den Bayern-Shaqiri", forderte die „Nordwestschweiz" vor dem Frankreich-Spiel. Nun haben wir ihn mit einem Spiel Verzögerung erstmals an dieser WM gesehen. Die Versetzung ins Zentrum hat ihm gut getan. Er hat weniger defensive Pflichten, kann sich viel freier bewegen. Müsste schon nach drei Minuten Torschütze sein. Was da noch nicht klappt, holt er eindrücklich nach. Ein Weltklasse-Distanzschuss-Tor zuerst, dann zwei Konter-Tore. Diesmal ist die Auszeichnung zum „Man of the match" ohne Zweifel verdient. Die Tore sind die logische Folge seines leidenschaftlichen Auftritts. Jetzt zeigt er Drang zum Tor. Das Zögern ist weg. So brauchen wir ihn auch weiterhin. Dann ist sogar gegen Argentinien träumen erlaubt.

WM-Spiel gegen Frankreich: Note 2,5

«Wir wollen den Bayern-Shaqiri», forderten wir vor dem Spiel. Wir sind weiter enttäuscht. Liegt es vielleicht daran, dass er doch nicht so ganz fit ist, wie er selbst behauptet? Ist die Angst nach drei Muskelverletzungen in einer Saison zu gross, dass wieder etwas geschieht? Er scheint jedenfalls die Aktionen nie mit ganzer Kraft durchzuziehen. Er bremst lieber ab, anstatt voll zu sprinten. Viel zu behäbig, auch viel zu leichtgewichtig auf diesem Niveau. Immerhin: Er verliert auch nach dem 0:5 den Willen nicht, etwas fürs Spiel zu tun.

WM-Spiel gegen Ecuador: Note 2

Vielleicht ist es ja ein gar nicht so ernst gemeinter Scherz der Fifa. Oder einfach eine kleine Verwechslung wie bei der Medienkonferenz als Shaqiri mit „Valon" angesprochen wird. Nach unseren Informationen ist es aber Tatsache: Shaqiri wurde offiziell als Spieler der Partie ausgezeichnet. Das ist ziemlich schmeichelhaft für eine ziemlich bescheidene Leistung. Ob in der ersten Hälfte auf dem rechten Flügel oder in der zweiten Hälfte in der Mitte, Shaqiri verrät zu keinem Zeitpunkt, dass er ein Spieler des FC Bayern München ist. Zu viele Ballverluste. Miserable Eckbälle und Freistösse. Seine ständigen Zurechtweisungen an die Mitspieler sind so nervig wie überflüssig. Wer schlecht spielt und dann wenigstens ein Tor schiesst, darf dies als Markenzeichen eines „grossen" Spielers für sich reklamieren. Shaqiri ist noch weit davon entfernt. Es ist höchste Zeit, dass er dies realisiert und wieder zum unberechenbaren, wirbligen, mannschaftsdienlichen Spieler wird.

Testspiel gegen Peru: Note 4,5

Zu Beginn des Spiels nur auf der Ersatzbank. „Eine reine Vorsichtsmassnahme", sagt Hitzfeld. Shaqiri habe selbst darum gebeten, weil er sich nach seinen Verletzungen noch nicht so sicher fühle. Wie es wäre, die WM ohne ihn bestreiten zu müssen - nein, das wollen wir uns nicht vorstellen. Mit seiner Schnelligkeit, Dribbelstärke, seinem starken Schuss und seiner Ballsicherheit ist er in der Offensive der mit Abstand wichtigste Schweizer. Tolles Tor, durch die Beine des Torhüters - und erst noch mit dem weniger starken, rechten Fuss.

Testspiel gegen Jamaika: Note 4,5

Wenigstens hat der Beobachter stets das Gefühl, irgendetwas Gefährliches könne passieren, wenn er den Ball führt. War schon viel besser als gegen Jamaika. Vor seiner Auswechslung völlig ausgelaugt - man merkt ihm die fehlende Spielpraxis an. Eine Frage: Warum weist er Teamkollegen manchmal schon zurecht, obwohl der Ball noch im Spiel ist? Solche Macken dringend abstellen.

Ausgangslage:

Eigentlich ist nur einer wirklich unverzichtbar in der Schweizer Nati: Shaqiri. Sein Wirbel, seine Schüsse, seine Präsenz, seine Schnelligkeit, seine Flanken, seine Schlitzohrigkeit, wo nur wären wir ohne ihn? Wenn er fehlt, atmet der Gegner auf. Noch ist er verletzt, Alarm!