Das historische Triple lockt, und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge fordert die Champions-League-Sieger von Bayern München auf: «Macht euch unsterblich!» Eine Woche nach dem Triumph in London ist das DFB-Pokal-Endspiel gegen den krassen Aussenseiter VfB Stuttgart für den Rekordsieger «viel, viel mehr als ein Final», wie Sportvorstand Matthias Sammer verdeutlicht.

Die Mannschaft könne heute (20 Uhr/live ARD) im Berliner Olympiastadion «an die Spitze treten» – und sich über Legenden wie Franz Beckenbauer erheben.

Kein Wunder also, dass der VfB sich da in Sarkasmus flüchtet: «Wir haben überlegt, ob wir überhaupt antreten sollen», sagt Stuttgart-Coach Bruno Labbadia.

Meisterschaft, Königsklasse und Pokal – dieser Dreifach-Triumph ist noch keiner deutschen Mannschaft geglückt. Mit dem 2:1 im Endspiel der Champions League gegen Borussia Dortmund hat sich das Team von Trainer Jupp Heynckes laut Rummenigge schon «in die Geschichtsbücher eingetragen».

Nun könne sie sich vor 74 244 Zuschauern mit dem 16. Cup-Sieg «unsterblich machen» und Jupp Heynckes in dessen letztem Spiel den perfekten Abschied bescheren. «Wir wollen diesen Pokal auch für ihn gewinnen», sagt Bastian Schweinsteiger. Heynckes könnte wie Labbadia der vierte im Pokal erfolgreiche Profi sein, der den Pott auch als Coach holt.

Historisch ist aber auch das Datum, an dem die Bayern das einzige ihrer neun Pokal-Duelle mit dem VfB verloren: Am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, unterlagen sie den Schwaben 0:3.

Sonst gab es nur Siege, darunter im Final 1986 (5:2). In dieser Spielzeit beherrschten die Bayern ihren Endspielgegner beim 6:1 und 2:0 fast nach Belieben. Doch das und der aktuelle emotionale Höhenflug dürften nicht dazu führen, «eine historische Chance zu verpassen», so Sammer.

Ein letzter Motivationsschub war es für Bayern, dass der brasilianische Verband ihnen Abwehrchef Dante und Luiz Gustavo «klaute». Beide wurden zur Seleção beordert, um den Confed-Cup (15. bis 30. Juni) zu spielen. Der FCB werde «auch für die zwei alles in die Waagschale werfen».

Labbadia schwant deshalb: «Hoch werden wir nicht gewinnen.» Doch die Bayern haben den Ehrgeiz des Underdogs geweckt, auch wenn dieser das nicht zugeben will. Die Aussage von Rummenigge, Bayern habe auch noch «mit 1,8 Promille» eine Chance, fand Sportvorstand Fredi Bobic «respektlos».

Trainer Labbadia verzichtete auf einen Konter. «Wir haben doch schon genug Zirkus, da braucht es keine gewollten Wortgefechte.» Der Tabellen-Zwölfte, der in einer missratenen Saison 48 Punkte weniger sammelte als der FCB, hat gehörigen Respekt.

Labbadia nennt die Münchner «gnadenlos» und meint, der «kleine Fahrzeughersteller» vom Neckar könne sich «nicht mit Mercedes-Benz vergleichen».

Es solle aber bitteschön keiner auf die Idee kommen, dass sich der dreimalige Pokalsieger vor dem «FC Übermacht» in die Hosen mache, betont Bobic. «Wer Angst hat, sollte golfen gehen.»

Bei der Anreise hatte der VfB die Nase vorn, bereits am Donnerstag bezogen sie ihr Quartier im Schlosshotel Grunewald, wo die DFB-Elf bei der WM 2006 logierte. Die Bayern kamen Freitagmittag, sie wohnen im Hotel Regent in Mitte.