Sambou Tati wird heute Abend nicht im Stade de France sitzen. «Ich gehe nicht mehr hin, selbst wenn mich Paul wieder einmal einladen würde», sagt Tati.

Am 13. November war er noch hingegangen. An jenem Abend, als vor dem Stadion und anderen Orten in Paris die Bomben explodierten.

«Ich werde mir die Spiele zusammen mit Freunden und einem Bier am Fernsehen anschauen», sagt Tati. «Ich bin sicher, wir werden einen grossartigen Paul erleben, der uns zum Titel führt.»

Zwei Tage vor dem Beginn des EM-Turniers ist Tati im Stade Paul Bessuard auf einer Bank gesessen und hat aus der Zeit erzählt, während der Paul Pogba bei der US Roissy-en-Brie das Fussballspielen erlernt hatte.

Er hat geschildert, wie er weiterhin den Kontakt zum Juventus- und angehenden Weltstar pflegt und von diesem im letzten Frühjahr nach München zum Champions-League-Spiel gegen die Bayern eingeladen worden sei.

«In seine alte Heimat ist Paul aber schon lange nicht mehr gekommen. Es fehlt ihm dafür die Zeit», sagt Tati.

Der Stolz einer Stadt

Die Anfahrt nach Roissy-en-Brie von Paris aus dauert mit dem Zug eine Dreiviertelstunde. Ein Rundgang durch die zum Département Seine-et-Marne gehörende Gemeinde mit 23 000 Einwohnern ergibt das Bild einer gepflegten Kleinstadt mit einem historischen Rathaus und einem schönen Park.

Im Restaurant «Chez Faty» ist alles für die EM vorbereitet, die Flaggen der Teilnehmer schmücken die Bar.

Der Wirt, der einem Gast grosse Würste mit Linsen serviert, sagt: «Wir alle sind sehr stolz auf Paul. Er hat bei uns das Fussballspielen erlernt und wird eine ganz grosse Karriere machen.»

Paul Pogba wurde mit Juventus Turin italienischer Meister

Paul Pogba wurde mit Juventus Turin italienischer Meister

Im Moment zirkulieren die wildesten Gerüchte. Es heisst, Zinedine Zidane wolle seinen Landsmann unbedingt bei Real Madrid sehen. Aber auch Barcelona, die Klubs aus Manchester, die City und die United, sollen um den Mittelfeldspieler buhlen. José Mourinho sei besonders scharf auf den 23-Jährigen, 1,90 Meter grossen Jungstar. Doch ob dieser ins Old Trafford zurückkehren will, nachdem er 2012 vor Alex Ferguson geflüchtet ist?

Drei Jahre zuvor war er von Le Havre kommend in die Akademie der Red Devils eingetreten und hatte den Sprung zu den Profis geschafft. Doch eingesetzt wurde er kaum, in der Premier League nur drei Mal.

Pogba war frustriert und Ferguson auch, weil der Junge zu wenig Geduld hatte. Für einen Klacks von drei Millionen wechselte dieser dann vor vier Jahren zu Juventus und wurde mit den Bianconeri viermal Meister. «Wir fragten uns, ob Manchester blind sei», sagte Juve-Goalie Gianluigi Buffon.

Roissy-en Brie, hier kommt Paul Pogba her

Zweifel an Pogbas Qualitäten hat ausser Ferguson bisher niemand gehabt. Im Nationalteam ist er unter Didier Deschamps zum wichtigsten Spieler geworden.

«Er ist der Mittelfeldspieler der Zukunft. Sein Talent ist der Wahnsinn. Ich kann mir gut vorstellen, dass er mal den Ballon d’Or gewinnen wird», sagte sein Schweizer Teamkollege bei Juve, Stephan Lichtsteiner.

Pogbas Berater Mino Raiola sagt, wenn er sehe, dass Real Madrid für Bale 97 Millionen Euro bezahlt habe, dann sei Paul 200 Millionen wert. Letztlich wird er für 80 bis 100 Millionen wechseln.

Sambou Tati sagt: «Das wäre für uns ein Sechser im Lotto.» Bisher hat die US Roissy-en-Brie finanziell an den Transfers von Pogba, zuerst zu Torcy, dann zu Le Havre, ManUnited und schliesslich zu Juve, durch Ausbildungsentschädigungen nur marginal profitiert.

«Wir erhielten 18 000 Euro. Das entspricht etwa unserem Budget», lacht der 44-jährige Tati, der auf der Gemeinde einen Bürojob bekleidet und seit 14 Jahren Präsident des Vereins ist.

«Bei einem grossen Wechsel könnten für uns aber 300 000 Euro herausspringen.» Tati schlägt die Hände vors Gesicht.

Fussballtraining in Roissy-en Brie: Ihr grosses Vorbild ist Paul Pogba

Fussballtraining in Roissy-en Brie: Ihr grosses Vorbild ist Paul Pogba

Auch die beiden älteren Brüder von Pogba haben hier angefangen. Heute spielt Florentin für Saint- Etienne, Mathias in Schottland für Partick Thistle. Beide treten für Guinea an, das Heimatland der Eltern. Paul war vor fünf Jahren zum ersten Mal dort. «Seither werfe ich kein Essen mehr weg und rege mich nicht mehr über Kleinigkeiten auf», hat er in einem Interview gesagt.

Neben den Pogbas stammt auch Nicolas Isimat-Mirin, eben mit Eindhoven Meister geworden, aus dem Nachwuchs der US Roissy-en-Brie. «Und zwei Junioren sind vom PSG aufgenommen worden», sagt Tati stolz.

Den Ball nie abgegeben

Er erinnert sich, dass Paul Pogba eigentlich ein pflegeleichter Junge war, den Ball aber nie abgespielt habe.

«Doch er hat schon damals die Differenz ausgemacht. Wenn ihm oder den Kollegen etwas misslang, konnte er fürchterlich wütend werden», sagt Tati.

«Das Kopfballspiel hat er nie gemocht, er wollte immer nur dribbeln.» Sechs Jahre lang ist Pogba hier gewesen; solange wie noch bei keinem Klub bisher.

«Wir haben etwa 500 Junioren und hervorragende Trainer», sagt Tati. Die erste Mannschaft spiele in den unteren Ligen des Amateurfussballs keine grosse Rolle, sagt Tati.

«Wir konzentrieren uns ganz auf den Nachwuchs.» Dieser ist den ganzen Nachmittag über in der Grösse einer Hundertschaft über die Plätze gewieselt.

Jetzt aber ist das Training der Kleinen beendet, die Grossen warten, und der sechsjährige Yves ist auf dem Weg in die Kabine. «Ob ich Pogba kenne?» Was für eine Frage. «Er ist doch das Idol von uns allen hier!»

Das grosse Quiz zur Euro 2016

Vom 10. Juni bis 10. Juli findet in Frankreich die Fussball-EM statt und Europameister wird natürlich die Schweiz. Aber nur, wenn Sie alle Fragen richtig beantworten.

Zum Aufwärmen: Wer startet als Titelverteidiger in das Turnier?

Die Schweiz natürlich. Wer sonst?

HOLLAND! Aber Moment, sind die überhaupt dabei?

Die, die schon 2012 als Titelverteidiger starteten: Spanien.

Sommermärchen: Es ist Deutschland!

Apropos Holland: Es fehlen noch zwei weitere ehemalige Europameister in diesem Jahr. Welche?

Ich weiss es: Deutschland und Griechenland!

Griechenland stimmt. Aber es fehlt auch Dänemark.

Das ist einfach: Lichtenstein und San Marino!

Es fehlt nur Holland. Ohne Holland, fahren wir zur EM!

Die Schweiz ist 2016 dabei. Die wievielte Endrunden-Teilnahme ist es?

Wir waren immer dabei!

Hauptsache mehr als Österreich: Die sind zum zweiten Mal dabei. Wir zum dritten Mal!

2008 waren wir wie Österreich Gastgeber. Also ist es auch die zweite Teilnahme!

Nein, nein, nein: Es ist die vierte Teilnahme!

Der Schweizer Johan Vonlanthen hält einen EM-Rekord. Welchen?

Er ist jüngster Torschütze der EM-Geschichte!

Wer ist Johan Vonlanthen?

Das ist doch der Rot-Sünder, der 2004 bereits nach einer Minute vom Platz flog.

Er war öfter an einer EM als jeder andere Spieler.

Zwischenfrage: Wie heisst das Maskottchen der Euro 2016?

Das kleine Männchen heisst Sarkozy!

Nein, nein: Goalix heisst der Glückliche!

Super einfach: Es ist SUPER VICTOR!

Das ist eine Fangfrage: Es gibt kein Maskottchen.

Zurück zum Fussball: Es nehmen so viele Teams wie noch nie an dieser EM teil. Wie viele?

Schweiz, Österreich, Italien, Spanien... Ach was, ich schätze: 18!

16 wie schon vor vier Jahren.

Es sind 42, ganz sicher sind es 42. Das habe ich gelesen.

Nicht übertreiben. Die Rekord-Teilnehmerzahl lautet 24.

Haben Sie das Bild der letzten Frage genau angeschaut? Dann wissen Sie die Antwort: Welches sind die Gruppen-Gegner der Schweiz?

Dieses Quiz hat Bilder?

Das weiss ich auch so: Albanien, Rumänien und Frankreich!

Die Gegner werden erst noch ausgelost.

Holland... Ah nein, die sind ja nicht dabei! Also: Frankreich, Spanien und Deutschland!

Dieses wunderbare Tor wurde im EM-Final 1988 geschossen. Von wem?

Dieses Tor hätte ich auch gemacht: Ich wars!

Orange Trikots? Holland? Dann ist es Arjen Robben!

Endlich kommt Holland gut weg: Es ist Marco van Basten!

Spielte Messi dann schon? Das kann nur Messi!

Michel Platini hält mit 9 Toren den EM-Rekord. Welche Spieler haben 2016 die besten Chancen, den Rekord zu brechen?

Ibrahimović, wer sonst! Okay: Ronaldo kann es auch...

Das können nur Messi und Ronaldo!

Messi ist ja gar nicht dabei: Es sind Drmic und Seferovic!

Es sind sicher zwei Spanier. Wie heissen die schon wieder?

Platini schoss 9 Tore in einem Turnier. Wie viele Tore erzielten die Schweizer bei drei EM-Endrunden insgesamt?

Wir hatten schon immer ein Stürmerproblem: Es sind null!

Hallo?!? Türkyilmaz, Frei, Streller: Wir haben mindestens 15!

Noch sind es erst 11. Aber 2016 kommt ja erst!

Leider besiegt uns Platini im Alleingang: Es sind erst 5 Tore.

Jetzt wird es schwierig: Tor oder nicht Tor?

Spaniens Iker Casillas hält den Ball.

Alves haut den Ball ins Lattenkreuz!

Falsch: Alves haut den Ball AN die Latte!

Der Ball geht an die Unterkante der Latte und rein.

Italien wurde 1968 Europameister. Durch zwei Kuriositäten. Welche?

Den Halbfinal gewannen sie nach Münzwurf. Den Final im Wiederholungsspiel!

Ach was: In der Pause gab es Pasta und nach Spielschluss Rotwein.

Italien war Europameister?

Es war ganz anders: Italien spielte ohne Goalie und ohne Schienbeinschoner.

Und noch eine Kuriosität: Warum waren 1996 schottische Fans sauer auf Schweizer Fans?

Sie verloren beim gemeinsamen Fondue-Essen immer das Brot.

Die Schweizer Fans durften mit Kuhglocken ins Stadion. Dudelsäcke waren aber nicht erlaubt.

Die Schweizer schauten ihnen unter den Schottenrock!

Alles ist richtig!

Letzte Frage: Wie viele Fragen haben Sie richtig beantwortet?

Ich habe alles gewusst!

Ich habe nichts gewusst!

Ich habe mich freiwillig verklickt, damit die Schweiz nicht Europameister wird!

Jetzt weiss ich alles!

Europameister der Herzen

Sie sind an der EM der krasse Aussenseiter. Doch gerade dafür lieben Sie die Fans.

Velofan

Ja, die Tour de France findet ebenfalls im Juli statt. Dort schauen Sie zu.

Verlängerung

Zum Sieg nach 90 Minuten reicht es nicht. In der Verlängerung ist aber bei Ihnen noch alles möglich.

Penaltyschiessen

Den entscheidenden Penalty schiessen Sie an die Latte. Schade, denn das Spiel war gut.

Europameister

Wenn es der Schweiz nicht für den EM-Titel reicht, springen Sie ein und holen den Pokal!

Das grosse Quiz zur Euro 2016