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Wenn Rassisten Fussballprofis beschimpfen

Wieder einmal mussten sich dunkelhäutige Fussballprofis am Wochenende aufs übelste beschimpfen lassen. In Italien waren es Anhänger von Lazio Rom, in Deutschland Fans des Zweitligisten 1860 München.

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Dunkelhäutige Fussballer, die mit Rassismus konfrontiert werden
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Balotelli nach seinem zweiten Tor gegen Deutschland
Mittelfeldspieler Paul Pogba als Doppeltorschütze
Kevin Prince Boateng erzielte das 1:0 für Milan.

Dunkelhäutige Fussballer, die mit Rassismus konfrontiert werden

Keystone

Wieder einmal mussten sich dunkelhäutige Fussballprofis am Wochenende aufs übelste beschimpfen lassen. In Italien waren es Anhänger von Lazio Rom, in Deutschland Fans des Zweitligisten 1860 München.

Teile der Anhänger von Lazio aus der Curva Nord sind sehr gewaltbereit und rassistisch faschistisch sowie nationalsozialistisch eingestellt. Im April musste der Klub wegen rassistischer Fangesänge 30 000 Euro Strafe bezahlen. In der vergangenen Saison verdonnerte die Europäische Fussball-Union Uefa die Römer zu zwei Geisterspielen in der Europa wegen rassistischer Entgleisungen der Fans.

Gesperrte Fankurve

Diesmal stimmten die Fans bei der 0:4-Niederlage im italienischen Supercup gegen Juventus Turin in den Schlussminuten rassistische Schmähgesänge gegen die Juve-Profis Paul Pogba, Angelo Ogbonna und Kwadwo Asamoah an. Die italienische Liga reagierte: Lazio darf die Fantribüne Curva Nord, aus der die Rufe kamen, für ein Spiel nicht öffnen. Giancarlo Abete, Chef des italienischen Fussballverbands FIGC, betonte, dass sich Italien den neuen Uefa-Regeln zur Bekämpfung des Rassismus anpassen werde. Pogba, der für Turin das 1:0 erzielt hatte, sparte nicht mit Kritik. "Das sind Dummköpfe. Leider kann man dagegen wenig tun. Ich stehe allein gegen 30 000 Lazio-Fans", sagte der französische Mittelfeldspieler.

Erst im April hatte sich Pogba wegen rassistischer Beschimpfungen beim Schiedsrichter über Riccardo Meggiorini vom FC Turin beklagt. Der wies Behauptungen zurück, er habe Pogba rassistisch beleidigt. "Ja, es gab Beleidigungen", sagte Meggiorini: "Aber sie waren nicht rassistisch. Ich werde auch oft beleidigt. Das passiert im Fussball nun mal." Und sein Trainer, Giampiero Ventura, meinte: "Dreckiger Schwarzer ist keine besonders schwere Beleidigung, falls Meggiorini es in der Tat gesagt haben sollte." Pogba hatte sich über "eine Serie rassistischer Beschimpfungen" beim Schiedsrichter beklagt.

Prominentes Opfer: Kevin-Prince Boateng

Die rassistischen Schmährufe in Rom erinnern an den Vorfall um den Deutsch-Ghanaer Kevin-Prince Boateng von der AC Milan im Januar. Damals verhöhnten Fans des italienischen Viertligisten Pro Patria den 26-Jährigen mit rassistischen Sprechchören. Boateng verliess den Platz, die Mitspieler schlossen sich an, die Partie wurde abgebrochen. Sechs Pro-Patria-Fans wurden zu Gefängnisstrafen von 40 Tagen bis zu zwei Monaten verurteilt. Ein Gericht belegte die Männer zudem mit einer Geldstrafe von insgesamt 10 000 Euro.

In Deutschland fielen Anhänger des Zweitligisten 1860 München aus der Rolle. Sie beleidigten den deutschen U21-Nationalspieler Danny da Costa vom FC Ingolstadt mit Rufen wie „Nigger" und „Schwarzes Schwein". „Es waren nicht viele, tatsächlich einige wenige, die sich gedacht haben, in der Gruppe können sie es machen. Immer, wenn der Ball in meine Nähe kam, gab es Affenlaute. Das war natürlich ein Scheissgefühl", sagte der 20-Jährige: "Das kannte ich in dieser Form nicht, so etwas habe ich noch nie erlebt. Vor kurzem habe ich noch für die U21 auf dem Platz gestanden und die deutsche Nationalhymne gesungen - und muss mich jetzt aufs Übelste beschimpfen lassen. Das sind einfach Schwachmaten, die sollen zu Hause bleiben und ihre Wand beschimpfen."

Auch Da Costa beschwerte sich

Da Costa beschwerte sich bei Schiedsrichter Florian Meyer. Der veranlasste eine Stadiondurchsage. Da Costa, hofft, dass es ein Einzelfall war: "Ich glaube, das war ein Einzelfall. Es ist so zumindest bei mir noch nie vorgekommen. Das ist auch kein spezielles Problem von 1860-Fans. Ich glaube, dass man das in Deutschland ganz gut im Griff hat, aber wenn einige Vollidioten aus der Reihe tanzen, kann man nichts machen. Wenn man die richtigen Fans mit hineinzieht, wäre das nicht fair."

In Italien sind solche Beschimpfungen allerdings keine Ausnahme. Ein prominentes Opfer ist immer wieder Nationalspieler Mario Balotelli. Er wurde schon oft Opfer von rassistischen Diskriminierungen. So gab es beispielsweise rassistische Sprechchöre und Beschimpfungen durch Fans von Juventus Turin. Selbst der Bruder des ehemaligen Ministerpräsidenten Italiens und Vizepräsident der AC Milan, Paolo Berlusconi, beschimpfte ihn. Seine Reaktionen auf derartige Schmähungen waren bisweilen emotional. So äußerte er in einem Interview der französischen Fussball-Fachzeitschrift France Football vor der Europameisterschaft 2012: „Wenn mich jemand auf der Straße mit einer Banane bewirft, werde ich ins Gefängnis gehen müssen, weil ich denjenigen umbringen werde."

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