Das Dresdner «Glücksgas-Stadion» sorgt in Deutschland für rote Köpfe (az berichtete). Nun muss sich Dynamo Dresden neben dem Vorwurf der rechtsextremen Szene zu nahe zu stehen mit einem ganz anderen Problem herumschlagen. So feilscht der ehemalige Polizeisportverein seit Errichtung und Einweihung des modernen Stadions mit der Landeshauptstadt Dresden um die Höhe des zu bezahlenden Mietzinses.

Um was geht es? 2004 macht der heutige Drittligist die Landeshauptstadt Dresden erstmals darauf aufmerksam, dass das «Rudolf-Harbig-Stadion» längst nicht mehr den modernsten Sicherheitsstandards des Deutschen Fussballbundes (DFB) entspricht und bittet die Politik, den Bau eines neuen Stadions einzuleiten. Als die politischen Entscheidungsträger von dieser Idee zunächst nichts wissen wollen, erhöhen der Verein und dessen Fankreise den Druck auf die Landeshauptstadt.

Dynamo wollte nach Leipzig ziehen

Dynamo Dresden droht am Ende gar damit, der Stadt den Rücken zu kehren und ins moderne Zentralstadion nach Leipzig umzuziehen. «Im Zuge des politischen Opportunismus wurde dann entschieden, das Stadion zu bauen, obwohl sich die Stadt das angesichts riesigen Investitions- und Sanierungsstaus bei Schulen und Kindergärten eigentlich gar nicht hätte leisten können», sagt Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann der Landeshauptstadt Dresden im exklusiven Gespräch mit der az.

Daraufhin wurde während den Bauarbeiten in der Saison 2008/09 nach zähen Verhandlungen zwischen Dynamo Dresden und dem Stadionbetreiber ein Mietvertrag abgeschlossen. Dieser sieht vor, dass der Klub als Hauptmieter der Stadt laut aktuellem Umrechnungskurs jährlich 3,25 Millionen Franken bezahlen muss. «Das ist ein Skandal», sagt Dynamo-Sprecher Enrico Bach zur az. Schliesslich bezahle ein Drittligist für sein Stadion im Schnitt lediglich gegen 200'000 Franken an Miete. «Nur ein Vergleich: Hertha BSC Berlin zahlt in der zweiten Bundesliga für das Olympiastadion mit 76000 Plätzen 3,4 Millionen Franken», sagt Bach. Bei einem Budget von 12 Millionen Franken sei die Miete von 3,25 Millionen Franken inakzeptabel.

Dynamo drohte Lizenzentzug

Weshalb hat der Klub den Vertrag dann überhaupt unterzeichnet? Dies habe sich laut Bach aus einer Notsituation so ergeben. 2008/09 stand die Lizenzvergabe an die Drittligisten an. Dabei musste dem Deutschen Fussballbund (DFB) neben der Wirtschaftlichkeit auch eine Spielstätte nachgewiesen werden. «Da die Verhandlungen noch liefen, hätten wir ohne Unterschrift keine Heimat gehabt und somit keine Lizenz erhalten».

Der Finanzbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden kann den Ärger des Vereins nicht nachvollziehen: «Wer soll die Miete für dieses moderne Stadion sonst übernehmen? Der Steuerzahler?» Ausserdem befänden sich Dynamo Dresden und die Landeshauptstadt am Verhandlungstisch. Dabei werde über eine Mietzinsreduktion debattiert.

Landeshauptstadt rät Zürich ruhig zu bleiben

Die Differenzen zwischen Dynamo Dresden und der Stadt erinnern an die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Grasshoppers und der Stadt Zürich in der Schweiz. Der 27-fache Schweizer Meister ist nicht mehr bereit die Miete in Höhe von zwei Millionen Franken für die Benutzung des Letzigrund-Stadions weiter an die Stadt zu bezahlen. Die Folge: Die Vereinsführung hat den Mietvertrag mit Zürich gekündigt und verhandelt über eine Mietzinsreduktion.

Als die az den Dresdner Finanzbürgermeister mit den Parallelen konfrontiert reagiert dieser mit einer Empfehlung an seine Kollegen der Stadt Zürich. «Die Verantwortlichen müssen cool bleiben. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Verein seine Heimat verlässt und woanders spielen wird». Schliesslich würde sich der Verein laut Vorjohann damit selbst schaden. «Es kämen weniger Zuschauer zu den Spielen».