Ausgangslage: Die Situation des Grasshopper-Clubs ist ungewohnt – er ist nach der ersten Hälfte der Saison Tabellenletzter. Der meistbetitelte Schweizer Klub, der 27-mal die Meisterschaft und 18-mal den Cup gewonnen hat, steckt zudem nicht nur sportlich in einer schwierigen Lage. Auch wenn GC ein Budget von rund 16 Millionen Franken zur Verfügung hat, macht CEO Urs Linsi ein strukturelles Defizit von rund 5 Millionen Franken jährlich zu schaffen. Nun will Linsi die Finanzen für die kommenden drei Jahre bereits in diesem Frühling vor der nächsten Lizenzeingabe bereitstellen.

Geht GC nach Aarau?

Dazu muss er sparen, zum Beispiel bei der Stadionmiete. Deshalb hat er den Vertrag mit der Stadt für das Gastrecht im Letzigrund auf Ende Saison gekündigt. Linsi handelt einen Neuen aus und sieht Aarau und Emmenbrücke als Alternativen – auch wenn diese bezüglich Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit fragwürdig erscheinen.

Es gibt aber Lichtblicke: Die Gespräche mit der Stadt scheinen immerhin auf gutem Weg zu sein, ebenso die Suche nach neuen Geldgebern. Und auch die sportliche Lage ist nicht hoffnungslos. Das Schlusslicht GC ist nur zwei Punkte vom Barrageplatz und drei vom rettenden 8. Rang entfernt. Am Sonntag bietet sich gegen den FC St. Gallen die Chance, die rote Laterne in der Ostschweiz liegen zu lassen.

Die Achillesferse

Durch die schwierige finanzielle Lage war GC gezwungen, auf junge Spieler zu setzen. Wie sich diese im Kampf um den Ligaerhalt verhalten werden, ist ein grosses Fragezeichen. Die fehlende Erfahrung hat sich in der Vorrunde besonders im Abschluss offenbart. In den ersten 18 Spielen produzierte die GC-Offensive trotz guter Spielanlage erst 19 Treffer – schlechter war nur St. Gallen mit 18 Toren. Noch nicht ganz gebannt ist in Niederhasli das Verletzungspech. Sechs Leistungsträger fehlten dem Trainer Ciriaco Sforza fast während der ganzen Vorrunde. Ricardo Cabanas und Kay Voser sind noch nicht zurückgekehrt und neu ist auch Mittelfeld-Motor, Veroljub Salatic, angeschlagen.

Das Ass im Ärmel

Die Gegner werden auf ein anderes GC als in der Vorrunde stossen. Die Zürcher treten voraussichtlich mit einer neuen alten Achse auf: Abwehrchef Boris Smiljanic wird mit seiner Physis und Erfahrung die Defensive verstärken, im Mittelfeld bringt Davide Callà mehr Qualität ins Spiel und Talent Vincenzo Rennella könnte im Sturm die nötige Abgebrühtheit mitbringen – könnte. Denn fraglich bleibt, ob diese drei Rückkehrer nach ihren langwierigen Verletzungen schnell zu ihren gewohnten Leistungen zurück- finden. Ein Plus des GC bleibt der Trainer Ciriaco Sforza. Der ehemalige Weltklassespieler ist nicht nur kompetent, sondern besitzt auch die nötige Ruhe.

Die Transferbilanz

Transferbilanz: Was die Grasshoppers auf dem Wintermarkt erstanden haben, ist schwer zu beurteilen. Es könnte sich genauso um Glücksgriffe, wie um Flops handeln. Auf Leihbasis kamen die überzähligen Mittelfeldspieler des FCZ, Milan Gajic und Andres Vasquez, zum Stadtrivalen. Der 20-jährige Vullnet Basha kehrt nach der Ausleihung an Lausanne zu GC zurück. Der Aufbauer war im letzten Herbst aber verletzt. Und auch die neuste Verstärkung muss sich erst noch als solche erweisen: Der 36-jährige liechtensteinische Stürmer Mario Frick hat zwar viel Erfahrung aus der Serie A, erzielte aber in 41 Ligaspielen für den St.Gallen in den letzten anderthalb Jahren nur fünf Treffer.

Die Prognose

Die Grasshoppers haben grundsätzlich das Potenzial, um den Ligaerhalt zu erreichen. Das haben sie bereits in der letzten Partie der Vorrunde bewiesen, als sie den Doublesieger und Titelanwärter FC Basel mit einer starken Vorstellung 2:1 geschlagen haben. Sind die Teamstützen wieder voll einsatzfähig und im Rhythmus, dürfte sich GC vor St. Gallen – aber auch vor Xamax oder Bellinzona – klassieren.