Fussball

Wie aus Heinz Barmettler Heinz Veloz wurde

Zufrieden in der Karibik: Heinz Veloz.

Zufrieden in der Karibik: Heinz Veloz.

Heinz Veloz spielt beim FC Cibao in der neu gegründeten dominikanischen Profiliga und ist Captain des Nationalteams. Er will dabei helfen die Popularität des Fussballs in der Karibik zu steigern.

Es ist nicht so, dass ihm sein Nachname nicht mehr gefallen hätte. Oder er mit der Vergangenheit nichts mehr zu tun haben wollte und sich deshalb nun anders nennt. Nein, aus Heinz Barmettler ist einzig deswegen Heinz Veloz geworden, weil sich die spanische Zunge so schwergetan hat mit dem Schweizer Namen. Und vor zwei Jahren bei Valladolid die Idee entstand, hinten aufs Leibchen Veloz zu schreiben, den Namen seiner dominikanischen Mutter.

Und so wird er auch jetzt der Einfachheit halber in der Dominikanischen Republik genannt. Zwar meldet Veloz aus der Karibik schönes Wetter und hohe Temperaturen, doch nicht deswegen ist er ins Ferienparadies gezogen. Dort, wo es Touristen rasch zu heiss wird, wenn sie am Strand auch nur ein paar Minuten kicken, übt Veloz diese Tätigkeit berufshalber aus.

«Wir spielen jeweils um 16 Uhr, da kann es brutal werden», sagt der 27-Jährige. Zumal in Heimspielen, wenn sich der Kunstrasen so richtig erhitzt. Andrerseits ist der Plastikbelag wenigstens eben und nicht so holprig wie oft bei Auswärtspartien, wenn in Baseballstadien gespielt wird.

Die neu gegründete Liga, die Liga Dominicana de Fútbol, ist ja noch nicht einmal eine Saison alt und man muss ihr und den Klubs noch Zeit geben, damit aus ihr eine Attraktion und vielleicht dereinst einmal eine Konkurrenz zum Baseball, der Sportart Nummer 1, wird. «Die Dominikanische Republik zählt zu den besten Teams der Welt», sagt Veloz, «das wird noch Jahre dauern, bis der Fussball auf Augenhöhe ist.» Voraussetzungen dafür wären Erfolge. Siege auf internationaler Ebene. Doch in dieser Beziehung harzt es bedenklich.

Drei Trainer in sechs Monaten

Ein paar Wochen erst sind es her, seit die Nationalmannschaft in der zweiten Runde der WM-Qualifikation für Russland 2018 kläglich scheiterte. Als die Nummer 116 der Fifa-Weltrangliste gegen Belize, die Nummer 155, sowohl das Heimspiel wie auch die Auswärtspartie verlor. «Das war eine herbe Enttäuschung», sagt Veloz, der verletzungsbedingt nur zugeschaute.

«Wir haben innert sechs Monaten drei Trainer gehabt und in der Organisation und Professionalität rund ums Nationalteam liegt vieles im Argen», sagt Veloz, Captain des Teams mit 15 Länderspielen. In einem offenen Brief an die Medien wiesen die Spieler im Dezember auf die Probleme hin. «Es wird zu wenig in den Fussball investiert, wir erwarten mehr», sagt Veloz. Er denkt, dass das Länderteam in nächster Zeit keine Spiele mehr austrägt und die Leute neidisch mit ansehen müssen, wie das ebenfalls auf der Insel Hispaniola gelegene Haiti ab dem 7. Juli den Gold Cup in den USA und Kanada bestreitet.

Besser ergeht es Veloz auf Klubebene. Anfang April startete die Liga in ihre erste Saison. Es ist eine Profiliga nach amerikanischem Muster mit Vereinen, die sich für die Teilnahme zu bewerben hatten. Veloz steht beim FC Cibao unter Vertrag, einem Klub aus der Stadt Santiago de los Caballeros, eine gute Autostunde von Puerto Plata und dem Meer entfernt. Mit 27 Jahren ist er der Älteste des Teams und auch hier der Captain. Er hat den Auftrag, seine Erfahrungen einzubringen.

Mit dem FC Zürich war er zwei Mal Meister geworden und im November 2009 unter Ottmar Hitzfeld in einem Länderspiel gegen Norwegen zum Einsatz gekommen. Er hatte danach in der Saison 2012/2013 Pech bei halbjährigen Engagements bei Inter Baku und Vaduz. In Aserbaidschan bestritt er nur drei Spiele und fühlte sich immer als Fremder, auch seine etwas dunklere Hautfarbe machte ihm das Leben nicht einfach. In Liechtenstein verletzte er sich vor dem Rückrundenbeginn und blieb ohne Einsatz.

Etwas Neues ausprobieren

Als er dann bei Real Valladolid in Spanien einen Kontrakt erhielt, kam er auch gleich im zweiten Saisonspiel in der Primera Division beim 1:2 gegen Villarreal über neunzig Minuten zum Einsatz – danach allerdings nie mehr. «Der Trainer setzte nicht mehr auf mich, obwohl ich nicht schlecht gespielt hatte», sagt Veloz.

Bevor er schliesslich in diesem Jahr beim FC Cibao unterschrieb, hatte er noch in den USA bei Jacksonville Armada, einem Klub aus der zweitklassigen North American Soccer League, mittrainiert. «Es war nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte, und zog es vor, den Fussball im Land meiner Mutter kennen zu lernen», so Veloz.

Nach 14 Runden liegt er mit dem FC Cibao in der Zehnerliga auf Rang 5, mit intakten Chancen, sich für die Playoffs der besten Vier zu qualifizieren. Der Präsident zählt zu den reichsten Leuten und hat neben Veloz auch zwei Spanier aus der Segunda B geholt sowie ein paar Haitianer. Der sportliche Verantwortliche ist der Spanier Albert Benaiges Sala, der mal in der Nachwuchsabteilung des FC Barcelona gearbeitet hatte.

«Das Niveau der Liga entspricht nicht ganz der Challenge League in der Schweiz», sagt Veloz. Es wird hart und unkontrolliert gespielt, die Taktik spielt eine eher untergeordnete Rolle. «Zu unseren Heimspielen kommen 5000 Zuschauer und es ist laut, es wird getrommelt und es ist immer ein Fest», sagt Veloz, der als Innenverteidiger oder im Mittelfeld aufläuft.

Vorteil Namensänderung

Zu verdienen gibt es nicht viel in der Liga Dominicana. «Man bekommt eine Wohnung und einen Grundlohn von 500 Dollar. Damit kann man hier leben», sagt Veloz. «Ich bin überhaupt nicht wegen des Geldes hier. Mich hat das Projekt der neuen Liga gereizt und meine Rolle, mitzuhelfen, den Fussball hier voranzubringen.» Veloz ist finanziell etwas besser gestellt als die Teamkollegen und hat als einer der wenigen ein Auto. «Wenn einer verletzt ist, fahre ich ihn in die Therapie», lacht Veloz, dessen Mutter in Santo Domingo lebt.

Er hat nie bereut, dieses Abenteuer eingegangen zu sein. «Ob es im nächsten Jahr weitergeht, ist offen. Es geht mir aber gut. Ich bin in der Karibik und kann Fussball spielen.» Dennoch freut er sich darauf, im Herbst in der Schweiz mal wieder Familienangehörige und Bekannte zu sehen. Dann wird aus Heinz Veloz wieder Heinz Barmettler. Dass die Idee mit Veloz nicht schlecht war, zeigt indes ein Blick auf die Kaderliste der Ligawebsite. Dort steht: Heinz Battlemer Veloz.

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