Europa League
«Wir haben bewiesen, dass wir in England Tore schiessen können»

Der FCB versucht heute bei Chelsea, doch noch den Europa-League-Final zu erreichen. Trotz der eher schlechten Ausgangslage sind die Spieler zuversichtlich. Captain Streller bringt es auf den Punkt: «Wir brauchen eine überragende Leistung und viel Glück.»

Sebastian Wendel, London
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Cabral und Salah witzeln beim Abflug am Basler Flughafen
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Sauro und Vailati vor dem Abflug
Fabian Schär steht nach der Landung in London-Luton im Interview Red und Antwort
Der fürs Rückspiel gesperrte Verteidiger Dragovic am Londoner Flughafen
Die FCB-Spieler sind in London angekommen

Cabral und Salah witzeln beim Abflug am Basler Flughafen

Keystone

«Ich bin zuversichtlich.» Marco Streller sagt den Satz im Bezug auf seinen Gesundheitszustand, lässt ihn aber auch gelten, wenn es um die Chancen auf die Finalqualifikation geht.

Dass der Captain seine muskulären Beschwerden im Oberschenkel weitgehend auskuriert hat und für das Rückspiel im Europa-League-Halbfinal «mindestens hellgrünes Licht» gibt, steigert die Zuversicht der ganzen Mannschaft. Ohne Streller verlor der FCB am vergangenen Sonntag sang- und klanglos gegen Luzern, der 32-Jährige fehlte an allen Ecken und Enden. «Das Pressing, das uns in letzter Zeit so stark gemacht hat, hat mir gegen Luzern überhaupt nicht gefallen», sagt Trainer Murat Yakin. Streller gebe jeweils das Signal, den Gegner zu attackieren.

Pressing wird betrieben mit dem Ziel, in Ballbesitz zu kommen. Und das ist, was Basel heute Abend im Stadion Stamford Bridge braucht. Zwei Tore muss der FCB erzielen, um nach der 1:2-Niederlage im Heimspiel eine Chance auf den Final am 15. Mai in Amsterdam zu haben. «Wir haben bewiesen, dass wir in England Tore schiessen können», sagt Streller. Am 1. April resultierte im Viertelfinal-Hinspiel bei Tottenham ein 2:2, im Herbst 2011 in der Champions League ein 3:3 bei Manchester United. Zu den selber erzielten Toren braucht es heute auch das passende Ergebnis, denn gewonnen hat Basel auf der Insel noch nie.

Köpfe und Beine sind bereit

So brutal die Niederlage im Hinspiel zustande kam - Chelseas David Luiz erzielte das 2:1 mit der letzten Aktion des Spiels mittels eines streng gepfiffenen Freistosses -, Streller sieht in ihr die Chance für sein Team. «Ich bin sicher, einige Spieler von Chelsea werden uns jetzt nicht mehr so ernst nehmen», sagt er. Die Londoner tragen in der Meisterschaft mit den Stadtrivalen Tottenham und Arsenal einen Dreikampf um Platz 3 aus, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt. «Das ist ihre Priorität, die Europa League reine Zugabe.» Was Chelsea-Trainer Rafael Benitez an der gestrigen Pressekonferenz dann auch bestätigt.

Zudem, so Streller, spüre er innerhalb der Mannschaft den Willen, die Sensation zu schaffen. «Nach dem Ausgleich im Hinspiel haben wir mit aller Kraft den Siegtreffer gesucht, das sagt alles über unsere Ambitionen.»

Keine Frage, ein Halbfinalist will in die Schlussrunde. Auch der FC Basel. Realismus und vor allem Vorsicht sind dennoch angebracht, um eine Schmach wie das 0:7 vor einem Jahr in München zu verhindern. «Ganz sicher nicht», antwortet Mittelfeldspieler Fabian Frei auf die Frage, ob sich eine solche Ohrfeige wiederholen könne. «Dafür sind wir zu gefestigt.» Das 0:3 gegen Luzern sei ein einmaliger Ausrutscher gewesen, Köpfe und Beine wieder bereit. «Wir ziehen das durch, auch wenn uns die nächsten Wochen alles abverlangen.»

«Lassen wir uns überraschen»

Am Dienstag begab sich die Mannschaft auf eine Velotour quer durch Basel. In erster Linie zur Regeneration, zudem sollte der Teamgeist gefördert werden. Seit Wochen sehen sich die Spieler praktisch täglich, ein Ausbrechen aus dem Alltag auf dem Fussballplatz ist da eine willkommene Abwechslung. «Nach zehn Monaten in drei Wettbewerben ist die Müdigkeit logisch, wir dürfen sie uns nur nicht einreden», sagt Streller. Ob Murat Yakin auf dem Velosattel den entscheidenden Einfall für das heutige Spiel hatte, ist nicht überliefert.

Er tönte zwar ein, zwei Überraschungen für die Startformationen an; so könnten Voser für Park und Diaz für Serey Die auflaufen. Ein Erfolg garantierender Masterplan, der das Duell doch noch zugunsten des FC Basel ausgehen lässt, ist auch für Yakin Utopie. «Der Fussball hat schon viele unglaubliche Geschichten geschrieben, lassen wir uns überraschen.»

Was braucht es, um das schier Unmögliche möglich zu machen? Streller antwortet schnell: «Eine überragende Leistung, einen überragenden Yann Sommer und viel, viel Glück.»

Verfolgen Sie das Spiel (Anpfiff: 21.05 Uhr) Minute um Minute in unserem Liveticker.

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