Einzelkritik
WM-Einzelkritik: Diego Benaglio

Die Einzelkritik von Spiel zu Spiel von Torhüter Diego Benaglio im Überblick

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Diego Benaglio

Diego Benaglio

Keystone

WM-Achtelfinal gegen Argentinien: Note 5,5

Am Ende erleben wir noch Benaglio, den Dribbelkünstler. Ganz vorne am Strafraum. Dort mit ein bisschen weniger Übersicht als auf seiner angestammten Position. Wahrscheinlich hätte er schon mit ein bisschen mehr Arbeit gerechnet. Egal. Zeigt seine beste Parade der WM gegen Messis ansatzlosen Schuss. Als er in der Verlängerung auch noch Di Marias Schuss entschärft, denken wir schon ans Penaltyschiessen und die Helden-Geschichte „Diego lässt Argentinien verzweifeln“. Es ist leider nicht Di Marias letzter Auftritt. Beim Gegentor machtlos.

WM-Spiel gegen Honduras: Note 4,5

Irgendwie bleibt der Eindruck zwiespältig. Vielleicht hat ihn das Spiel gegen Frankreich mehr verunsichert, als es ihm lieb ist. Sein Horror-Pass in der 26. Minute bleibt zum Glück ohne Folgen. Benaglio überzeugt fussballerisch bisher nicht. Ob bei einem Auskick oder einem Abschlag, die Präzision fehlt meistens. Zehn Minuten vor Schluss gelingt ihm eine starke Parade gegen Bengtsons Kopfball aus nächster Nähe. Verleiht sie ihm Sicherheit?

WM-Spiel gegen Frankreich: Note 3,5

Es sind solche Momente, von denen ein Torhüter träumt. Penalty für den Gegner. Die richtige Ecke erahnt. Den Ball gehalten. Der Nachschuss geht unerklärlicherweise auch nicht rein. Dank ihm, dem Torhüter, bekommt das Team die Chance zur Wende. Die Chance, neuen Mut zu schöpfen. Das alles erlebte Benaglio gegen Frankreich. Aber er erlebte auch, wie seine Vorderleute die Chance wegwarfen. Und so bleibt eben auch dieser Eindruck: War nicht zumindest das zweite Gegentor haltbar? Ja, war es.

WM-Spiel gegen Ecuador: Note 4,5

Natürlich ist die Feststellung etwas unfair, aber die Wahrheit ist es trotzdem: Hat im Spiel gegen Ecuador so viele Tore kassiert wie die Schweiz an den vergangenen beiden Weltmeisterschaften zusammen - eines. Musste in der ersten Halbzeit nie ein-, aber einmal hinter sich greifen. In der zweiten Halbzeit waren seine Fähigkeiten dann gefragt. Monteros Schuss wehrte er stark mit den Füssen ab. Der Ausflug und Beinahe-Zusammenstoss mit Djourou war dann eher unnötig - und weckte unschöne Erinnerungen an das Spiel gegen Chile 2010. Wie er dann allerdings Arruyos von Xhaka abgelenkten Freistoss entschärfte, war stark. Wir haben nie daran gezweifelt, trotzdem ist die Feststellung beruhigend: Die Schweiz kann sich auf Benaglio verlassen.

Testspiel gegen Peru: Note 4

Diesmal dauerte die Bewegungstherapie 90 Minuten. Wirklich interessanter ist die Analyse seines Auftritts trotzdem nicht. Wie auch? Musste oder durfte in den 135 absolvierten Testminuten keine einzige Grosschance entschärfen. Seien wir pragmatisch: Wir verlassen uns darauf, dass Benaglio an der WM so hält wie in der WM-Qualifikation. Und so, wie an der letzten WM in Südafrika.

Testspiel gegen Jamaika: Note 4

45 Minuten Bewegungstherapie. Oder «wie-schlafe-ich-nicht-ein-Training». Je nach Blickwinkel. Wenn er etwas zeigen durfte, dann, dass er Flanken jederzeit sicher aus der Luft pflücken kann. Wenig aussagekräftig.

Ausgangslage:

Unsere Torhüter und die WM. Das ist mehr als eine kleine Erfolgsgeschichte. Wir erinnern uns kurz: WM 2006, null Gegentore im ganzen Turnier, wegen den versagenden Penaltyschützen aber trotzdem out im Achtelfinal. WM 2010, ein einziges Gegentor im ganzen Turnier, dummerweise hat das zum 0:1 gegen Chile geführt und dummerweise war das die entscheidende Niederlage. Wieder out im Achtelfinal, wieder ist die starke Torhüterleistung über das ganze Turnier nicht die erste Erinnerung.

Benaglio ist nach dem Umbruch zum Anführer des Teams aufgestiegen - er ist der wahre Captain der Schweiz. Seine Erfahrung und Gelassenheit sind noch wichtiger als die vielen Paraden, dank denen sich die Schweiz souverän für die WM qualifizierte. Muss auch in Brasilien viele Bälle halten.