In der Saison 1983/84 ist der ruhmreiche Bundesligist 1. FC Nürnberg in die zweite Liga abgestiegen. Der im Winter vollzogene Trainerwechsel hatte auch nicht mehr geholfen. Heinz Höher, der neue Mann, hatte den freien Fall nicht mehr bremsen können.

Heinz Höher.

Heinz Höher.

Doch die Vereinsführung mit Präsident Gerd Schmelzer hielt am Trainer fest. Sie gab ihm sogar einen neuen Zweijahresvertrag mit dem Auftrag, sofort aufzusteigen.

Doch es läuft überhaupt nicht gut in der neuen Saison. Als Nürnberg nach einem grottenschlechten 1:1 gegen Oberhausen vor nur noch 7800 Zuschauern Ende Oktober angeschlagen im Tabellenmittelfeld liegt, setzt Höher auf 07.00 Uhr am nächsten Morgen ein Straftraining an. Das lassen sich die Spieler allerdings nicht gefallen.

Offener Brief gegen den Trainer

Sie kreuzen beim Präsidenten auf und erklären, dass sie mit Höher nicht weitermachen wollen. Schmelzer, erst 33-jährig, schmettert sie aber ab: «Hier wird nicht diskutiert. Geht nach Hause.» 

Die Spieler setzen einen Offenen Brief an die Nürnberger Tageszeitungen auf und lassen kein gutes Haar an den Trainingsmethoden des Fussballlehrers. Unter anderem sei im Sommer das Konditionstraining vernachlässigt worden.

Und: Durch seine Verschlossenheit habe der Trainer den Kontakt zur Mannschaft verloren. Sie verspotten Höher, sagen ironisch «Der Erfolg gibt ihm recht.» Am nächsten Tag erscheinen nur noch fünf jugendliche Spieler zum Training. Diese Bilder gehen um die Welt.

«Hausverbot» für aufmüpfige Spieler

Die Revoluzzer aber haben die Rechnung ohne die Klubleitung gemacht. Schmelzer entscheidet sich, dass nicht Höher gehen muss, sondern die sechs Profis Rudi Kargus, Udo Horsmann, Horst Weyerich, Stefan Lottermann, Detlev Krella und Manfred Walz. Die sechs Rädelsführer wurden entlassen und mit einem «Hausverbot» belegt. Der 1. FC Nürnberg schlug den Aufstand mit aller Härte nieder.

Der Vorstand hatte somit völlig anders gehandelt, als üblich in der Branche. Das Motto: Wenn der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht, geben wir ihm eine neue. Ein paar Tage später tritt eine blutjunge Nürnberger Mannschaft (Durchschnittsalter 20,4 Jahre) gegen Alemannia Aachen an.

Ergänzt durch Nachwuchs- und Amateurspieler verliert sie zwar 1:2, gefällt aber mit ihrem unbändigen Einsatz. Der Tag geht als die Geburtsstunde des neuen 1. FCN ein. Höhers Fohlen mit Stefan Reuter, Hansi Dorfner und Dieter Eckstein schaffen nach einer unglaublichen Rückrunde noch den Aufstieg.

Es ist das einzige Mal, dass ein Klub bei einem Konflikt nicht den Trainer entliess, sondern die halbe Mannschaft. Schmelzer sagt: «Es war keine Entscheidung pro Höher. Aber wir konnten uns doch von Spielern nicht diktieren lassen, was wir zu tun haben.»