Nations League
Wie die Beziehung zu Trump: Die neue Nations League tönt kompliziert – ist aber durchaus spannend

Die frisch geschlüpfte Nations League erinnert ein bisschen an die Beziehung von Donald Trump zum Rest der Welt: eher kompliziert. Wie aber funktioniert diese neuste Neuerung der Uefa und was hat sie für Folgen für die Schweiz? Wir liefern Fragen, Antworten und Interpretationen.

Etienne Wuillemin
Merken
Drucken
Teilen
Die neue Nations League tönt kompliziert – ist aber durchaus ein spannendes Turnier. Die Schweiz trifft auf Belgien und Island.

Die neue Nations League tönt kompliziert – ist aber durchaus ein spannendes Turnier. Die Schweiz trifft auf Belgien und Island.

KEYSTONE/PPR/NICK SOLAND

1. Nations League – was muss ich über diesen Begriff wissen?

Zunächst einmal: Die Nations League ist ein Fussball-Länder-Wettbewerb. Ziel ist es, die verhassten Testspiele zu ersetzen mit einem Turnier, in dem es sportlich um etwas geht – via die Nations League werden fortan vier EM-Startplätze vergeben.

2. Wo spielt die Schweiz?

Die 55 Fussball-Länder Europas wurden aufgrund der Fifa-Weltrangliste eingeteilt in vier Klassen A bis D. Die Schweiz gehört in die beste Klasse. Sie wurde in die Gruppe A2 gelost, mit Belgien und Island.

Das bedeutet: Zwischen September und November 2018 bestreitet das Team von Vladimir Petkovic je ein Heim- und Auswärtsspiel gegen die beiden Kontrahenten. Der Gruppenletzte steigt in die Division B ab. Der Gruppensieger bestreitet im Juni 2019 das Finalturnier mit den anderen Gruppensiegern.

Die Schweiz trifft auf Belgien und Island, derweil können kleine Fussball-Länder plötzlich auf die EM-Teilnahme hoffen.

Die Schweiz trifft auf Belgien und Island, derweil können kleine Fussball-Länder plötzlich auf die EM-Teilnahme hoffen.

NCH/MTA

3. Ist der Sieger der Nations League direkt für die EM qualifiziert?

Hier wird es ein erstes Mal kompliziert. Die Antwort lautet: Nein! Der Nations-League-Sieger erhält Ruhm und Ehre (und etwas Geld). Aber noch keinen garantierten EM-Startplatz.

4. Wie muss sich die Schweiz für die EM 2020 qualifizieren?

Am besten über den «normalen» Weg. Es wird eine EM-Qualifikation geben mit zehn Gruppen (Auslosung am 2. Dezember 2018). Die Spiele finden zwischen März und November 2019 statt. Die Gruppenersten und Gruppenzweiten nehmen an der EM teil.

5. Was ist der Vorteil der Nations League für «Fussball-Zwerge»

Die letzten vier EM-Startplätze werden via Nations League vergeben. Jede Klasse hat dabei einen garantierten Teilnehmer. Das bedeutet: Die Gruppensieger der Klassen B, C und D bestreiten ein «Final 4» (Halbfinal + Final, nur je ein Spiel), der Sieger darf an die EM. Heisst: Eine der 16 schlechtesten Mannschaften Europas wird an die EM reisen.

6. Gibt es auch in der Klasse A ein «Final 4» um einen letzten EM-Startplatz?

Hier wird es ein zweites Mal kompliziert. Falls es aus der Klasse A Mannschaften gibt, die über den «normalen» Weg noch nicht qualifiziert sind (wir denken spontan an Holland), bestreiten diese ebenfalls ein «Final 4». Wenn es weniger als vier noch nicht qualifizierte Mannschaften aus der Klasse A gibt, dann dürfen die nächstbestklassierten Teams aus der Klasse B nachrutschen und dieses «Final 4» bestreiten.

7. Die Schweiz spielt gegen Belgien und Island – was ist von diesem Los zu halten?

Ein bisschen Losglück war schon dabei. Sowohl Belgien wie auch Island waren nicht die stärksten möglichen Kontrahenten. Der Gruppensieg darf Ziel sein. Mindestens aber sollte der Abstieg zu verhindern sein. Es hätten auch Partien gegen Deutschland und Holland werden können – was zwar zweifellos eine attraktivere, vor allem aber auch eine schwierige Ausgangslage bedeutet hätte.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic ist zufrieden mit der Auslosung. Er sagt: «Die Schweiz ist mit zwei interessanten Gegnern in einer interessanten Gruppe. Mein erster Eindruck stimmt mich zuversichtlich, dass wir mit Belgien und Island werden mithalten können. Wir möchten den ersten Platz anstreben.»

8. Wann geht die Nations League für die Schweiz los?

Gestern Abend veröffentlichte die Uefa die Spielpläne. Die Schweiz beginnt Anfang September mit einem Heimspiel gegen Island.

Hier die Partien im Detail:

Sa 8. 9. Schweiz - Island 18.00

Di 11. 9. Island - Belgien 20.45

Fr 12. 10. Belgien - Schweiz 20.45

Mo 15. 10. Island - Schweiz 20.45

Do 15. 11. Belgien - Island 20.45

So 18. 11. Schweiz - Belgien 20.45

9. Wie haben sich die hochgelobten Belgier entwickelt seit der enttäuschenden EM 2016?

Sehr gut. Nach dem Aus im EM-Viertelfinal gegen Wales wechselte Belgien den Trainer. Roberto Martinez folgte auf Marc Wilmots. Das blieb nicht ohne Wirkung. Belgien schloss die WM-Qualifikation im vergangenen Herbst als bestes Team in Europa hinter Deutschland ab, mit neun Siegen und einem Unentschieden bei 43:6 Toren.

Die goldene Generation um Hazard, De Bruyne und Lukaku schürt erneut grosse Hoffnungen. An der WM im kommenden Sommer lockt die nächste Chance auf den ersehnten Exploit. Den Beweis, im entscheidenden Moment die beste Leistung abrufen zu können, muss Belgien allerdings noch liefern.

10. Ist Island mehr als eine One-Hit-Wonder-Truppe?

An der EM in Frankreich verzückte Island ganz Fussball-Europa. Der Sieg im Achtelfinal über England fand grosse Beachtung. Das imposante «Hu!» der Fans auf der Tribüne bescherte den Nordländern zusätzliche Sympathiepunkte. Der Erfolg hat seither nicht abgerissen.

In der WM-Qualifikation belegte Island vor Kroatien, der Ukraine und der Türkei Platz 1. Die Schweizer Erinnerungen an Island sind frisch. In der Quali zur WM 2014 gewann die Nati unter Ottmar Hitzfeld in Reykjavík 2:0. Das Rückspiel in Bern endete nach einem begeisternden Fussballabend 4:4.