Einzelkritik
WM-Einzelkritik: Stephan Lichtsteiner

Die Nati-Einzelkritik von Spiel zu Spiel von Verteidiger Stephan Lichtsteiner im Überblick

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Stephan Lichtsteiner an einer Pressekonferenz der Schweizer Nati

Stephan Lichtsteiner an einer Pressekonferenz der Schweizer Nati

Keystone

WM-Achtelfinal gegen Argentinien: Note 4,5

Wenn eine WM so zu Ende geht, ist das nur eines: tragisch. Dann stellt man sich Fragen. Ruft „hätte, wäre, wenn“ in die dunkle Nacht hinaus. Hätte Lichtsteiner doch Palacio einfach umgerissen in dieser 118. Minute! Es wäre doch die beste gelbe Karte der Geschichte gewesen! Wenn er doch nur gewusst hätte, dass Messi auf den Konter lauert! Nein: Hätte, wäre und wenn existieren nicht. Und darum ist diese Szene ein Symbol für Lichtsteiners gesamte WM. Er kann und wird bald wieder viel besser sein. Wir wollen trotzdem nicht vergessen: 117 Minuten lang spielt er defensiv herausragend.

WM-Spiel gegen Honduras: Note 4

Das solideste Spiel von ihm an dieser WM. Ohne gravierende Fehler in der Vorwärtsbewegung. Anfangs mit wohldosiertem Zug nach vorne. Setzt Shaqiri vor dem 1:0 ein. Je länger die Partie dauert aber mit weniger geglückten Offensiv-Aktionen. Priorität hat in dieser Phase aber die Verteidigungsarbeit. Und dabei fällt eben nicht zum ersten Mal auf, dass dem Gegner über die rechte Schweizer Abwehrseite mehr gefährliche Aktionen gelingen.

WM-Spiel gegen Frankreich: Note 2

Um seinen Auftritt zu erklären, reicht eine Szene. Es läuft die 30. Minute, er spielt den Ball ohne Not in die Füsse von Benzema. Es ist der Ballverlust, der am Ursprung des Penaltys steht. Und nicht einmal mit einem Tor bestraft wird. Lichtsteiner ist dieser Tage weit weg von seiner Bestform. Er ist nicht der Lichtsteiner, der das Prädikat „Weltklasse" verdient. Nicht der Lichtsteiner, der mit seinen Sturmläufen für Angst und Schrecken bei den Gegnern sorgt. Im Gegenteil. Er ist jener unkonzentrierte Verteidiger, der wegen seinen Fehlern und Ungenauigkeiten ein Sicherheitsleck ist.

WM-Spiel gegen Ecuador: Note 3

Sein Auftritt lässt einem rätselnd zurück. War das wirklich Stephan Lichtsteiner? Jener Lichtsteiner, der bei Juventus drei Mal in Serie Meister wurde? Der Mal für Mal überragend spielt? Der die Defensive beherrscht und die Offensive befeuert? Nein, das war er nicht. Und wenn es eine positive Erkenntnis gibt, dann jene, dass die Schweiz Lichtsteiners schlechteste Leistung des Turniers mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon gesehen hat. Eine gelbe Karte hat er zwar nicht erhalten - aber die ständige Reklamiererei raubt ihm selbst am meisten Energie. Dann sind dumme Fouls wie jenes gegen Montero vor dem 0:1 die unvermeidbare Folge, weil die Konzentration auf das Wesentliche verloren geht. Die Missverständnisse mit Shaqiri beim Eckball und Behrami mitten auf dem Platz sind beste Beispiele dafür.

Testspiel gegen Peru: Note 5

Eigentlich kann es ihm gar nicht genug nach vorne gehen. Verwandelt sich dann plötzlich sogar zum Mittelstürmer mit erfolgreicher Kopfballtechnik. Verdiente sich sein Tor alleine schon durch seinen unbändigen Willen und Drang, etwas geschehen zu lassen. Interessant: Ohne Shaqiri als Partner auf der Seite ist seine Wirkung klar eingeschränkt.

Testspiel gegen Jamaika: Note 4,5

Auch in einem Testspiel jederzeit motiviert für einen dynamischen Flügellauf. Hat wohl seit längerem nicht mehr gegen einen so inferioren Gegner gespielt.

Ausgangslage:

Natürlich gewinnt Xherdan Shaqiri jedes Jahr viele Titel mit Bayern - aber als Ergänzungsspieler. Der erfolgreichste Schweizer heisst Lichtsteiner. Bei Juve gehört er zu den Leistungsträgern. Gewann soeben den dritten Titel in der Serie A in Folge. Im Verteidiger fliesst auch Stürmerblut.