WM: Der Weltmeister Italien im Tal der Tränen

Weltmeister Italien ist wie der zweite WM-Finalist von 2006, Frankreich, bereits in der Vorrunde sensationell gescheitert. Die Slowakei sicherte sich dafür das Ticket für die Achtelfinals.

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Italiens Absturz – vier Jahre nach dem WM-Triumph
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Italien Fans trauern über das Scheitern der Azzurri
Italia-Fans trauern um das Scheitern der Azzurris
Italia-Fans trauern um das Scheitern der Azzurris
Italien-Fans trauern
Italien-Fans trauern

Italiens Absturz – vier Jahre nach dem WM-Triumph

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Erik Roos, Johannesburg

Als das grösste WM-Desaster in Italiens Fussball-Geschichte perfekt war, verschwand Trainer Marcello Lippi mit hängendem Kopf direkt in die Kabine, die Spieler versanken förmlich in einem Meer von Tränen: Die Squadra Azzurra schied bei der WM in Südafrika nach einem blamablen 2:3 (0:1) gegen die Slowakei als dritter Titelverteidiger nach Brasilien 1966 und Frankreich 2002 bereits in der Gruppenphase aus und wurde damit nach Frankreich zur nächsten Lachnummer.

«Ich übernehme die volle Verantwortung. Offensichtlich habe ich die Mannschaft nicht gut genug trainiert», sagte Lippi nach seinem letzten Spiel als Trainer der Italiener: «Wir müssen nach Hause fahren. Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit. Das ist sehr traurig, sehr bitter. Aber wir müssen das vorzeitige Aus jetzt akzeptieren.»

Der viermalige Champion blieb bei der 17. WM-Teilnahme erstmals ohne Sieg und schied auch noch als Tabellenletzter der Gruppe F aus. Auf Lippi-Nachfolger Cesare Prandelli wartet mit Blick auf die Euro 2012 in Polen und der Ukraine nun reichlich Aufbauarbeit. Verzichten muss der neue Nationaltrainer dabei auf Captain Fabio Cannavaro und Gennaro Gattuso, die bereits vor dem WM-Aus ihren Rücktritt angekündigt hatten.

Die willensstarken Slowaken erreichten als WM-Debütant nach grossem Kampf erstmals den Achtelfinal. «Nach der Geburt meines Sohnes ist das der beste Tag in meinem Leben. Das ist so unglaublich», sagte Slowakeis Trainer Vladimir Weiss. Matchwinner Robert Vittek erklärte: «Das ist unfassbar für die Slowakei. Wir hatten unseren Rückflug von der WM eigentlich für Samstag gebucht. Jetzt müssen wir umbuchen.» Ankaragücü-Stürmer Vittek brachte die Osteuropäer vor 53412 Zuschauern im Ellis Park in Johannesburg mit einem Doppelpack (25./73.) auf die Siegerstrasse. Kamil Kopunek (89.) hatte acht Minuten nach dem zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer durch Antonio Di Natale das 3:1 erzielt. Der zweite Treffer der Italiener durch Fabio Quagliarella (92.) sorgte zwar noch einmal für Spannung, zum Ausgleich reichte es für die Azzurri am Ende aber nicht mehr. Italiens Quagliarella heulte anschliessend wie ein Schlosshund und musste von Cannavaro getröstet werden.

Pechvogel Quagliarella

In der hektischen Schlussphase einer hektischen Partie hatten die Nerven bei beiden Teams zuvor bereits blank gelegen. Nach dem Anschlusstreffer durch Di Natale in der 81. Minute bekam Quagliarella beim Versuch, den Ball aus dem Netz zu holen, die Faust von Slowakeis Keeper Jan Mucha ins Gesicht, Referee Howard Webb zeigte jedoch nur Gelb. «Unglücksrabe» Quagliarella traf zudem in der 85. Minute zum vermeintlichen 2:2, Webb versagte dem Tor aber wegen Abseits zu Recht die Anerkennung.

Das Team des scheidenden Lippi wachte erst nach dem 0:2 durch Vittek richtig auf. Zuvor hatten die Italiener nur fünf starke Minuten, ehe das Unheil bereits frühzeitig seinen Lauf nahm. Der in die Startelf gerückte Di Natale (1.) und Iaquinta (4.) vergaben in einer munteren Anfangsphase die ersten Chancen für Italien. Anschliessend agierte der Titelverteidiger aber 75 Minuten lang genauso schlecht wie beim 1:1 gegen Neuseeland. Dagegen wachte die Slowakei nach schwacher Anfangsphase schnell auf.

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